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Deutschland

Willkommen in Deutschland?

Der Wirtschaft fehlen Fachkräfte. Gesucht werden Hochqualifizierte aus dem Ausland. Doch Deutschland hat nicht gerade den Ruf, es Einwanderern leicht zu machen.

Die Ausländerbehörde in München. (Foto: Tilo Mahn)

Die Ausländerbehörde in München

Ein "Willkommenskoffer", eine Smartphone-App und eine persönliche Beratung vor der Ankunft in Deutschland - so soll Ausländern das Einwandern künftig leichter gemacht werden. Der Koffer enthält Informationsmaterial, wichtige Internetadressen und Telefonnummern. Und der erste Gang im neuen Land soll dann zudem nicht mehr in die "Ausländerbehörde" führen, sondern in ein "Willkommenzentrum".

Die Bündelung des Internetangebots war nur eine der Empfehlungen des Experten-Gremiums "Runder Tisch Aufnahmegesellschaft", das sich mit der praktischen Umsetzung einer besseren "Willkommenskultur" beschäftigt und nun die Ergebnisse vorgestellt hat. Ein weiteres Ziel ist es, auch die persönliche Beratung im Herkunftsland auszubauen - unter Einbeziehung der Institutionen, die schon vor Ort sind, etwa Goethe-Institute oder Außenhandelskammern.

Lieber nach Australien oder Kanada

Alle Gruppen von Zuwanderern sollen von der neuen "Willkommenskultur" profitieren, so der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, im DW-Gespräch. Doch angesichts des Fachkräftemangels etwa in der Elektroindustrie oder der IT-Branche scheint Deutschland sich besonders für Hochqualifizierte attraktiv machen zu wollen.

Ein Strassenschild mit einem Känguruh in Australien (Foto: Bernd Leitner)

Australien ist ein beliebtes Einwanderungsland

Denn obwohl die Einwanderung für Menschen, die in Deutschland arbeiten wollen, bereits leichter geworden ist, ist ein Fachkräfte-Zuwanderungsboom nicht in Sicht. Laut der Internationalen Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zieht es fünf bis zehn Mal so viele Arbeitskräfte in Länder wie Australien, Dänemark oder Kanada wie nach Deutschland.

Laut Manfred Schmidt liegt das vor allem daran, dass etwa Australien "schon viel länger Ziel von Auswanderern" sei. Deutschland begreife sich erst seit etwa zehn Jahren als Einwanderungsland. Deswegen gebe es hierzulande noch einigen Nachholbedarf.

"Jetzt geht es darum, wie wir Menschen, die zu uns kommen wollen, signalisieren, dass sie willkommen sind", sagt Schmidt, "und dass wir mit ihnen auf Augenhöhe sprechen." Das solle nicht nur für Hochqualifizierte gelten, sondern auch für Flüchtlinge, Asylsuchende, Familien von Einwanderern. So viel zur Theorie.

Geduldet und ohne Perspektive

Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Fluechtlinge (BAMF), Manfred Schmidt (Foto: dapd)

Manfred Schmidt: Den Einwanderern signalisieren, dass sie willkommen sind

Befragt man jedoch Einwanderer, ob sie sich in Deutschland willkommen fühlen, kommen sehr unterschiedliche Antworten. Adil Abdelruhman hat durchwachsene Erfahrungen mit deutschen Behörden gemacht. Er stammt aus Eritrea, seine Familie ist in den 1980er Jahren nach Deutschland geflohen. Abdelruhman war damals neun Jahre alt. Er ist in Deutschland aufgewachsen, hat die Realschule abgeschlossen, er fühlt sich als Deutscher, wie er sagt.

Er sei mit einem Pass für Flüchtlinge ins Land gekommen, habe ihn jedoch verloren und keinen neuen ausgestellt bekommen, erzählt er. Ein paar "dumme Sachen" habe er auch gemacht, und nun habe er Duldungsstatus, was mit Auflagen verbunden ist. Zum Beispiel darf Abdelruhman Nordrhein-Westfalen nicht verlassen.

Übermäßige Bürokratie, wie sie den deutschen Behörden oft unterstellt wird, sei nicht das Problem, sagt er: "Der Schreibkram ist für mich eine Kleinigkeit. Das ist schnell gemacht." Was ihm aber fehlt, ist eine Perspektive: "Ich komme mir vor, als würde ich in einem Ozean schwimmen, und es ist kein Land in Sicht." Er habe einen guten Sachbearbeiter, aber das Engagement, bei der Jobsuche oder bei Alltagsdingen weiterzuhelfen, sei nicht bei allen Mitarbeitern gleich groß.

Zu wenig mehrsprachige Mitarbeiter

Ein Wörterbuch für Deutsch-Türkisch liegt in einem Deutschkurs (Foto: dpa)

Migranten und die Mitarbeiter der Ausländerbehörde sollen ihre Sprachkenntnisse verbessern

Ein junger Mann aus Indien, der einen guten Job bei der Deutschen Post DHL hat, spricht indes von "guten Erfahrungen" mit der Ausländerbehörde - bürokratisch sei es schon, aber wenn man sich erst einmal an das System gewöhnt habe, komme man zurecht. Aus seiner Sicht sollte es aber mehr Mitarbeiter geben, die Englisch sprechen: "Wenigstens für die Neuankömmlinge, denn in den ersten Monaten sprechen viele noch kein Deutsch."

Die Mehrsprachigkeit ist auch für Manfred Schmidt ein Thema, das er angehen will. Außerdem sollen die Behörden, die mit Ausländern zu tun haben, mehr Mitarbeiter mit Migrationshintergrund bekommen.

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