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Politik

Indonesien: EU bedauert Hinrichtung christlicher Extremisten

EU und Vatikan äußern Bedauern über die Exekutionen dreier christlicher Extremisten. Nach der Hinrichtung war es bei Demonstrationen protestierender Christen zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen.

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Hinterbliebene der drei hingerichteten Indonesier mit Fotos ihrer Angehörigen

Trotz Appellen der Europäischen Union (EU), dem Vatikan und Menschenrechtsgruppen hat die indonesische Regierung das Todesurteil an den drei Extremisten vollstrecken lassen. Angaben ihres Anwalts und der Polizei zufolge wurden die drei Männer am Freitag (22.9.2006) kurz nach Mitternacht (Ortszeit) erschossen. Die EU drückte jetzt ihr Bedauern über die Exekutionen aus: Die finnische EU-Ratspräsidentschaft rief die indonesische Regierung dazu auf, keine weiteren Todesurteile mehr zu vollstrecken und verwies auf die grundsätzliche Ablehnung der EU dieser "grausamen und unmenschlichen Strafe". In ihrer Stellungnahme forderte die EU die Regierung in Jakarta auf, eine Abschaffung der Todesstrafe zu erwägen.

Vatikan: "Traurig und schmerzhaft"

Trauer in Indonesien nach Exekution dreier Christen

Trauer um die exekutierten Extremisten in Palu, Zentral-Sulawesi

Die Verurteilten waren für schuldig befunden worden, im Mai 2000 eine Reihe blutiger Übergriffe gegen Muslime angeführt zu haben. Unter anderem habe ein Mob aus Christen eine muslimische Grundschule angegriffen. Insgesamt seien mindestens 70 Muslime gelyncht worden.

Der Prozess hatte sich über fünf Jahre hingezogen: Die drei Männer hatten stets ihre Unschuld beteuert und internationale Unterstützung erhalten, neben anderen hatte sich Papst Benedikt XVI. für eine Aufhebung des Todesurteils eingesetzt. Ein Sprecher des Vatikans bezeichnete die Nachricht vom Tod der Männer als traurig und schmerzhaft.

Gewaltsame Proteste

Nach Bekanntgabe des Todes der Männer im Alter zwischen 42 und 60 Jahren war es an verschiedenen Orten Indonesiens zu massiven, zum Teil gewaltsamen Protesten von Christen gekommen. Tausende Menschen gingen in Atambua, der Heimatstadt eines der drei Extremisten in Westtimor, auf die Straße. Einem Rot-Kreuz-Sprecher zufolge stürmten sie ein Gefängnis und befreiten 200 Insassen, anschließend setzten sie das Haus des örtlichen Staatsanwaltes in Brand. Auch in der Provinz Zentral-Sulawesi, in der die Angriffe auf Muslime vor fünf Jahren begangen wurden, protestierten Hunderte Christen gegen die Hinrichtungen.

In Indonesien kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen. Mit knapp 90 Prozent Gläubigen unter den 220 Millionen Einwohnern ist Indonesien das größte muslimische Land der Welt. In der Zeit von 1998 bis 2002 kamen rund 2000 Menschen beider Glaubensrichtungen bei Ausschreitungen zwischen den Bevölkerungsgruppen ums Leben. (nje)

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