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Deutschland

Integration bleibt eine Baustelle

Die Parteien werben ganz gezielt um ihre Stimmen: rund 600.000 türkischstämmige Wahlberechtigte gibt es in Deutschland. Themen wie Integration und Bildung spielen für sie eine ganz besondere Rolle.

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Auch für türkische Migranten ist die Bundestagswahl von Bedeutung

Der türkischstämmige Elektrofachhändler Seyrani Erdogdu lebt seit 26 Jahren in Deutschland. Seit drei Jahren hat er die deutsche Staatsbürgerschaft und ist somit wahlberechtigt. Er hat hohe Erwartungen an die nächste Legislaturperiode: "Wir erwarten, dass vor allem etwas für die Migrantenkinder der dritten Generation getan wird, also im Bereich Schulbildung, Kindergarten, Vorschule.“

Karl W. Lauterbach, Gesundheitsökonom und Regierungsberater

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach ist entschlossen, gegen Bildungsdefizite bei Einwandererkindern vorzugehen

Heute ist Erdogdu ins Büro seines Wahlkreiskandidaten Karl Lauterbach gekommen, um sich über dessen Pläne zu informieren. Der SPD-Kandidat hat sein Büro ganz bewusst in die Keupstraße gelegt – der Straße mit dem höchsten Migrantenanteil in Köln-Mülheim. Lauterbach will Ansprechpartner sein und mit den Menschen ins Gespräch kommen.

SPD in der Wählergunst ganz oben

Seine Chancen Gehör zu finden, stehen gut. Ein großer Teil der türkischstämmigen Wähler wählt traditionell die SPD, denn die Einwanderer wurden als Arbeiter häufig von den Gewerkschaften geprägt.

Lauterbach weiß, wie es um seinen von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Wahlkreis bestellt ist. "Er hat die sozialen Probleme, die für Deutschland mittlerweile typisch sind, zum Beispiel große Probleme im Schulbereich. Die Schulergebnisse sind stark abhängig vom Bildungshintergrund der Eltern.“

Bessere Bildung = bessere Integration

Dagegen will Lauterbach kämpfen. Er will sich für eine bessere Vorschulbildung und mehr Ganztagsschulen einsetzen. Denn: Bessere Bildung und Deutschkenntnisse bedeuten auch bessere Integration.

Renate Schmidt

Bundesfamilien-Ministerin Renate Schmidt will Integrationsbemühungen verstärken

Lauterbach kandidiert zum ersten Mal für den Bundestag und hat prominente Unterstützung aus Berlin zu Besuch. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt ist etwas abgehetzt mit ihren Bodyguards in das kleine Wahlkreisbüro gerauscht. 143 solcher Termine hat sie bis zur Wahl zu absolvieren. Dauerstress.

Doch Renate Schmidt wirkt entschlossen, fast angriffslustig. In einem Stadtteil wie diesem rücken vor allem die türkischstämmigen Wähler in ihr Blickfeld. "Wir müssen deutlich machen, dass Migranten und Migrantinnen für uns keine ausgegrenzte Gruppe sind, sondern zu unserem Land dazugehören. Wir müssen sie davon überzeugen, dass es richtig ist, die SPD zu wählen.“

Noch mehr Überzeugungsarbeit nötig

Doch bisher hat es auch die rot-grüne Bundesregierung nicht geschafft, das Problem der Integration in den Griff zu kriegen. Zu häufig fühlen sich türkischstämmige Bürger eben nicht integriert - manche selbst dann nicht, wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Das Miteinander von Türken und Deutschen klappt nicht immer reibungslos. Das liegt oft an Sprachproblemen, die auch bei dieser Wahlveranstaltung angesprochen werden. Eine deutsche Besucherin findet, dass der anderen Seite diesbezüglich zu wenig abverlangt wird: "Immer nur: 'mea culpa'. Mit der Integration klappt es angeblich nur deswegen nicht, weil nicht genug Sprachkurse angeboten werden und es den Herrschaften nicht bequem genug gemacht wird. Aber die wollen doch bei uns leben und es besser haben, also müssen die sich auch anstrengen.“

Türkischunterricht für Türken in Deutschland

Speziell beim Sprachunterricht besteht noch Verbesserungsbedarf

Das will Fatos Evren so nicht im Raum stehen lassen. Die gebürtige Türkin lebt seit 35 Jahren in Deutschland. Seit elf Jahren hat sie die deutsche Staatsangehörigkeit. "Klar sollen die Türken Deutsch lernen. Aber Zweisprachigkeit ist einfach ein Problem. Dem kann man nur begegnen, wenn man zusätzlichen Förderunterricht anbietet.“

Fördern und fordern

Genau das verspricht die SPD schon lange. Noch klappt die zusätzliche Förderung nur eingeschränkt. Der erste Schritt: das Zuwanderungsgesetz, das die Bundesregierung im letzten Jahr verabschiedet hat. "Wir müssen das Angebot machen, vernünftig Deutsch zu lernen. Aber das Angebot muss dann auch verpflichtend wahrgenommen werden. Das Zuwanderungsgesetz sagt: Wir machen euch Angebote, insbesondere für die Neuzuwanderer, und wenn ihr das Angebot nicht wahrnehmt, könnt ihr auch nicht bleiben.“

Das Prinzip: fördern und fordern. Wenn es nach der SPD geht, soll das in Zukunft nicht nur für Neuzuwanderer, sondern für alle Migranten gelten.

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