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Asien

Der Mr. Forest aus Indonesien

Mit der Abholzung des Regenwaldes ist Indonesien weltweit der viertgrößte Treibhausgasverursacher. Das solle sich ändern, betont der Waldschutz-Sonderbeauftragte Indonesiens, Kuntoro Mangkusobroto.

Kuntoro Mangkusobroto, der indonesische Sonderbeauftragte für das UN-Waldschutzprogramm REDD (Foto: DW/Helle Jeppesen)

Kuntoro Mangkusobroto, der indonesische Sonderbeauftragte für das UN-Waldschutzprogramm REDD

In Indonesien nennen sie ihn liebevoll "Pak Kuntoro" – Vater Kuntoro. Als Zeichen des Respekts. Denn Kuntoro Mangkusobroto ist der Mann, der in Indonesien gerne gerufen wird, wenn eine Aufgabe fast unmöglich zu lösen scheint. Der frühere Minister für Rohstoffe und Bergbau wurde als Sonderbeauftragter vom indonesischen Präsidenten, Susilo Bambang Yudhoyono, bestellt, als es darum ging, Aceh nach dem verheerenden Tsunami aufzubauen. Die Aufgabe hat er erfolgreich gelöst – und ist nunmehr als Sonderbeauftragter Indonesiens für das UN-Waldschutzprogramm REDD unterwegs.

Ambitionierte Emissionsziele

Jedes Jahr fallen in Indonesien große Waldflächen der Brandrodung zum Opfer (Foto:gtz)

Jedes Jahr fallen in Indonesien große Waldflächen der Brandrodung zum Opfer

Das nationale REDD-Programm Indonesiens – REDD steht für "Reducing Emissons from Deforestation and Degradation" – Minderung der Emissionen aus Brandrodung und Waldzerstörung – ist äußerst ambitioniert. Indonesien will bis 2020 die Emissionen aus Waldrodung um 26 Prozent aus eigener Kraft reduzieren. "Wenn die internationale Staatengemeinschaft uns unterstützt, schaffen wir nochmals 15 Prozent, also insgesamt 41 Prozent", berichtet Kuntoro Mangkusobroto. Das wäre für die ganze Welt eine signifikante Minderung der Treibhausgas-Emissionen, die das Weltklima zum Kippen bringen könnten.

Lokale Ansätze

Beim REDD-Programm sollte es vor allem darum gehen, den Menschen, die in und von den Wäldern leben, eine Lebensgrundlage zu ermöglichen, ohne dass sie den Wald dafür roden müssen. Denn, so Pak Kuntoro, man dürfe nicht vergessen, dass Indonesien ein Entwicklungsland ist und dass die Leute, die vom Wald leben, einen legitimen Anspruch auf soziale Entwicklung und Sicherheit haben. Dort muss auch das Geld ankommen: "Es sind nicht die Städter, die den Wald schützen, es sind die Menschen, die dort leben. Deswegen muss das Programm den Lebensstandard dieser Menschen verbessern. Sie werden die Wälder nicht schützen, wenn es ihnen dadurch schlechter geht", betont er und fordert ein internationales Umwelt- und Waldschutzprogramm, das Rücksicht auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung nimmt.

Auf Erfahrungen der Waldexperten hören

Indonesische Studenten demonstrieren gegen die Waldzerstörung (Foto:ap)

Indonesische Studenten demonstrieren gegen die Waldzerstörung

Schließlich, so Kuntoro Mangkusobroto, seien es die Menschen vor Ort, die die wahren Experten sind, wenn es um Waldschutz geht. "Es sind die, die von außerhalb kommen, die einfach schnelles Geld durch Abholzen verdienen wollen", sagt Pak Kuntoro. Die Lokalbevölkerung dagegen lebt seit Generationen mit und von dem Wald und hat ein direktes Interesse daran, ihre Lebensgrundlage Wald auch für zukünftige Generationen zu bewahren. Sie wissen, wie man mit dem Wald umgeht – wir müssen nur auf ihre Erfahrungen hören, so der REDD-Sonderbeauftragte des indonesischen Präsidenten.

Bereits vom Klimawandel betroffen

"In Indonesien spüren die Bauern bereits die Auswirkungen des Klimawandels", erzählt Kuntoro Mangkusobroto. "Im letzten Jahr hatten wir keine Regenzeit und keine Trockenzeit. Es regnet das ganze Jahr hindurch – und das macht es für die Bauern unmöglich zu entscheiden, wann sie pflanzen sollen", sagt er und ergänzt: "Der Klimawandel ist etwas, worüber die Intellektuellen gerne diskutieren, aber für die kleinen Leute haben veränderte Wetterverhältnisse einen direkten Einfluss auf ihren Alltag und ihr Leben."

Heute Lösungen für die Zukunft finden

Auch in Indonesien sind immer mehr Menschen vom Klimawandel betroffen (Foto:ap)

Auch in Indonesien sind immer mehr Menschen vom Klimawandel betroffen

Deswegen hofft Kuntoro Mangkusobroto auf eine Einigung über das UN-Waldschutzprogramm REDD in Cancun: "Es ist höchste Zeit, dass wir anfangen, sagt er, denn von der Entscheidung bis zur Wirkung ist nochmals ein langer Weg."

"Egal welche Lösungen wir auf dieser Konferenz finden mögen, die Folgen der Entscheidungen, die wir hier treffen, werden wir nicht im nächsten Jahr sehen – vielleicht erst in zehn oder 15 Jahren", betont er. Und hofft auf Unterstützung für das ambitionierte indonesische REDD-Programm in Cancun. Denn auch keine Entscheidungen in Cancun werden Folgen für die Zukunft haben – für die ganze Welt.

Autorin: Helle Jeppesen
Redaktion: Friederike Schulz