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Nahost

Informationskrieg um Gaza: "Die Medien sind eine Front"

Die Militäroffensive im Gazastreifen ist im vollen Gange. Eine zuverlässige Berichterstattung ist allerdings nicht möglich. Die Konfliktparteien informieren selbst die Öffentlichkeit.

Ein Video der israelischen Armee auf YouTube, Quelle: DW

Ein Video der israelischen Armee auf YouTube

Konkrete Informationen über den Verlauf des Krieges im Gazastreifen fehlen, weil die internationalen Medien keine Vertreter mehr in Gaza haben, und weil man sich immer mehr auf Angaben der beiden Konfliktparteien verlassen muss. Angaben, die von zweifelhafter Glaubwürdigkeit sind und in den meisten Fällen nicht nachgeprüft werden können, und die routinemäßig von der jeweiligen Gegenseite dementiert werden.

Israels Informationsoffensive

"Zu diesem Zeitpunkt kann ich sagen, dass uns nichts über eine Entführung von Soldaten bekannt ist. Hamas nutzt die Medien auf zynische Weise aus und lügt die ganze Zeit", sagte etwa der israelische Armeesprecher, Benjamin Rutland, in einem Interview mit dem rechtsgerichteten israelischen "Kanal 7". Er weist damit Meldungen aus Gaza zurück, wonach zwei israelische Soldaten von Hamas-Kämpfern gefangen genommen und andere getötet worden seien. Nichts davon sei wahr, die Gegenseite betreibe Propaganda und solche Meldungen hätten nichts mit der Wirklichkeit zu tun, sagt Rutland.

Der YouTube-Kanal der israelischen Armee, Quelle: DW

Der YouTube-Kanal der israelischen Armee

Solche Erklärungen des israelischen Militärsprechers sind im Internet zu verfolgen. Noch vor der Bodenoffensive in Gaza hat die israelische Armee eine Informationsoffensive im Internet gestartet, die inzwischen dazu geführt hat, dass Israel Filmclips und Interviews mit Soldaten - vermeintliche Internet-Blogs - unter einer eigenen Adresse bei YouTube einstellt. Das erklärt der Armeesprecher Rutland so: "Zusätzlich zu dem, was sich auf dem Land, dem Wasser oder in der Luft abspielt, betrachten wir die Medien als eine zusätzliche Front und einen Ort, wo auf vielerlei Weise der Krieg gewonnen oder verloren wird."

Da sind Filmaufnahmen aus dem Cockpit israelischer Kampfbomber zu sehen, in denen der Abschuss palästinensischer "Kassam"-Raketen von Schulgeländen oder anderen zivilen oder öffentlichen Einrichtungen gezeigt wird, gefolgt von der Bombardierung der Abschuss-Stelle. Israel will damit demonstrieren, wie Hamas die Zivilbevölkerung als Schutzschild für seine Angriffe auf Israel benutzt.

Fehlinformationen auf YouTube

Überzeugend ist die Strategie nicht immer. So wurden zwei Lieferwagen gezeigt, auf die angeblich "Kassam"-Raketen verladen wurden. Mehrere Personen waren sehr beschäftigt damit, als eine israelische Bombe dem Treiben ein jähes Ende setzte. Der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem gelang es, den Fall zu untersuchen. Sie fand heraus, dass es sich bei den vermeintlichen Raketen um Röhren gehandelt hatte, die der Besitzer einer kleinen Werkstatt in Gaza vor den israelischen Angriffen in Sicherheit bringen wollte.

Wie viele andere kann auch dieser Journalist an der Grenze zum Gaza-Streifen nur von Israel aus berichten, Quelle: AP

Wie viele andere kann auch dieser Journalist an der Grenze zum Gaza-Streifen nur von Israel aus berichten

Wegen dieses Vorfalls wurde der Filmclip zunächst von YouTube verbannt. Inzwischen wird er aber doch wieder dort gezeigt - denn das Interesse selbst an der offiziellen israelischen Berichterstattung über den Krieg wächst rapide. Der Militärsprecher jedenfalls zeigt sich mit der neuen YouTube-Präsentation der israelischen Armee zufrieden, sie sei millionenfach angeklickt worden.

Die Kriegsberichterstattung erfolgt nicht mehr durch die Medien und durch eigens dafür entsandte Korrespondenten, sondern durch die Parteien selbst - und wird sofort weltweit im Internet verbreitet. Das ist ein weiter Weg von der klassischen Berichterstattung, aber auch in jeder Hinsicht anders, als die Welt dies während der letzten großen Kriege erlebte. Der Krieg zu Befreiung Kuwaits fand unter strikter Zensur sowohl der US-Amerikaner, als auch der Iraker statt. Im letzten Irakkrieg führten die USA das System der "embedded" Korrespondenten ein, das prompt als Manipulation der Medien kritisiert wurde. Und nun dies: Die Parteien und ihre Sympathisanten tummeln sich im Internet. Vermeintlich, um die Wahrheit zu verbreiten. Aber die stirbt in Kriegen ja bekanntlich als erste. Im Fall des Gazakrieges nun auch virtuell.

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