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Politik

Indien vor Rekord-Waffendeal mit USA

Indien ist zu einem der größten Waffenkäufer der Welt geworden. US-Waffenschmieden sind heiß auf diesen Markt und der US-Präsident wittert hier die Chance auf einen außenpolitischen Erfolg. Doch die Zeit läuft ihm davon.

Formation mit zwei Kampfflugzeugen an einem blauen Himmel (Quelle: AP)

Amerikanische F16-Jets - bald mit indischen Piloten?

Die Häufigkeit mit der US-Präsident George W. Bush und seine Regierungsmitglieder gegenwärtig im Ausland ihre Aufwartung machen, lässt aufhorchen. Im innenpolitischen Diskurs der USA ist der amtierende Präsident längst zur Fußnote geworden - zu sehr ist die Nation bereits mit seiner Nachfolge beschäftigt. Im plötzlich gestiegenen Interesse am Rest der Welt sehen viele Beobachter daher Bushs letzten Versuch, einer durch Irakkrieg und Misswirtschaft arg gebeutelten Präsidentschaft doch noch ein bleibendes politisches Erbe zu verschaffen.

Porträt eines Mannes in dunklem Anzug (Quelle: AP)

Gates auf Indien-Besuch: Werbung für die US-Waffenindustrie?

Im Januar packte Bush seine Koffer, um dem Friedensprozess in Nahost auf die Sprünge zu helfen. In der vergangenen Woche stand Afrika auf dem Programm - Thema: Entwicklung und der Kampf gegen Aids. Und was ist mit Asien? Da hat der Präsident seinen Verteidigungsminister Robert Gates vorgeschickt. Gegenwärtig zu Gesprächen in Australien, wird Gates am Dienstag (26.02.2008) in Indien erwartet. In dem Land, das im strategischen Kalkül der USA längst eine zentrale Rolle einnimmt, könnte Gates die Inder davon überzeugen, rund zehn Milliarden Dollar (umgerechnet 6,8 Milliarden Euro) in amerikanische Kampfjets zu investieren.

Größter Waffendeal Indiens

Sollte sich die Regierung von Premier Manmohan Singh für die 126 F-16 und F-18-Kampfflieger aus den Flugzeugschmieden von Lockheed und Boeing entscheiden, dann wäre dies das größte Waffengeschäft der indischen Geschichte - aber nur ein weiteres mit Washington. Die Lieferung von sechs Transportjets aus den USA für insgesamt eine Milliarde Dollar ist bereits ausgemachte Sache. Pläne über den Kauf von Aufklärungsfliegern für rund zwei Milliarden Dollar befinden sich im fortgeschrittenen Stadium.

Subkontinent als Garant regionaler Stabilität

Grüner Ballon mit Aufschrift Nuclear Disarmament fliegt vor dem Taj Mahal-Monument im indischen Agra (Quelle: dpa)

Inoffizielle Atomstreitmacht: Indien könnte Nukleartechnik aus den USA erhalten

Die zunehmend engere Kooperation zwischen den USA und Indien hatte zuletzt einen Dämpfer bekommen. Die Kommunisten, auf deren Unterstützung die Singh-Regierung in Delhi angewiesen ist, verweigerten der zuvor zwischen beiden Ländern ausgehandelten Lieferung über US-Nukleartechnik ihre Zustimmung. Beide Nationen sind gleichwohl auf die strategische Partnerschaft angewiesen. Die USA, um nicht nachhaltig an Einfluss in Asien zu verlieren, und Indien, um sich in einer zunehmend instabilen Region zu behaupten.

Das zumindest meint der ehemalige indische UN-Botschafter, Jaskaran Teja. Indien, China und die gesamte Region entwickelten sich so schnell, dass die Erhaltung politischer Stabilität dort von größter Bedeutung geworden sei, sagt Teja. "Wenn Weltmächte [wie die USA] nicht mehr in der Lage sind, diese Stabilität zu gewährleisten, dann führt gar kein Weg daran vorbei, dass [Indien] sich selbst um regionale Stabilität bemüht."

Bonanza für westliche Waffenschmieden

Konkret bedeutet dies auch gute Chancen für die Geschäfte westlicher Waffenschmieden. Indien, bislang Kunde fast ausschließlich russischer Lieferungen, will seine Lieferanten-Basis erweitern. Denn russische Jets genügen den Anforderungen der indischen Militärs gegenwärtig nicht mehr. Unter den Schwellenländern ist der Subkontinent mittlerweile der größte Waffenkäufer.

Soldaten in blauer Uniform beim Appell, stehen in einer Reihe hintereinander (Quelle: AP)

Ein Fünftel des Staatshaushaltes fürs indische Militär

Gegenüber Reuters bezifferte der Südasien-Chef von Lockheed, Richard Kirkland, das Volumen des indischen Marktes für "Verteidigungsgüter" auf rund 20 Milliarden Dollar über das nächste Jahrzehnt. Der britische "Guardian" spricht sogar von 45 Milliarden Dollar, die Indien in den nächsten fünf Jahren in die Erneuerung seines Arsenals investiert. Dafür und nicht zuletzt für die Unterhaltung seiner über 1,2 Millionen Mann starken Armee hat Indien mittlerweile knapp ein Fünftel seines Bundeshaushaltes veranschlagt.

Neues Gleichgewicht in Asien durch US-Deal?

Doch welchen Einfluss haben die steigenden Militärausgaben Indiens auf seine Nachbarn? 126 Flugzeuge werden die strategische Balance nicht dramatisch ändern, meint Pal Sidhu vom Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik. Was Pakistan betrifft, "wird nun sogar eine neue Parität geschaffen". Pakistan hat bereits amerikanische F-16 im Wert von knapp einer halben Milliarde Dollar bestellt.

Symbolbild: Militärschiffe und Soldaten vor Kombo aus chinesischer und indischer Flagge (Quelle: APTN)

Beeinflusst der US-Deal das strategische Gleichgewicht in Asien?

Im Rahmen einer engeren Kooperation könnten die USA zukünftig aber gewillt sein, Indien ganze Produktionslinien für die amerikanischen Flieger zu liefern. "Ein solches Angebot für eine ältere Modellreihe hat es bereits gegeben, doch Indien lehnte ab", erläutert Sidhu. Sollte künftig eine solche Möglichkeit wahrgenommen werden, dann "kann der damit verbundene massive Technologietransfer das Gleichgewicht in Asien sehr wohl neu ordnen", so Sidhu. Indien könne seine militärische Nachfrage selbst bedienen und hätte zudem in den nahe gelegenen, reichen Golfstaaten interessierte Kunden.

Kooperation ja - Bündnis nein

Ein weitergehendes Verteidigungsbündnis mit den USA wird Indien aber wohl nicht anstreben, sind sich Teja und Sidhu einig. Indien ist auf dem Weg, sich als ein neuer, starker Pol in einer zunehmend multipolaren Weltordnung zu etablieren. "Dafür betrachtet das Land militärisches Know-how aus den USA zwar als wichtig. Trotzdem möchte es nicht als von Washington abhängig wahrgenommen werden", sagt Sidhu. Auch Teja schließt aus, dass es eine Art militär-strategischen Block Indien-USA geben könnte, der sich etwa gegenüber Russland und China entwickelt. Denn "weil sie wirtschaftlich so stark miteinander verwoben sind, haben die USA und China ebenfalls viele gemeinsame Interessen".

Die Vermutung liegt nahe, dass US-Verteidigungsminister Gates die Inder bei seinem Besuch zu einer zügigen Entscheidung drängen will. Andernfalls kommt das Flugzeuggeschäft möglicherweise nicht mehr rechtzeitig vor den Präsidentschaftswahlen durch den US-Kongress. Doch alle im Vorwahlkampf verbliebenen potenziellen Präsidentschaftskandidaten haben sich für enge amerikanisch-indische Beziehungen ausgesprochen. Die Inder wissen, dass ihnen die Zeit nicht davonläuft. Vielmehr tickt die Uhr für einen angeschlagenen US-Präsidenten, der fürchten muss, dass ihm eine weitere Chance auf einen außenpolitischen Erfolg entgleitet.

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