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Wirtschaft

Indiens neue Pillen-Patente

Ab 2005 gelten in Indien strengere Patentvorschriften für die Pharmaindustrie. Nach dem Willen der WTO soll Indien keine Medikamente mehr nachahmen. Doch die Entwicklungsländer sind auf die billigen Plagiate angewiesen.

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AIDS-Medikamente: Die Versorgung der Entwicklungsländer steht auf dem Spiel

Indiens Arzneimittelindustrie gedeiht prächtig. Das Land ist auf dem Weg ein "Big Player" im internationalen Pharmageschäft zu werden. Das indische Erfolgsgeheimnis: sein Patentgesetz von 1970. Pharmakonzerne können in Indien bislang keine Arzneimittel patentieren lassen, sondern nur das Verfahren, mit dem sie diese herstellen. Importprodukte genießen keinen Patentschutz.

Entwicklungsländer brauchen Plagiate

Indien kopiert also was das Zeug hält. Und bringt die Plagiate zu außerordentlich günstigen Preisen auf den Markt. So senkten indische Arzneifirmen die Preise für eine AIDS-Therapie auf 200 US-Dollar pro Jahr. Eine Behandlung mit Markenpräparaten kostet mindestens das Vierfache. Für HIV-Infizierte in Entwicklungsländern sind die patentierten Medikamente oft unerschwinglich. "Für sie wird das neue Patentgesetz in Indien tödliche Folgen haben", sagt Christiane Fischer, Pharmabeauftragte der Bundeskommission Internationales. Nach dem neuen Gesetz muss Indien die internationalen Patente anerkennen - und fällt als Lieferant preisgünstiger Plagiate aus.

AIDS in Indien

In Indien gibt es 4,5 Millionen AIDS-Kranke - die wenigsten können sich teure Originalmedikamente leisten

Die alten Imitate darf Indien nur zum Teil weiterproduzieren - alle seit 1999 kopierten Medikamente sind ab 2005 tabu. Damit werden vor allem AIDS-Generika vom Markt verschwinden. Eine Katastrophe nicht nur für die Entwicklungsländer - auch die medizinische Versorgung der eigenen Bevölkerung steht auf der Kippe.

Bittere Pille für Indien

Die bittere Patent-Pille schluckte Indien, um Mitglied in der Welthandelsorganisation (WTO) werden zu können. Wie jedes Mitgliedsland musste Indien das "Abkommen über handelsbezogene Aspekte geistigen Eigentums" (TRIPS) unterzeichnen. Das Abkommen setzt hohe Schutzstandards für Patente. Arzneimittelhersteller dürfen Originalmedikamente frühestens nach 20 Jahren kopieren. Für die Lizenzhaber ist das praktisch. Der Hersteller hat das Monopol auf sein Medikament; bestimmt frei wo und für welchen Preis er es anbietet.

So ist das neue Patentgesetz auch den großen Pharmakonzernen Indiens ganz Recht. Sie sind mit Hilfe der Plagiate groß geworden, jetzt geht es darum groß zu bleiben. Die europäischen Länder hätten es damit nicht anders gehalten, sagt Christiane Fischer. Auch Deutschland habe erst Pharmapatente zugelassen, nachdem sich die eigene Arzneimittelindustrie ausreichend entwickelt hatte. "Die Patente verhindern, dass auch andere Länder stark werden", so Fischer.

Kleinen Firmen geht die Luft aus

Pillen

Teure Patent-Pillen: Kleine Firmen können sich die Lizenzgebühren nicht leisten

Aber auch den kleinen Arzneimittelfirmen Indiens wir unter der neuen Regelung die Luft ausgehen. Teure Lizenzgebühren können sie sich nicht leisten. Manche Firmen versuchen sich in eine gute Ausgangsposition zu bringen. Fusionen und Übernahmen häufen sich in letzter Zeit.

Unterdessen wittern auch die internationalen Pharmakonzerne Morgenluft. Indiens wachsende Pharmaindustrie hat hochqualifizierte Wissenschaftler hervorgebracht, die denn auch nur ein Drittel westlicher Löhne verdienen. Nun garantiert das Land auch ausreichenden Patentschutz. Konzerne wie Pfizer, Bristol-Myers Sqipp und Novartis haben bereits Millionendeals mit indischen Firmen abgeschlossen. Aber: "Die Konzerne verbilligen dann zwar ihre Produktion, aber nicht die Preise für die Medikamente", prognostiziert Christiane Fischer.

Menschenrecht Gesundheit

Gesundheit ist ein Menschenrecht. Deshalb hat die WTO Schutzklauseln in ihr Patentabkommen eingebaut. So kann Indien dringend benötigte Medikamente ohne Zustimmung der Patenteigner nachproduzieren. Unklar ist aber, ob es diese "Not-Arznei" auch in andere Länder exportieren darf.

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