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Asien

Indiens schwierige Beziehung zum Iran

Beim Gipfel der Blockfreien in Teheran war es eine der interessanteren Begegnungen: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad traft Indiens Premier Manmohan Singh.

Es sei eine "Beziehung unter Brüdern", wurde der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach einem Telefongespräch mit dem indischen Premier Manmohan Singh Anfang des Jahres zitiert. Die Beziehungen zwischen Indien und dem Iran sind traditionell sehr eng. Und dennoch ist der letzte Staatsbesuch eines indischen Premiers mehr als zehn Jahre her: 2001 besuchte Atal Behari Vajpayee den Iran. Jetzt reist Manmohan Singh zum Blockfreien-Gipfel nach Teheran (26.-31.08.2012).

"Indien steckt in einem diplomatischen Dilemma", sagt Iranexperte Qamar Agha, der als Politologie-Professor lange Zeit an der Jamia Millia Islamia (Nationale Islamische Universität) in Neu Delhi unterrichtete. Denn je enger Indien und die USA vor allem nach Abschluss des indisch-amerikanischen Nukleardeals von 2008 zusammengerückt seien, umso stärker sei der Druck auf Indien geworden, sich vom Iran zu distanzieren. "Jedoch", so Qamar Agha, "hat Indien immer gesagt, dass es seine nationalen Interessen über alles andere stellt. Für seine schnell wachsende Wirtschaft braucht Indien Energie und Öl."

Partner Irans und des Westens

US-Außenministerin Hillary Clinton und indischer Amtskollege S.M. Krishna (Foto: AP)

Die USA wollen Indiens Kooperation bei Iran-Sanktionen

Auf der anderen Seite wolle Indien zeigen, dass es als größte Demokratie der Welt und kommende Supermacht inzwischen mit den Großen der Welt auf Augenhöhe sei und will sich als verlässlicher Partner erweisen, sagt Agha: "Indien hat deshalb auch seine Öllieferungen aus dem Iran in den letzten Jahren signifikant reduziert. Das haben die USA und andere westliche Mächte anerkannt." Zudem stimmte Indien zweimal, 2005 und 2009, innerhalb der Internationalen Atomenergiebehörde gegen den Iran.

Die Atommacht Indien betont dabei immer wieder, dass sie nicht grundsätzlich gegen das iranische Atomprogramm sei. Doch da der Iran im Gegensatz zu Indien den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat, müsse das Land sich auch daran halten, so die Position Neu Delhis. Politologe Reza Taghizadeh von der Universität Glasgow sieht einen doppelten Nutzen für Indien durch die Bühne des Blockfreiengipfels: "Indien kann noch einmal seine freundschaftlichen Beziehungen zum Iran bekräftigen. Gleichzeitig kann es aber auch die Botschaft der Weltgemeinschaft an die iranische Führung übermitteln, dass diese sich kompromissbereiter zeigen muss."

Es geht nicht allein um Öl

Derzeit importiert Indien etwa zehn Prozent seines Ölbedarfs aus dem Iran. Nach Saudi-Arabien ist der Iran damit Indiens zweitwichtigster Öllieferant. Der Iran brauche Indien genauso sehr, wie Indien den Iran brauche, fasst Reza Taghizadeh zusammen: "Im Moment ist Indien nicht allzu sehr in Sorge. Saudi-Arabien oder Irak würden die Lücke, die entstehen würde, wenn Indien sich vom Iran abwendet, gerne füllen. Doch Indien möchte von sich aus seine Ölimporte auf viele Quellen verteilen." Wichtig sei für Indien, so Taghizadeh, eine gute Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz zum Iran.

Karte mit Kaspischem Meer Indien, Pakistan, Iran, Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan

Für Indien führt der Weg nach Zentralsien über den Iran

Doch es geht Indien nicht nur um sichere Energieversorgung. Gute Beziehungen zum Iran sind auch wegen dessen Brückenfunktion nach Zentralasien für Indien und seine Handelsinteressen wichtig. Auch geopolitische Überlegungen spielten hier herein, sagt der Politikwissenschaftler Qamar Agha. "Für Indien war es besonders bitter, dass während des Kalten Krieges zeitweise die Achse Türkei, Iran, Pakistan extrem stark war. Das war für Indien eine schwierige Zeit." Heute dagegen sieht Neu Delhi in China einen Rivalen, der sich in der Region breitmacht und verstärkt in Afghanistan und im Iran investiert.

Blockfreie im Wandel

Indien und der Iran gehörten beide zu den Gründungsmitgliedern der Blockfreien-Bewegung, die 1955 im indonesischen Bandung ins Leben gerufen wurde. In der Bewegung waren Staaten vertreten, die während des Kalten Krieges keinem der beiden Militärblöcke angehörten und sich im Ost-West-Konflikt neutral verhielten. Heute gehören der Organisation 116 Staaten an, die insgesamt 55 Prozent der Weltbevölkerung vertreten. China ist mittlerweile ausgetreten. Mit dem Gipfel in Teheran wird der Iran für die nächsten drei Jahre den Vorsitz der Organisation übernehmen.

"Die Rolle der Organisation hat sich nach dem Ende des Ost-West-Konflikts von einer politischen zu einer wirtschaftlichen Kooperation gewandelt", so Politologe Qamar Agha. Das kommt Indiens Position entgegen, da seine engen Beziehungen zum Iran nicht politischer, sondern vor allem wirtschaftlicher Natur seien. Doch irgendwann wird auch Indien Flagge zeigen müssen.

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