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Wirtschaft

In Holz und Getreide steckt Energie

Heizen mit Weizen - was sich wie ernährungstechnischer Frevel anhört, ist aus Sicht vieler Bauern eine echte Alternative. Auch Holz wird "einfach so" zur Energieversorgung verbrannt.

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Biomasse hat als Energielieferant Zukunft


Landwirt Karlfried Cost aus Frankfurt-Niedererlenbach hat kein Problem damit, seine Ernte zu verbrennen: Der Preis, der für sein Getreide gezahlt werde, sei auf ein unerträglich niedriges Niveau gefallen. "Getreide hat einen Wert von fast Null", klagt er. 90 Euro pro Tonne bekomme er von der Mühle. Cost verfeuert deshalb Getreide von seinen Feldern in einer tschechischen Versuchsanlage - und heizt damit sein Wohnhaus.

Ethische Bedenken

Biomasse ist in ihrer ganzen Palette als Energielieferant geeignet, meint auch die Klimaschutz-Expertin der Umweltstiftung WWF, Regine Günther. Getreide gehöre prinzipiell ebenso dazu wie Holz, Raps oder Zuckerrüben. Aber: Anders als Raps oder Rüben wurde Getreide bisher ausschließlich als Nahrungs- und Futtermittel angebaut. Körner sind als Brennstoff nicht zugelassen. Neben technischen Schwierigkeiten gibt es auch ethische Bedenken.

Brotsorten

Heizen statt Brot backen?

Das Verfeuern eines seit biblischen Zeiten wichtigen Nahrungsmittels ist für viele Menschen ein Problem. Der katholische Moraltheologe Michael Rosenberger aus Linz konstatiert ein "emotionales Nein", kommt aber zu dem Schluss, dass es keine Argumente gibt, die prinzipiell gegen den Anbau von Weizen zur Energieerzeugung sprechen. Die emotionalen Bedenken seien jedoch ein hilfreiches Warnsignal vor allzu großer Euphorie über die Chancen nachwachsender Rohstoffe.

Lösung für Entsorgungsproblem

Kornfeld mit Fahrspuren bei Grambow

Getreide ist offenbar nichts wert

Auf 6,9 Millionen Hektar bauen deutsche Landwirte Getreide an, davon sind 3,7 Millionen Hektar Brotgetreide (Weizen und Roggen). Für die Bauern wäre die Erlaubnis, Getreide zur Wärmegewinnung zu nutzen, die Lösung für eine ganze Reihe von Problemen: Derzeit bekommen die Landwirte nach Angaben des hessischen Bauernverbandes höchstens zehn Cent für ein Kilogramm Backweizen. Für Futtergetreide werde noch wesentlich weniger gezahlt, sagt Pressesprecher Bernd Weber. Außerdem wissen die Landwirte nicht, wohin mit minderwertigen Qualitäten: Auf Mülldeponien darf es seit Juni nicht mehr gebracht werden. Bleiben nur die Müllverbrennung oder Kompostierung.

Getreide und Holz mischen

Bücherntal im Schwarzwald

Bücherntal im Schwarzwald

Die Gegenrechnung sieht folgendermaßen aus: 2,5 Kilogramm Weizen haben den Heizwert von einem Liter Öl. Allerdings gibt es technische Probleme. Uwe Fritsche vom Öko-Institut Darmstadt meint, Getreide könne als Brennstoff mit Holz nicht mithalten. Noch sei keine Technik auf dem Markt, die mit Verbrennungs-Rückständen wie Kohlenwasserstoffen oder Kohlenmonoxid fertig werde. Wegen des hohen Stickstoffgehalts der Getreidekörner seien auch die Stickoxidemissionen problematisch. Vielversprechend seien aber Versuche, Getreide gemischt mit Holzhackschnitzeln zu verbrennen.

Pelletsnachschub gesichert

Holzpellets brennen auch ohne Getreidebeimischung gut. "Dieses wertvolle Nebenprodukt der Holzindustrie wird immer bedeutender für die Beheizung von Wohnungen und Großeinrichtungen", sagt Helmut Schellinger, Vertriebschef von Deutschlands größtem Holzpellets-Werk. Es steht auf dem Sägewerksgelände der kleinen Gemeinde Dold in Buchenbach im Hochschwarzwald. Das Werk verarbeitet 35 Lastwagenladungen Holz pro Tag. Das ergibt 35.000 Tonnen Pellets im Jahr. Damit können mehr als 15.000 Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Tannenzapfen

Holz wächst nach, wenn auch langsam

Günstige Perspektiven für Holz sieht auch der Geschäftsführer der Forstkammer Baden- Württemberg, Martin Bentele: "Deutschland ist Europas Waldmeister, was Vorräte und guten Zuwachs des Waldes angeht." Zudem würden nur zwei Drittel des Waldzuwachses in Deutschland tatsächlich geerntet. Die Hälfte der deutschen Haushalte könnten mit dem Heizstoff Holz versorgt werden, wenn man nur das tatsächlich nachwachsende Holz aus dem Wald nähme, sagt Bentele. Die Menge an Rohstoff sei bei nachhaltiger Nutzung gesichert. (arn)

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