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Politik

Internationale Pressestimmen der vergangenen Woche

100 Tage Regierung Merkel / Vogelgrippe

Die ersten 100 Tage der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel stehen im Mittelpunkt zahlreicher Kommentare der ausländischen Presse. Ein weiteres Thema ist die Ausbreitung der Vogelgrippe.

Die konservative französische Tageszeitung LE FIGARO aus Paris meint zur Zwischenbilanz der neuen deutschen Regierung:

"In Paris hat Angela Merkel sofort nach ihrer Amtseinführung Präsident Jacques Chirac den Fortbestand der deutsch-französischen Beziehungen zugesichert, sich dabei aber von einer zu exklusiven Umarmung freigemacht. In Brüssel ließ sie sich feiern als diejenige, die den europäischen Haushaltskompromiss doch noch möglich gemacht hat. In Washington legte sie die Basis einer neuen Vertrauens- beziehung, hält aber nicht mit Kritik an Guantánamo zurück. Und im Kreml spricht sie von Tschetschenien und betont gleichzeitig die deutsch-russische 'strategische Partnerschaft'."

Die Schweizer Zeitung DER BUND aus Bern bilanziert:

"Auch nach ihren ersten 100 Tagen erhält die Regierung Merkel fast nur Bestnoten. Doch der Befund ist trügerisch. Denn zu einem guten Teil profitiert das Team um die CDU-Chefin immer noch vom schwierigen Jahr 2005: Implosion der rot-grünen Regierung, Lähmung nach dem unklaren Wahlausgang. Gemessen an der Ungewissheit von damals ist die unspektakuläre, solide, mit kleinen, aber gut eingefädelten Entscheiden arbeitende Regierung eine Wohltat, ganz unabhängig davon, ob man mit den Inhalten einverstanden ist. Zudem hat sich Angela Merkel nicht nur international trittsicher gezeigt und eigene Akzente gesetzt. (...) Das Problem ist nur: Das reicht auf Dauer nicht. Merkel, die sich jetzt in einigen Punkten sozialdemokratischer gebärdet als die SPD, treibt ein heikles Spiel. Sie hat die Definitionshoheit deutscher Politik weitgehend an sich gerissen. Das kann Frustrationen beim Koalitionspartner hervorrufen."

Die linksliberale französische Tageszeitung LIBÉRATION aus Paris schreibt:

Die Kanzlerin hat die Deutschen überzeugt. Angela Merkel hat dabei aber noch nicht die schweren Brocken anpacken müssen. Sicher, die große Koalition hat sich bei der Reform des Föderalismus geeinigt und Veränderungen bei der Reform des Arbeitsmarktes auf den Weg gebracht. Alle warten jetzt aber darauf, dass die Kanzlerin an einem Angelpunkt ankommt, also bei den Fragen der Beschäftigung und der Finanzierung der Krankenversicherung. Denn da liegen CDU und SPD überhaupt nicht auf einer Linie, und Merkels Vertraute wissen dies. Die Kanzlerin hat wirklich keine Lust, in den Umfragen so abzusacken wie der französische Premierminister Dominique de Villepin."

Für die belgische Zeitung LA LIBRE BELGIQUE aus Brüssel gehen die Flitterwochen mit Merkel weiter:

"Selbst die kritischsten Beobachter geben zu, dass sie keine einzige Dummheit begangen hat. Das geht so weit, dass man sie schon langweilig zu finden beginnt. Sicherlich, ein etwas grauer Pragmatismus hat in Berlin jenes Klima von Testosteron ersetzt, dass die beiden Machos Gerhard Schröder und Joschka Fischer dort verbreitet hatten. Aber die meisten Deutschen sind zufrieden, dass sie in diesen Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und finanzieller Krise eine Regierung von Fleißigen haben."

Themenwechsel. Zur Ausbreitung der Vogelgrippe und deren Folgen schreibt die belgische Zeitung LE SOIR aus Brüssel:

"Gibt es einen einzigen guten Grund, die Schokoladencreme zu meiden, weil eine schweizerische Ente die Grippe hat? Die Mayonnaise zu boykottieren, sobald eine Gans am Rande eines kroatischen Teichs dahinsiecht? Und vor allem, auf das Hähnchen am Sonntag zu verzichten, weil ein tschechischer Schwan den Virus in sich trägt? Keinen einzigen! Die Panik hat die Hühnerhöfe verlassen und die Supermärkte erreicht, wo sich der Verbrauch von Geflügel in freiem Fall befindet. Weshalb? (...) Wegen des irrationalen Verhaltens des Verbrauchers? Sicherlich! Während man ihn ermahnt, dass zu viel Tabak, Alkohol oder Fritten höchst schädlich sind für seine Gesundheit, entscheidet er, kein Hühnchen mehr zu essen."

In der konservativen norwegische Tageszeitung AFTENPOSTEN aus Oslo heißt es:

"Es ist traurig, dass die Vogelgrippe nun auch Schweden erreicht hat. Viel wichtiger unter den Neuigkeiten ist aber die Mitteilung, dass das Virus sich in Afrika ausbreitet. Die Welternährungs- organisation FAO warnt vor dramatischen Folgen für die Menschen in betroffenen Ländern. Bei uns in Skandinavien müsste schon sehr viel passieren, ehe es zu umfassenden Gesundheitsproblemen kommen kann. (...) Afrikanische Behörden dagegen haben sicherlich wesentlich größere Schwierigkeiten, wirklich effektive Gegenmaßnahmen in Gang zu setzen. Dazu gehört vor allem, den Transport und Handel mit infizierten Vögeln zu verhindern."

Der RÉPUBLICAIN LORRAIN aus Metz in Lothringen schreibt:

"Kein Land ist vor der Ausbreitung der Vogelgrippe gefeit. Die von einer internationalen Tiermediziner-Konferenz erhobene Warnung wird jeden Tag auf beunruhigende Weise bestätigt. Die Epidemie breitet sich in Europa weiter aus. Nachdem sie in Nigeria und im Niger ausgebrochen ist, gewinnt sie in nun auch in Ostafrika an Terrain. Zu dieser geographischen Ausbreitung kommt nun eine neue Nachricht, die die Ratlosigkeit der Wissenschaftler (...) noch verstärkt: Die Erkrankung einer Katze an der Vogelgrippe. Die Ansteckung eines Säugetiers kann natürlich die Psychose in der öffentlichen Meinung noch anheizen - auch wenn alle Spezialisten beteuern, dass der Virus, nach dem gegenwärtigen Kennnisstand, nicht auf den Menschen übertragen wird."

In der Schweizer BASLER ZEITUNG lesen wir:

"Die Entwicklung der Ereignisse ist nicht überraschend, denn in den letzten Wochen und Tagen hat sich abgezeichnet, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein kann, bis auch die Schweiz vom ersten infizierten und erkrankten Wildvogel betroffen sein wird. Vögel kennen keine Grenzen. Entsprechend reagieren die Behörden ziemlich gelassen und ziehen die vorbereiteten Maßnahmenpläne aus der Schublade. Zu Panik gibt es im Moment denn auch keinen Anlass. Das Virus H5N1 ist vor allem ein gefährlicher Krankheitserreger für Hühner und anderes Gefieder; Menschen befällt er nicht leicht. Katastrophal würde die Lage erst, falls H5N1 mutieren und leicht von Mensch zu Mensch übertragbar sein sollte. Davon kann zurzeit nicht die Rede sein."

  • Datum 04.03.2006
  • Autorin/Autor Bernhard Kuemmerling
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/84PO
  • Datum 04.03.2006
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