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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Bombenfunde in London / Tony Blair als Nahost-Berater

Bombenalarm am Flughafen von Ibiza, Autobomben in der Londoner City. Der Terror in Europa -und natürlich auch weltweit- ist noch lange nicht besiegt. Dabei steht Großbritannien nach wie vor im Fadenkreuz der blindwütigen Extremisten.

Die römische Zeitung LA REPUBBLICA schreibt zu den vereitelten Terroranschlägen in London:

'Dabei war der Machtwechsel ... gerade mal vollzogen, vom abenteuerhaften Söldnerführer Tony Blair zu seinem Nachfolger Gordon Brown, dessen Gegnerschaft zur irakischen Invasion wohl bekannt ist. Daher sind die beiden mit Sprengstoff beladenen Autos von London zugleich eine Erinnerung für uns, dass der islamische Terrorismus keiner stringenten politischen Rationalität gehorcht...'

Die britische TIMES geht auf die Wachsamkeit der britischen Bevölkerung ein:

'Die Londoner sind längst gewöhnt an die regelmäßigen Warnungen im öffentlichen Nahverkehr und ihnen ist die Notwendigkeit von Inspektionen und Sicherheitsüberprüfungen oft egal. Soweit dies bedeutet, dass Londoner und Touristen sich nicht einschüchtern lassen, ist das begrüßenswert. Doch es sollte nicht die von der Regierung wiederholte Botschaft abschwächen, dass Großbritannien mit einer «ernsten und anhaltenden Gefährdung» durch den internationalen Terrorismus konfrontiert ist.'

Die österreichische Tageszeitung DER STANDARD beleuchtet einen anderen Aspekt:

'Die jüngste Aufregung um den Ritterschlag für Salman Rushdie hat erneut gezeigt, dass das viel zitierte 'Londonistan' noch immer brodelt. Islamistische Hassprediger haben leichtes Spiel, selbst westlich sozialisierte Muslime lassen sich angesichts der Zustände im Irak und in Palästina radikalisieren.'

In diesem Zusammenhang stellt der Züricher TAGES-ANZEIGER fest:

'Die El Kaida gewinnt in Palästina an Einfluss. Mit ihren apokalyptischen Vorstellungen eines globalen Kriegs gegen den Westen ... erhöht Bin Ladens Terrorbewegung den Druck auf die bisher national (und gegen Israel) orientierten palästinensischen Widerstandsbewegungen. Seit 2004 hat die El Kaida vom Libanon bis zur Sinai-Halbinsel systematisch eine neue Front eröffnet.'

Bleiben wir beim Thema 'Nahost': Kaum hat der frühere britische Premierminister Tony Blair die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Gordon Brown weitergegeben, hat er schon eine neue Aufgabe. Als Sondergesandter des Nahost-Quartetts -bestehend aus der EU, den USA, Russland und den UN- soll er im israelisch-palästinensischen Konflikt vermitteln. Blairs Zukunft war denn auch ein Thema, mit dem sich die Kommentatoren der europäischen Presse in der vergangenen Woche ausführlich beschäftigt haben.

Die Pariser Zeitung LE MONDE meint skeptisch:

'Blair ist nicht unumstritten. Einige Diplomaten im Londoner Außenministerium meinen, dass er Israel gegenüber zu nachsichtig ist. Und es ist schwer abzusehen, wie der ehemalige Premierminister - trotz seiner Trümpfe - da rasch Erfolg haben soll, wo sein Vorgänger James Wolfensohn vor einem Jahr das Handtuch geworfen hat.'

Die niederländischen Zeitung NRC HANDELSBLAD prognostiziert:

'Blair wird sein diplomatisches Geschick nötig haben. Nicht nur weil es außer dem israelisch-palästinensischen Konflikt auch einen dramatisch eskalierten innerpalästinensischen Konflikt gibt. Sondern auch, weil vor allem er, der treue Verbündete, in der Lage ist, dem amerikanischen Präsidenten Bush deutlich zu machen, dass die bedingungslose Unterstützung Israels letzten Endes kontraproduktiv ist.'

Tony Blair sei gut qualifiziert, urteilt die britische TIMES und führt aus:

'Es ist argumentiert worden, Blairs Rolle bei der militärischen Intervention im Irak bedeute, dass er in dieser Region keine Aufgabe mit einigermaßen Glaubwürdigkeit ausüben könne. Das ist Unsinn. Der Irak ist völlig irrelevant für die israelisch-palästinensische Situation. Was zählt ist, dass ein Sondergesandter das Vertrauen der wichtigsten Mächte hat, die ihn unterstützen, dass er mit den Problemen vor Ort vertraut ist und dass Ehud Olmert und Mahmud Abbas bereit sind, mit ihm zu arbeiten.'

Der Mailänder CORRIERE DELLA SERA zieht einen anderen Aspekt in Betracht :

'Natürlich hat seine Entscheidung, Bush in die Invasion des Iraks zu folgen, Hass gegen ihn in der arabischen Welt hervorgerufen. Aber es ist auch offensichtlich, dass der Nahe Osten starke und entschiedene Persönlichkeiten zu respektieren weiß. Und Blair hat schließlich den unmöglichen Frieden in Nordirland ausgehandelt - und dafür hat er zehn Jahre gebraucht.'

Abschließend dazu die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG, die nach Blairs Beweggründen für seine neue Aufgabe fragt:

'Sind es idealistische Motive, die ihn dazu antreiben? Oder sind es die Hybris überspannten Ehrgeizes und die zur Sucht gewordene Abhängigkeit vom großen Rampenlicht, die ihn veranlassen, das Job-Angebot anzunehmen? Im Falle eines Erfolges wird die Welt Blairs idealistisches Engagement preisen. Bei einem Misserfolg sind ihm Spott und Häme sicher.'