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Asien

Indonesien will aufforsten, aber wie?

Laut Greenpeace verschwinden in Indonesien jährlich 1,8 Millionen Hektar Wald. China und Indien haben hingegen in den vergangenen 20 Jahren ihre Wälder erfolgreich aufgeforstet. Ist das ein Modell für Indonesien?

Ein Traktor fährt durch eine Palmöl-Plantage in Malaysia (Foto: AP)

Plantage oder Wald?

Indonesien gehört zu den Ländern mit der höchsten Abholzungsrate der Welt - und ist das Land, das durch Brandrodung die höchsten Treibhausgasemissionen verursacht. Die indonesische Regierung hat nun die Notbremse gezogen: Präsident Susilo Bambang Yudhoyono präsentierte ein Moratorium für Abholzgenehmigungen.

Doch der indonesische Wald schwindet weiterhin. Ein Moratorium allein genügt nicht, sagen viele Experten. Indonesien müsste auch massiv aufforsten. Einige asiatische Länder, darunter China und Indien, haben bereits erfolgreich aufgeforstet, besagt eine Studie der Rights and Resources Initiative (RRI), ein globaler Zusammenschluss von Organisationen, die sich für politische Reformen im Bereich Waldnutzung und Bodenrecht engagieren.

Waldbrand in Indonesien (Foto: AP/Tatan Syuflana)

Brandrodung ist nur ein Grund für die schwindenden Waldbestände Indonesiens

In der Studie des RRIs wurden fünf Länder näher untersucht und verglichen: China, Südkorea, Vietnam, Indien und Chile. Dabei zeigt sich, so Andy White, Koordinator des Netzwerkes Rights and Resources Initiative (RRI), dass Staaten, die Gemeinden und indigenen Völkern mehr Waldnutzungsrechte zugestehen, mehr Erfolg bei der Aufforstung haben als Länder, die die Lokalbevölkerung nicht einbeziehen.

Erfolg durch Waldlandreform

Die größte Neufläche an Wald kann China verzeichnen. Zwischen 1990 und 2010 hat China massiv Wald aufgeforstet – nach eigenen Angaben fast 50 Millionen Hektar.

Junge Wälder im Aufforstungsgebiet Miyun in China (Foto: Forestry Commission)

Chinas Regierung setzt auf nachhaltige Aufforstung

Li Ping, von der NGO Landesa, ein Institut für ländliche Entwicklung und Armutsbekämpfung, meint, der Durchbruch begann mit einer Waldlandreform zu Beginn dieses Jahrhunderts. Die chinesische Regierung hat 90 Prozent der bis dahin gemeinschaftlich genutzten Waldflächen an einzelne Bauern vergeben. Die Bauern dürfen das Waldstück über zwei Generationen, bis zu 70 Jahre lang, nutzen, sagt Li Ping.

Deshalb investieren die Bauern in das Waldgrundstück, nicht nur für sich, sondern auch für die kommenden Generationen, und sie dürfen die gesamten Erträge einbehalten, so Li Ping.

Den Bauern ist zwar freigestellt, welche Bäume sie auf ihrem Land pflanzen. Es gibt dennoch einige Auflagen: Das Waldgebiet darf nicht in Farmland ungewandelt werden. Außerdem dürfen Bäume nur gefällt werden, wenn die Bauern eine Genehmigung dafür haben.

Aus Plantagen Wald machen

Nun machen 100 Bäume längst keinen Wald. Kritiker bemängeln, dass die Statistik gern schön gezählt wird: Auch Plantagen werden als Waldgebiete bezeichnet, obwohl sie mit Wald so wenig zu tun haben wie ein gepflegter Golfrasen mit einer Naturwiese.

RRI-Koordinator Andy White argumentiert, dass die Definition des Waldes nicht nur eine politische sondern auch eine technische Debatte sei. Aus der Klimaperspektive ist es vor allem interessant, wie viele Emissionen durch Baumbestände absorbiert werden können. So speichert ein natürlicher Regenwald rund 306 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar - eine Palmölplantage bringt es auf gerade einmal 63 Tonnen.

Natürlich sei es besser, den Wald nicht abzuholzen, aber "es ist auch richtig, dass eine Palmölplantage mehr CO2 absorbieren kann als ein Parkplatz oder eine Mine", so Andy White. Letztendlich sei die Nutzung eine politische Entscheidung.

Kahlschlag auf Pump

Eine politische Entscheidung ist auch, woher ein Land das Holz nimmt. Die RRI-Studie sieht deshalb die chinesischen Angaben zur Wiederaufforstung kritisch. Der Waldbestand blieb vor allem auf einem gleichem Niveau, weil die chinesische Regierung billiges Holz aus dem Ausland kaufte. Länder wie China und Vietnam exportieren damit sozusagen den Kahlschlag, kritisiert der Autor des Berichts, Dominic Elson. "Während sie billiges Holz aus Indonesien bezogen, konnten China und Vietnam selbst vernünftige Nutzwälder anpflanzen."

Zedern werden im nördlichen Indien illegal abgeholzt (Foto: UNI)

Indiens Waldministerium hat mit Korruption zu kämpfen

Eine Strategie zum Nachahmen ist das nicht, betont er. Beispielhaft dagegen sei der politische Wille, die Länder wie Vietnam und China an den Tag gelegt haben, um die Abholzung im eigenen Land zu bremsen. Wichtig sei außerdem, so Dominic Elson, das Mitspracherecht der Bevölkerung, die im oder in der Nähe eines Waldes lebt. Wenn das nicht beachtet wird, entstehen leicht Konflikte. Wie in Indien, das sich zwar rühmen kann, neue Waldflächen angepflanzt zu haben, aber dadurch den Zorn der Bevölkerung auf sich zog, erklärt die indische Waldaktivistin Madhu Sarin: "Ein Grund, warum die Regierung nun behaupten kann, dass sie erfolgreich neue Wälder angepflanzt haben, ist, weil das Waldministerium einfach Bäume auf Privatgrundstücke gesetzt hat."

Nun soll in Indien ein neues Gesetz die Waldbesitz- und Nutzungsrechte der Bevölkerung schützten.

Ambitionierte Pläne

Die Konflikte um Nutzungsrechte und Landbesitz gibt es auch in Indonesien - doch auch neue und positive Ansätze, um die Lokalbevölkerung mit einzubeziehen. Kuntoro Mangkusubroto, Sonderbeauftragter Indonesiens für das UN-Waldschutzprogramm REDD, betont, dass es für Indonesien noch nicht zu spät sei. Mit Unterstützung von Geberländern - allen voran Norwegen, das eine Milliarde US-Dollar für den Urwaldschutz in Indonesien zugesagt hat - hat die Regierung versprochen, bis 2020 die Emissionen aus Waldrodung um 41 Prozent zu reduzieren. Ohne internationale Unterstützung ist das Ziel 26 Prozent. "Das würden wir aus eigener Kraft schaffen, wenn wir die Lokalbevölkerung mit einbinden", so Kuntoro Mangkusobroto.

Autorin: Ziphora Robina
Redaktion: Helle Jeppesen

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