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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Die Einnahme Bagdads

Meistkommentiertes Ereignis dieser Woche war der Fall der irakischen Hauptstadt Bagdad, symbolisiert durch die live in alle Welt übertragenen Bilder vom Sturz eines Saddam-Hussein-Standbilds im Zentrum der irakischen Hauptstadt am Mittwoch. Die internationale Presse reagierte auf den Erfolg der US-Truppen mit Genugtuung aber auch mit der Feststellung, dass selbst nach einem Ende des Krieges der Frieden noch lange nicht gewonnen sei. So meinte das niederländische ALGEMEEN DAGBLAD:

"Mit dem Einreißen des riesigen Standbildes von Saddam Hussein ist im Irak das Ende der diktatorischen Herrschaft eingeläutet worden, die die Bevölkerung des geplagten Landes so lange in ihrem eisernen Griff gehalten hat. (...) Aber der militärische Sieg der Vereinigten Staaten, der auch viele unschuldige Leben kostete, ist nur ein erster Schritt. (...) Präzisionsbomben stürzten den Tyrannen, doch die Demokratie lässt sich damit nicht herbeibefehlen."

Mit Blick auf die Kriegsgegner hieß es in der dänischen Tageszeitung JYLLANDS-POSTEN aus Kopenhagen:

"In der Stunde der Befreiung zeigten amerikanische Flaggen und andere Symbole in den Straßen von Bagdad tiefe Dankbarkeit gegenüber den Befreiern. Das ist der größte Dank, den die Koalition mit Kräften aus den USA und Großbritannien sowie bescheidener Unterstützung durch Australien und Dänemark erreichen kann. Schließlich war die Aktion zur Entwaffnung von Saddams Regime die am heftigsten in Misskredit gebrachte der Weltgeschichte. Hoffentlich entsteht nun echte Nachdenklichkeit im unwilligen Teil des UN-Sicherheitsrates, wo man wirklich allen Grund zu roten Ohren hat."

Die ungarische Tageszeitung MAGYAR HIRLAP aus Budapest schrieb:

"Hättet ihr doch den Krieg unterstützt und nicht herumgemäkelt. Das ist für die Unternehmerkreise in Paris, Berlin und Moskau eine unverhüllte, harte Botschaft. Das mäkelnde Europa wird an der Wiederaufbau-Front wahrscheinlich auf der Strecke bleiben, aber dennoch werden sich die euratlantischen Spannungen lösen, denn derzeit hat keine der Seiten ein Interesse an der Verschärfung der politischen Gegensätze."

Der Kommentator des in London erscheinenden DAILY TELEGRAPH sang ein Loblied auf US-Präsident Bush:

"Was so faszinierend an dem Sieg im Irak ist: Er zeigt, dass westliche Führer, die mit visionärer Kraft und Mut handeln, viel erreichen können. George W. Bush wird in Europa dauernd als dumm und engstirnig angegriffen, dabei war er es, der angesichts des großen Schocks vom 11. September als erster führender westlicher Politiker begriff, wie sehr sich die Welt verändert hatte. Er war es, der damit begann, die schmerzhaften, aber notwendigen Fragen zur Macht des Terrorismus und seiner Sponsoren zu stellen. Er war es, der die Gewissheiten der außenpolitischen Eliten anzweifelte, deren einzige Antwort auf die Probleme der moslemischen Welt eine immer verzweifeltere Suche nach den 'gemäßigten Kräften' innerhalb bestehender Regierungen und dem soundsovielten Nahost-Friedensplan war. Die furchtbare Stagnation und die Feigheit der westlichen Außenpolitik sind nun durch etwas viel Stärkeres und Hoffnungsvolleres ersetzt worden."

Das ungarische Blatt NEPSZABADSAG urteilte:

"Zwar haben die USA viele Fehler gemacht bei der Vorbereitung der jetzigen Schritte und in der Tonart der Argumentation, doch haben sie im Grunde die richtige Sache vertreten."

Dem hielt die spanische Tageszeitung EL PAIS entgegen:

"Auch wenn der Duft des Sieges jene betört, die diesen Krieg geführt haben: Er war zu vermeiden. Die Welt ist ohne diesen Diktator besser geworden, aber die Art und Weise wie dieser Konflikt gehandhabt worden ist, trägt dazu bei, die bereits gebrechliche Weltordnung weiter zu schwächen."

LA REPUBBLICA aus Rom merkte kritisch an:

"Dies ist ein Krieg, der von seiner Entstehungsgeschichte her und als Modell falsch bleibt, weil er ohne die Legitimierung durch die UN stattgefunden hat. Die USA sind nach dem 11. September zugleich Opfer, Richter und Rächer geworden. Als ob nach dem 20. Jahrhundert, das die USA am Schluss zur einzigen Supermacht in einer Welt ohne festgelegte Gleichgewichte gemacht hat, das neue Jahrhundert den USA auch die Rolle des Schiedsrichters über dieses Gleichgewicht übertragen hätte. Deshalb bleibt der Krieg falsch, auch wenn er so ausgegangen ist, wie wir wollten, und Saddam besiegt wurde, wie alle Demokraten hoffen mussten."

Die franzöische Zeitung LE MONDE gab zu bedenken:

"Auch wenn man sich über das Ende dieser tyrannischen Herrschaft freut, kann man die Einwände gegen den Beginn des Krieges durch die Amerikaner aufrechterhalten: die Zweifel an der Existenz von Massenvernichtungswaffen, die noch aufzufinden sind, die Befürchtung über leider dann auch eingetroffene schwere Opfer in der Zivilbevölkerung, die nicht vorhersehbaren Auswirkungen auf die Region und den wachsenden Anti-Amerikanismus, maßgeblicher Zündstoff für den islamistischen Terrorismus. Man kann im selben Atemzug den Sturz des Terrorregimes begrüßen und zugleich befinden, dass die Art und Weise, wie er erreicht wurde, eine schwere Last für die Zukunft des Iraks, der Region und der Welt bedeutet."

Die russische Tageszeitung KOMMERSANT befürchtete:

"Eine Folge des schnellen Falls von Bagdad wird sein, dass die Grundsätze einer gewaltfreien Umgestaltung der Welt an Wert verlieren. Wenn das Blut so schnell fortgewaschen wird und die Tränen so schnell trocknen, warum sollte man dann nicht aus Liebe zur Menschheit weiter zu chirurgischen Militäroperationen greifen? Sie haben doch im Irak ihre Effektivität bewiesen. Schließlich gibt es doch die These, dass zur Liebe immer auch ein bisschen Gewalt gehört."

Das schwedische Blatt DAGENS NYHETER konstatierte:

"Die schwerste Schlacht für die USA ist nach wie vor die um die Meinung der Weltöffentlichkeit. Hier braucht man deutliche Veränderungen auf der Bühne, damit der Feldzug legitimiert wird, den die Mehrzahl der Staaten auf der Welt ablehnt."

Die SALZBURGER NACHRICHTEN meinten:

"In diesen Tagen wird sich weisen, ob die USA nicht nur den Krieg gegen Saddam, sondern auch das Ringen um einen stabilen Nachkriegs-Irak gewinnen. Dazu benötigen sie die Sympathie und Unterstützung der Bevölkerung. So richtig beginnt der Kampf um die Herzen der Iraker erst jetzt."

Die NEW YORK TIMES sah das ähnlich:

"US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verglich die Entwicklungen in Bagdad mit dem Fall der Berliner Mauer. Dieser Vergleich ist voreilig. Die Beseitigung des Regimes von Saddam Hussein kann das erste Kapitel einer positiven und historischen Umgestaltung des Iraks sein, doch nur wenn den militärischen Aktionen schnell Versuche folgen, das Land zu stabilisieren, die Menschen zu ernähren und ärztlich zu versorgen und den Irak auf einen Kurs in Richtung Selbstverwaltung zu bringen. Das ist der Unterschied zwischen einem Eroberungskrieg und einem Befreiungskrieg."

Die WASHINGTON POST kritisierte die wiederholten Vorwürfe der US-Regierung gegen Syrien:

"Die beste Art, auf den Erfolg des militärischen Feldzuges im Irak aufzubauen, wird nicht sein, andere Regime zu bedrohen, sondern den Irakern den Aufbau einer Regierung zu erlauben, die ihnen politische Freiheit, Menschenrechte und ein Möglichkeit zu Wachstum im Rahmen der Weltwirtschaft ermöglicht. Diese Aufgabe wird in vieler Hinsicht schwieriger sein und gewiss länger dauern, als dieser abflauende Krieg; und die Bereitschaft der Regierung Bush (sie zu erfüllen) ist fraglich."

Das niederländische Blatt DE VOLKSKRANT bemerkte:

"Es sind nicht nur Länder wie Syrien, Iran und Nordkorea, die Angst haben vor den Amerikanern. Auch der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder fürchtet, dass die USA nach dem Irak andere so genannte Schurkenstaaten angreifen. (...) Vielleicht hat Schröder es nicht so gemeint, aber seine Worte klangen so streng, dass sie unwillkürlich die Frage aufwarfen, was Schröder wohl tun würde, falls seine Warnung nicht beachtet werden sollte. Wahrscheinlich nicht viel, denn die Deutschen bringen mit ihrer kaputtgesparten Bundeswehr, ihrem Kanzler ohne Visionen und ihrer Scheuklappen-Diplomatie nicht viel Gewicht auf die Waage. Die Ereignisse im Irak haben bestätigt, dass die amerikanische Macht nach wie vor das Maß aller Dinge ist. (...) Jeder muss damit umzugehen lernen, nicht nur Amerikas Feinde, sondern auch Amerikas Freunde und die Amerikaner selbst."

Die rumänische Tageszeitung ADEVARUL aus Bukarest zog folgendes Fazit:

"Die Welt wird nur dann sicherer, wenn die Werte, die mit (der amerikanischen) Fahne kommen, auch akzeptiert werden. Deshalb muss Amerika nach Abschluss der heißen Phase des Krieges zurückkehren in den multipolaren internationalen Raum. Zwar sind die Franzosen zu stark auf das Vokale konzentriert und die Deutschen sind seit 50 Jahren eigensinnige Pazifisten. Aber ohne Europa als Ganzes wird es den USA schwer fallen, die Welt sicherer zu machen, denn durch die Risse zwischen Europäern und Amerikanern können Monster wie Saddam hindurchschlüpfen. Im Krieg gegen den Terror wird der Irak nicht der letzte heiße Konflikt gewesen sein. Er sollte aber der letzte ohne Zustimmung der zivilisierten Welt gewesen sein, damit nicht nur Saddam Hussein, sondern auch sein Geist beseitigt wird."

  • Datum 13.04.2003
  • Autorin/Autor Hans-Bernd Zirkel
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3UQY
  • Datum 13.04.2003
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