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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

Putins Deutschland-Besuch / Nobelpreis-Vergabe

Der Deutschland-Besuch des russischen Präsidenten Putin ist ein zentrales Kommentarthema in der ausländischen Tagespresse. Daneben findet naturgemäß die Vergabe der Nobelpreise für Frieden und Literatur breite Beachtung.

Zunächst zum Besuch des russischen Präsidenten. Die österreichische Zeitung DIE PRESSE lobt in diesem Punkt die Kanzlerin, gleichzeitig wird Kritik an der EU geübt:

'Die Pastoren-Tochter hat sich schon bisher standhafter erwiesen als so manch anderer. Und auch dieses Mal fand sie einen Weg, gegenüber Putin ihr Unbehagen wegen des Mordes an der regierungskritischen Journalistin Politkowskaja auszudrücken. Nötig wäre jedoch eine deutliche Botschaft der gesamten EU an Putin. Aber die Kritik an Moskau blieb bisher halbherzig. Die Europäer brauchen Russland als Energielieferanten und Partner in politischen Fragen: vom Atomstreit mit Teheran bis zum Kosovo-Problem. Da will man Moskau nicht verärgern.'

Ähnlich äußert sich die belgische Tagezeitung DE MORGEN:

'Auf Drängen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der russische Präsident Wladimir Putin die Zusicherung gegeben, dass er sich für die Pressefreiheit in seinem Land einsetzen will. Er bekräftigte sein Versprechen, den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja untersuchen zu lassen. Im Europäischen Parlament bekamen der finnische EU-Vorsitz und Kommissionspräsident José Manuel Barroso den Rat, Putin hart und klar anzugehen.'

Die NEW YORK TIMES macht den Mord an Politkowskaja ebenfalls zum Kommentarthema, allerdings ohne den Besuch Putins in Deutschland zu erwähnen:

'Die in Moskau erschossene Anna Politkowskaja war die Nummer 13 unter den ermordeten russischen Journalisten seit Präsident Putins Amtsübernahme - und eine der tapfersten. Wir werden möglicherweise nie herausfinden, wer sie umgebracht hat. In Putins Russland haben politisch motivierte Morde die Eigenschaft, nie aufgeklärt zu werden.'

Abschließend die russische Tageszeitung KOMMERSANT. Sie blendet die Ermordung der regierungskritischen Journalistin komplett aus, wirft aber dennoch einen kritischen Blick auf Moskau, wenn es dort heißt:

'Russland will Deutschland zum wichtigsten Energiepartner in Europa machen. Im Gegenzug sind die Deutschen auserkoren, Russlands Interessen in der Europäischen Union zu vertreten. Es bleibt abzuwarten, wie Merkel auf den Vorschlag Putins reagieren wird, eine 'Energieachse Berlin - Moskau' zu bilden. Putin bleibt keine andere Wahl. Angela Merkel ist der letzte bedeutende Politiker, mit dem es sich Russland und Gasprom noch nicht verscherzt haben. Eine Kreml-Allianz mit den USA, den im Gasgeschäft weiter vertrösteten Chinesen, Frankreich, Norwegen und Italien scheint schon nicht mehr möglich zu sein.'


Themenwechsel und zu den Nobelpreisen für Frieden und Literatur. Die Vergabe der beiden Preise findet fast durchgängig Zustimmung. Auffällig ist, dass die Vergabe des Literaturpreises vor allem als politisches Signal verstanden wird. Zunächst jedoch zum Friedensnobelpreis, der an den Bankengründer Junus aus Bangladesh geht.

Die norwegische Tageszeitung AFTENPOSTEN meint dazu:

'Die Überraschung war groß und Fragezeichen gab es viele, als das Nobelkomitee den diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises bekannt gab. Aber es bedurfte nur relativ weniger Information, ehe die Entscheidung auf Respekt und Anerkennung stieß. Man ehrt einen Muslim, der sich über 30 Jahre handfest dafür eingesetzt hat, bescheidenen Wohlstand für die Allerärmsten zu schaffen. Das ist im Wesentlichen Frauen in der islamischen Welt zugute gekommen.'

Die italienische Tageszeitung LA STAMPA schreibt:

'Mohammed Junus ist der Bankier, der es geschafft hat, durch ein Nadelöhr zu schlüpfen. Statt für moralische Zwecke Gewalt einzusetzen, was als Beweggrund für den kriegerischen Export der Demokratie angesehen wird, hat sich Junus mit dem Gegenteil beschäftigt: Er hat das Mitleid und die Hilfe für Arme dazu benutzt, sie dazu zu bringen, ihre wirtschaftliche Stärke einzusetzen.'

Vom Friedens- zum Literaturnobelpreis an den Türken Pamuk. Im Kommentar der spanische Zeitung ABC heißt es:

'Orhan Pamuk hat sicher seine literarischen Verdienste. Diese sind aber noch kein Grund, einem relativ jungen Autor, der noch kein Werk der Weltliteratur geschrieben hat, zu universellem Ruhm zu verhelfen. Dass die Wahl auf den Türken fiel, war vor allem eine politisch korrekte Entscheidung. Pamuk ist Muslim und Laizist. Das passt in die Allianzen von Zivilisationen.'

Die russische Tageszeitung KOMMERSANT äußert sich ähnlich:

'Für den diesjährigen Literaturnobelpreis war Orhan Pamuk notwendig. Nach dem gerade erst beendeten israelisch-libanesischen Krieg und dem nicht enden wollenden Atomstreit mit dem Iran brauchte man eine Kompromissfigur. Aufgewachsen im islamischen Raum und ausgebildet in der europäischen Kultur, ist Pamuk in der Lage und willens sowohl die einen als auch die anderen zu verstehen. Damit wurde er zur idealen Kompromissfigur.'

Abschließend die serbische Zeitung POLITIKA:

'Der Nobelpreis ist eine Anerkennung für den Schriftsteller, aber auch eine indirekte Botschaft an die Türkei, sich mit dem Genozid an den Armeniern auseinander zu setzen, von dem Pamuk als erster öffentlich gesprochen hat. Orhan Pamuk ist nicht nur der beste und berühmteste zeitgenössische türkischer Autor, sondern auch ein aufrichtiger und tapferer Kämpfer für Menschenrechte.'
  • Datum 14.10.2006
  • Autorin/Autor Hans Ziegler
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9FRy
  • Datum 14.10.2006
  • Autorin/Autor Hans Ziegler
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