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Aktuell Deutschland

Indien blickt nach Europa

Deutschland und Indien verbindet eine "strategische Partnerschaft". Zum Auftakt der Regierungskonsultationen plädierten beide Seiten für noch engere Kontakte. Auch das deutsche Ausbildungssystem ist in Indien gefragt.

Außenminister Guido Westerwelle findet nur lobende Worte für seine indischen Gesprächspartner. Nach einem Treffen mit seinem Kollegen Salman Kurshid (Artikelbild links) in Berlin hob der FDP-Politiker hervor: "Wir betrachten Indien auch aufgrund unserer Wertegemeinschaft als Demokraten als sehr engen Freund Deutschlands." Beide hatten sich zuvor für einen schnellen Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und dem asiatischen Milliarden-Volk ausgesprochen.

Politischer Wille gefragt

"In der jetzigen Phase ist vor allem politischer Wille nötig", hob Kurshid hervor. Westerwelle wies darauf hin, dass ein solcher Vertrag ein wegweisender Schritt zu mehr Wachstum und Wohlstand für beide Seiten wäre. Die entsprechenden Verhandlungen zwischen der EU und Indien laufen bereits seit 2007. Strittig ist laut Berichten von EU-Diplomaten unter anderem die Weigerung der Regierung in Neu Delhi, die hohen Zölle auf Autoimporte abzubauen.

Indien gilt mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Einwohnern als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte in Asien. Mit zusammen mehr als 1,8 Milliarden Menschen stellen Indien und die EU ein Viertel der Weltbevölkerung. Innerhalb Europas ist Deutschland für Indien der wichtigste Handelspartner.

Deutsch als erste Fremdsprache

Die Beziehungen zwischen Berlin und der größten Demokratie der Welt sind vor zwei Jahren zur "strategischen Partnerschaft" mit regelmäßigen Regierungskonsultationen aufgewertet worden. In der Bundesregierung wurde jetzt mit gewissem Stolz darauf verwiesen, dass dies erste Früchte trägt: Beispielsweise werden in Indien derzeit etwa 1000 Schulen mit Deutsch als erster Fremdsprache eingerichtet. Kurshid betonte zudem das große Interesse am deutschen Ausbildungssystem. "Schließlich haben wir 500 Millionen Menschen unter 25 Jahren, die einen Job brauchen." An diesem Donnerstag sollen neue Förderprogramme für Hochschulkooperationen unterzeichnet werden.

Kanzlerin Merkel empfängt Indiens Premierminister Singh (Foto: dpa)

Die Kanzlerin freut sich auf die Gespräche mit ihrem indischen Kollegen Singh

Trotz der Harmonie gilt Indien eher als schwieriger Partner. "Es entwickelt sich alles sehr langsam", heißt es von Zeit zu Zeit aus der Bundesregierung. Immer wieder stoße man auf verkrustete gesellschaftliche Strukturen, die echte Reformen verhinderten.

Kanzlerin Angela Merkel wirbt dennoch für eine engere Abstimmung und einen langen Atem - zumal sie sich mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh seit ihrem ersten Treffen 2006 sehr gut versteht. In Vorbereitung der eigentlichen Regierungskonsultationen, an denen am Donnerstag in Berlin zahlreiche Fachminister beider Länder teilnehmen, empfing die Kanzlerin Singh am Mittwoch zu einem gemeinsamen Abendessen.

se/qu (rtr, dpa)