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Kultur

Sonnige Zukunft im grauen Pott

Treibhauseffekt, Waldsterben, Ozonloch: Der Ruf nach erneuerbaren Energien wird immer lauter. In Gelsenkirchen steht eine der größten europäischen Solarzellenfabriken.

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Solarzellenfabrik der Deutschen Shell AG in Gelsenkirchen

Umweltschädliche Schadstoffe belasten die Erde und gefährden Flora und Fauna und nicht zuletzt das menschliche Leben. Ein großes Problem ist der Ausstoß von Kohlendioxid (CO²) durch fossile Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl.

Eine Antwort könnte die Sonnenenergie sein. Mit ihr steht eine Quelle zur Verfügung, die den noch steigenden Energiebedarf ohne gefährliche Nebenwirkungen decken kann. In Gelsenkirchen steht eine der größten europäischen Solarzellenfabriken. Und es ist vielleicht kein Zufall, dass dort in der Nähe die erste Solarsiedlung des Ruhrgebietes entstanden ist. Auf jedem der 72 Reihenhäuser sind mehrere Quadratmeter Solarzellen angebracht, die umweltschonenden Strom erzeugen.

Die Solar-Siedlung in Gelsenkirchen

Dunkle Wolken am Himmel und leichter Nieselregen verdecken die Sonne. Kein guter Tag für Solarzellen. Strom in der Solarsiedlung gibt es trotzdem, denn schließlich sind die Häuser an das städtische Stromnetz angeschlossen. Dennoch ist das Versorgungskonzept so konzipiert, dass es keinen Ausfall gibt. "Wir haben immer Strom, immer Wärme, immer Warmwasser. Und der Vorteil ist, dass man einfach einen Teil über die Sonne dazugewinnt und den auch nutzen kann," erklärt Reihenhausbesitzer Thomas Jeromin.

Sonnenkraftwerk Pellworm

Luftaufnahme von Europas grösster Solaranlage auf der Nordseeinsel Pellworm.

Er wohnt seit vier Jahren mit seiner Frau und den vier Kindern in der Solarsiedlung im Stadtteil Gelsenkirchen-Bismarck. Auf den ersten Blick sieht hier alles ganz normal aus. Erst bei genauem Hinsehen fallen die an den Rheinhäusern angebrachten Photovoltaikanlagen auf. Sie sorgen für warmes Wasser und decken einen Teil des benötigten Stroms ab. "Im Schnitt erzeugen wir pro Haus zwischen 800 und 1200 Kilowattstunden pro Jahr. Der Strom wird ins normale Festnetz eingespeist und wir haben ungefähr 50 Prozent der Warmwassernutzung über solarthermische Anlagen abgedeckt,"sagt der Familienvater.

Das Leben in einem Niedrigenergie-Haus rechnet sich

Eine fünfköpfige Familie benötigt im Jahr etwa 4500 Kilowattstunden Strom. Die Sonne deckt also nur einen Teil des Bedarfs ab. Einen finanziellen Vorteil gibt es trotzdem: Die Jeromins speisen die Energie, die die Solaranlage auf ihrem Haus erzeugt, in das städtische Stromnetz ein. Dafür bekommen sie rund 500 Euro pro Jahr gutgeschrieben. Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz verpflichtet die Energieunternehmen dazu, den Erzeugern von Solarstrom etwa 50 Cent pro eingespeister Kilowattstunde zu bezahlen. Das ist 15 mal mehr als der normale Strompreis im Großhandel. Für den Familienvater aber längst nicht der einzige Grund hier zu wohnen. "Durch das Leben in einem Niedrigenergiehaus spiegelt sich auch das Umweltbewusstsein wider. Meine Kinder wachsen in einer Umgebung auf, die sich bewusst mit dem Konzept der Energieeinsparung auseinandersetzt," ist Jeromin überzeugt.

Solarzellenfabrik "Shell" in Gelsenkirchen

Solarstromkraftwerk in Espenhain

Solarfelder im Solarpark Leipziger Land in Espenhain.

Umweltexperten sehen in der Sonnenenergie langfristig das größte Zukunftspotenzial zur Stromerzeugung. Dennoch gibt es derzeit einen gewichtigen Nachteil dieser Form der Energiegewinnung: die sehr aufwändige Herstellung der Solarzellen. Beim Rundgang durch die Shell Solarzellenfabrik in Gelsenkirchen erklärt Geschäftsführer Sjouke Zijlstra die einzelnen Prozessschritte.

In der Produktionshalle steht eine etwa 30 Meter lange Maschine. Sie transportiert auf einem Fließband die Solarzellen. Eine Scheibe ist aus reinem Silizium, etwa 0,3 Millimeter dick. Für die Bearbeitung einer Zelle benötigt die Maschine ungefähr eine Stunde. Die fertigen Zellen werden zunächst in Kisten eingelagert. Anschließend werden sie noch einmal 100% visuell kontrolliert und dann verpackt, erläutert Geschäftsführer Zijlstra die einzelnen Produktionsschritte.

Die Herstellung von Solarzellen

Solarenergie in Marokko

Solarenergie in Marokko.

Etwa fünf bis sechs Millionen Solarzellen laufen hier im Jahr vom Fließband. 38 Mitarbeiter kümmern sich an fünf Tagen in der Woche im Schichtbetrieb um den korrekten Ablauf der Maschine. Nahezu alles ist automatisiert. Das Problem: Die Herstellung von Solarzellen ist so teuer, dass sich die Nutzung dieser Art der Energiegewinnung erst nach zwei bis drei Jahren lohnt, sagt Zijlstra.

Wenn die staatlichen garantierten Strompreise nicht wären, würde es noch länger dauern. Ohne Bezuschussung gäbe es also wenig Anreize für Hersteller und Verbraucher auf die umweltschonende Sonnenenergie umzusteigen. Die Nachfrage ist zurzeit dennoch so hoch wie nie. Zijlstra will sogar in naher Zukunft seine Produktion von fünf auf sieben Tage die Woche ausweiten. "Im Moment boomt der Markt so sehr, dass alle Produzenten so viel produzieren wie möglich, weil sie wissen, dass alles verkauft wird," erklärt der Geschäftsfüherer. Rund drei Jahre zuvor sah alles ganz anders aus. Die Lagerbestände waren groß und die Nachfrage zögernd. Jetzt, so erläutert Zijlstra, sind bei steigender Nachfrage die Lagerbestände praktisch aufgebraucht.

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