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Welt

International hofiert, in Liberia in der Kritik

Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf stellt sich an diesem Dienstag zur Wiederwahl. Die frisch gekürte Friedensnobelpreisträgerin erhielt international schon immer viel Zuspruch, nur im Land selbst immer weniger.

Ellen Johnson-Sirleaf (Foto: AP)

Die Amtsinhaberin: Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf

Winston Tubman (Foto: dpa)

Der Herausforderer:
Winston Tubman

"Inakzeptabel und unverdient" sei die Auszeichnung, empörte sich der liberianische Oppositionsführer Winston Tubman über die Verleihung des Friedensnobelpreises an Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. Wahlkampfparolen könnte man meinen, schließlich wird an diesem Dienstag (11.10.2011) in Liberia gewählt. Doch die Opposition macht mobil mit einer Stimmung, der viele Liberianer in letzter Zeit anhängen.

"Wir wollen Ellen nicht. Wir wollen Ellen nicht", schimpft Jeremia Blake gemeinsam mit anderen Demonstranten in der Bensonstreet. "Wir möchten nicht mehr, dass Ellen Johnson-Sirleaf Präsidentin dieses Landes ist. Unter ihrer Regierung leben wir Liberianer weiterhin in Armut", sagt Blake und zeigt auf die Bettler am Straßenrand. Blake ist Anfang 40 und hat einen Universitätsabschluss. Er spreche hier nicht für sich selbst, sondern für viele seiner Landsleute, sagt er. "Als Madam Sirleaf ihr Amt 2006 antrat, versprach sie der internationalen Gemeinschaft und dem liberianischen Volk, Korruption sei der Staatsfeind Nummer eins. Und heute sind die Korruption und sie beste Freunde", ruft Blake.

Knackpunkt Korruption

Zwei Hände bei der Geldübergabe (Foto: DW)

Wie du mir, so ich dir - Schmiermittel Korruption

Ihr Versprechen "null Toleranz in Sachen Korruption" konnte Johnson-Sirleaf während ihrer fünfjährigen Amtszeit nicht einlösen. Im Gegenteil. Das Global Corruption Barometer von Transparency International beschied Liberia vergangenes Jahr, das korrupteste Land der Welt zu sein. Das nehmen ihr die Liberianer übel. Für Jeremia Blake ein Grund, ihr den Rücken zu kehren. "Madam Sirleaf ist kläglich gescheitert." Und Betty Arsen stimmt ihm zaghaft zu. Die junge Frau trägt ein Kind auf ihrem Arm, ein zweites zerrt an ihrem Rock. "Wir haben Madam Sirleaf gewählt in der Hoffnung, sie würde den Frauen helfen. Aber das Leben ist sehr hart für uns." Die Schulgebühren müsse sie bald bezahlen, 7000 Liberianische Dollar, etwa 72 Euro. Wie sie das machen solle, fragt Arsen. "Ich habe keine Arbeit. Ich lebe allein von kleinen Geschäften hier und da." So setzen Jeremia und auch Betty auf Winston Tubman vom "Kongress für einen demokratischen Wandel".

Anhänger von George Weah in Monrovia (Foto: DW)

Anhänger von George Weah in Monrovia

Tubman zehrt vor allem von dem Ruhm seines Vize, George Weah. Der ehemalige Welt-Fußball-Star unterlag in der Stichwahl 2005 gegen Johnson-Sirleaf. Noch immer hat er viele Anhänger. Wegen seines Parteiprogramms? "Kaum", meint Rudolf Elbling. "Es ist ein typisch afrikanischer Wahlkampf. Die Themen stehen eher im Hintergrund. Es geht stark um Individuen." Elbling ist technischer Berater der NEC, der Nationalen Wahlkommission Liberias. "Die üblichen Floskeln werden da schon erwähnt", sagt Elbling. So genannte Entwicklungsbotschaften seien das: Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, "aber keiner sagt, wie man das Ganze angehen würde".

Eine Frau für den Frieden

Und Ellen Johnson-Sirleaf? Ihre Anhänger verdanken ihr vor allem den Frieden. Sie hat es verstanden, ein Land zu einen, das 14 Jahre Bürgerkrieg hinter sich hatte. Doch nicht allein das. Die erfahrene Ökonomin erzielte einen Schuldenerlass von über vier Milliarden US-Dollar. Sie überzeugte Investoren, dass es sich wieder lohne, in das kleine, an Bodenschätzen reiche Land zu investieren. So zum Beispiel den Stahlkonzern ArcelorMittal. Vor der liberianischen Küste hat man Öl gefunden. Der Amerikanische Ölgigant Chevron steht in den Startlöchern. Und auch das Exportverbot für Diamanten und Edelhölzer wurde unter Sirleafs Führung aufgehoben. Doch bleibt der Vorwurf vieler Liberianer: Madam Ellen unterstütze nur die Elite, nicht das Volk.

Zündstoff: Jugendarbeitslosigkeit

George Seke zeigt seine Wunden vom Altmetall sammeln in South Beach/Monrovia (Foto: DW)

Aufreibender Job: George Seke zeigt seine Wunden vom Altmetall sammeln

Das wohl größte Problem: die hohe Arbeitslosigkeit. Sie liegt bei über 80 Prozent. Zündstoff für neue Gewalt, warnen Beobachter. "Die jetzige Regierung ist mit dem Versprechen angetreten, uns Jobs zu verschaffen", sagt George Seke. "Aber wir finden keine Arbeit. Und wenn wir stehlen gehen, erschießen sie uns. Du machst nur etwas Notwendiges und wirst dafür erschossen!"

George Seke steht bis zum Hals in einem Erdloch und zerrt an einem rostigen Stück Metall. Seit über drei Jahren gräbt Seke an den Ufern des Atlantiks nach Aluminium oder Eisen, das er verkaufen kann. Seine Familie ernähren kann er davon nicht. "Deshalb sagen wir der Regierung, 'Ihr macht nur leere Versprechungen. Eure Zeit ist abgelaufen.'" Was er jetzt will, ist Geld, ruft Seke. "Money for vote - Ich gebe der Partei meine Stimme, die mir Geld gibt, damit ich endlich mein Geschäft aufbauen kann."

Autorin: Stefanie Duckstein
Redaktion: Lina Hoffmann

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