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Diplomatie

Indien ist auf Obamas Agenda

Als erster US-Präsident ist Barack Obama Ehrengast bei der Parade zum indischen Tag der Republik. Ein klares Zeichen für die engen Beziehungen zwischen den beiden größten Demokratien der Welt.

Zum Festtag wird groß aufgefahren: Tausende Soldaten, Panzer und Raketen auf den Straßen der indischen Hauptstadt Neu Delhi, bejubelt von tausenden Bürgern - all das zur Feier der Verfassung, die am 26. Januar 1950 in Kraft trat. Unter den Zuschauern wird neben Indiens Premier Narendra Modi und Präsident Pranab Mukherjee auch ein besonderer Ehrengast sein: Barack Obama. Der US-Präsident traf bereits am Sonntag zu politischen Gesprächen in Neu Delhi ein. Er wird schon am Dienstag, einen Tag früher als geplant abeisen, um Saudi-Arabien einen Kondolenzbesuch nach dem Tod von König Abdullah abzustatten.

"Obama hätte die Einladung von Ministerpräsident Modi aus nachvollziehbaren innenpolitischen Termingründen ausschlagen können, aber er nahm sie an. Diese Reise hebt automatisch die Stellung Indiens in Washington", sagt Milan Vaishnav von der Carnegie Stiftung für Internationalen Frieden im Interview mit der DW. Denn damit ist Obama der einzige amerikanische Präsident, der Indien während seiner Zeit im Amt gleich zwei Mal besucht. Eine klare Botschaft: Mit den amerikanisch-indischen Beziehungen geht es bergauf.

Zwei Länder finden wieder zueinander

In den vergangenen fünf Jahren war das Verhältnis leicht abgekühlt, aber seit der Hindu-Nationalist Modi im Mai 2014 Premierminister wurde, habe sich das geändert, sagt Dhruva Jaishankar, Südasien-Experte beim German Marshall Fund of the United States. Der indische Regierungschef spreche in deutlichen Worten von einer engeren Zusammenarbeit zwischen den beiden Demokratien. Sein Besuch in den Vereinigten Staaten im vergangenen September wurde weithin als Erfolg gesehen - der Gegenbesuch jetzt, so Jaishankar, lege die Grundlage für weitere Schritte.

Dementsprechend hoch sind die Erwartungen auf beiden Seiten, dass aus dem Staatsbesuch auch konkrete Ergebnisse hervorgehen. "Der US-Präsident hat vier große Themen auf seiner Agenda: Wirtschaft, Verteidigung, Zusammenarbeit im Bereich zivile Kernenergie und Klimawandel", sagt Carnegie-Experte Vaishnav.

Indischer Premier Modi mit US-Präsident Obama in Washington (Foto: Reuters)

Seit Indiens Premier Modi im Amt ist, geht es mit den amerikanisch-indischen Verhältnissen aufwärts, sagen Analysten

Mit hochqualifizierten Indern verdienen

Bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit geht es schon seit längerem aufwärts: Der Handel von Waren und Dienstleistungen zwischen den beiden Ländern wuchs von 18 Milliarden US-Dollar im Jahr 2001 auf 93 Milliarden US-Dollar 2012. Große amerikanische Firmen hätten ihre Präsenz in Indien in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut - vor allem in den Bereichen Fertigung und IT, auch ganze Geschäftsprozesse würden nach Südasien ausgelagert , sagt Rajiv Biswas, Chefökonom für Asien-Pazifik beim Thinktank IHS.

"Ein weiterer Trend ist die Einrichtung von Forschungs- und Entwicklungszentren durch global operierende US-Konzerne in Indien, die sich aus dem großen Angebot von hochqualifizierten indischen Absolventen bedienen können", so Biswas weiter. Indien gelte für die amerikanischen Firmen aufgrund seiner großen Bevölkerungszahl und der wachsenden Kaufkraft der Mittelschicht als einer der großen Wachstumsmärkte. Auch für Premier Modi sind amerikanische Investition wichtig. So traf er sich während seines US-Besuchs bereits mit den Geschäftsführern wichtiger Firmen.

Hoffnung auf Klimavereinbarung

Laut Milan Vaishnav gibt es jedoch auch schwierige Themen: So will Indien zum Beispiel künftig Schiefergas aus den USA beziehen. "Solche Exporte sind eigentlich begrenzt auf Länder, mit denen die Vereinigten Staaten ein Freihandelsabkommen haben. Indien gehört nicht dazu. Deshalb will es eine dauerhafte Ausnahmegenehmigung erreichen", erklärt Vaishnav.

Im Bereich zivile Kernenergie wird die Zusammenarbeit durch indische Gesetze erschwert, die Zulieferer im Fall von Atomunfällen haftbar machen. Hier versuchen die USA eine Lösung zu finden.

Neben der Wirtschaft liegt ein Schwerpunkt auf dem Thema Verteidigung: Mitte 2015 läuft das bilaterale indisch-amerikanische Verteidigungsabkommen aus - eine Neuauflage für zehn Jahre ist geplant.

Auch beim Schwerpunkt Klimawandel soll es Ergebnisse geben: "Es wird erwartet, dass die USA und Indien eine Vereinbarung unterzeichnen, der zufolge Neu Delhi sich darauf einlässt, seine Emissionen zu reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energien bis 2013 zu erhöhen", sagt Biswas. China hatte eine derartige Zusage schon beim Treffen von Obama mit Präsident Xi Jinping auf dem Apec-Gipfel Ende 2014 gemacht.

Luftverschmutzung in Indien (Foto: AFP/GettyImages)

Beobachter erwarten, dass Indien zusagt, seine Emissionen zu reduzieren

Sorge um Zukunft Afghanistans und Rolle Pakistans

Und noch ein Thema könnte auf die Agenda rutschen: Indien ist besorgt um die politische Stabilität in Afghanistan nach dem Abzug der US-Truppen. Vaishnav geht davon aus, dass Neu Delhi eine Zusicherung verlangt, dass die Amerikaner sich nicht einfach zurückziehen.

Gleichzeitig bestehe Indien darauf, dass Pakistan bei Gesprächen über Afghanistan keine Rolle spielen dürfe. Jüngste Signale einer stärkeren Annäherung zwischen USA und Pakistan würden in Indien Unbehagen auslösen. Dort sei man weiterhin sehr skeptisch, inwieweit Pakistans Geheimdienst und Militär ihre Einstellung gegenüber radikalen Islamisten geändert haben.

Auch wenn viele kritische Themen anstehen nicht verschwunden sind, so scheint es doch bei der indischen wie der amerikanischen Regierung den Willen zu geben, diese Streitpunkte gemeinsam anzugehen. Darin sind sich die Experten einig. "Aber, betont Vaishnav, "auch wenn es von beiden rhetorisch und symbolisch viele wichtige Gesten gab, muss dieser Symbolik jetzt die Substanz folgen. Die schwierigen Themen in Angriff zu nehmen, wird harte Arbeit."

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