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Politik

Interview: "McCain ist der Gewinner"

Der Sieg des Umfrage-Außenseiters McCain beim "Super Tuesday" zeigt: Nicht immer kommt es bei US-Vorwahlen nur aufs Geld an, sagt Knud Krakau, Amerika-Experte beim John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin.

Knud Krakau, emeritierter Professor und Spezialist für amerikanische Verfassungsgeschichte

Knud Krakau, emeritierter Historiker und Spezialist für amerikanische Verfassungsgeschichte

DW-WORLD.DE: Was ist das zentrale Ergebnis des US-Vorwahlspektakels am Super-Dienstag?

Knud Krakau: Ganz eindeutig ist Senator McCain der Gewinner der bisherigen Vorwahlen, das heißt in der Hälfte aller US-Staaten. Man kann davon ausgehen das er der Top-Runner der Republikaner ist. Völlig anders bei den Demokraten: Hier ist das Ergebnis, das es kein Ergebnis gibt. Das Rennen ist völlig offen. Mit New York und Kalifornien hat Clinton zwar zwei große und wichtige Staaten gewonnen, weil sie viele Wahlmänner stellen. Aber auch Obama hat in wichtigen Staaten gesiegt, wie zum Beispiel Georgia.

"Mac is back" tönt es überall. Wie konnte sich Senator John McCain vom Umfrage-Außenseiter zum Favoriten der Republikaner mausern? Seine Zustimmung zum Irak-Krieg hatte ihn viel Popularität gekostet.

McCain war auch wegen seiner liberaleren Position in der Einwanderungsfrage umstritten. Seine Mitarbeit an einem Kompromissgesetz haben ihm viele konservative Republikaner übel genommen. Vor allem das Partei-Establishment war mit ihm nicht einverstanden. Doch auch trotz wesentlich schlechterer finanzieller Ausstattung als sein Mitbewerber Mitt Romney: McCain hat sich zum Favoriten gemausert, weil er beim republikanischen Parteivolk als seriöser, Vertrauen erweckender, solider, grundanständiger, ehrlicher Kerl ankommt. Wie bei den anderen Bewerbern geht es hier nicht um Programme, um Politik-Inhalte, sondern um Selbstinszenierung und Selbstdarstellung. Und da hat der grundamerikanische "Typ" McCain, das Rennen gemacht. Das ist bemerkenswert. Es zeigt, dass nicht immer das Geld den Ausschlag gibt, wie man hier zu Lande immer glaubt.

Insgesamt acht Staaten haben am Dienstag mehrheitlich für Clinton votiert, darunter die Schwergewichte New York und Kalifornien. Obama hat dafür in dreizehn Staaten abgeräumt. Was ist entscheidender: Wenige wichtige oder viele Staaten?

Das lässt sich bei den Demokraten so nicht sagen, was am etwas chaotischen System liegt, das nicht immer leicht zu durchschauen ist. Außerdem gibt es unterschiedliche Regelungen in unterschiedlichen Staaten. Bei den Demokraten werden die Stimmen in der Regel proportional verteilt. So dass innerhalb der Demokraten der Anteil an den Wählerstimmen entscheidend ist und nicht der Gewinn im Staat insgesamt. Die Mehrheit der Gesamtstimmen im Staat sagt noch nichts aus über die Anzahl der Wahlmännerstimmen, die der Sieger gewonnen hat. Mann kann also nicht sagen, Obama hat in dreizehn, Hillary in acht Staaten gewonnen, deshalb hat Obama insgesamt gewonnen. Das hat sich auch in New Hamsphire gezeigt, wo Obama mehr Wahlmännerstimmen bekam, obwohl Clinton im gesamten Staat gesiegt hatte. Bei den Republikanern hingegen heißt es: 'The winner takes it all.' Wer dort die Mehrheit in einem Staat holt, bekommt alle Wahlmänner des Staates. Insofern zählt dort die Anzahl der gewonnenen Staaten.

Haben die Republikaner mit einem frühen Favoriten einen Vorteil für den restlichen Wahlkampf?

Sie haben insofern einen Vorteil, als die Fronten bei ihnen klar sind. Wenn der Bewerber der Demokraten im August einmal feststeht, dann wird auch die Partei und die Wählerschaft weitestgehend geschlossen hinter diesem Kandidaten oder dieser Kandidatin stehen. Und dann kommt es nur noch auf den Gegensatz in der politischen Gesamtkonstellation zwischen Demokraten und Republikanern an. So dass der frühe Vorteil von McCain, dass er der Eine ist, der momentan alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, dann nicht mehr zählt.

Erstmals konnten US-Bürger im Ausland an den Vorwahlen des Demokratischen Kandidaten teilnehmen. Wer profitiert davon: Clinton oder Obama?

Da ist eine Prognose schwierig. Vielleicht spielt eine Rolle, dass viele Amerikaner im Ausland jünger sind. Und bei den Wähler der jungen bis mittleren Altersgruppe entwickelt sich oft eine Tendenz zu Obama. Das könnte eine Rolle spielen, sollte diese Altersgruppe im Ausland überwiegen. Ansonsten gelten für Amerikaner im Ausland dieselben Kriterien wie in den USA selbst: Entweder man ist für die "Erfahrung" oder für den jugendlich-dynamischen Wechsel-Impuls bei Obama. Da kann man keine großen Unterschiede erwarten.

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