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Politik & Gesellschaft

In besseren Kreisen und exklusiven Clubs

In Deutschland ist der 1000. Rotary Club eröffnet worden. Clubs, zu denen nur ausgewählte Mitglieder Zutritt haben, üben einen besonderen Reiz aus. In einigen Clubs geht es weniger um Netzwerke als um Wohltätigkeit.

'Soho House' in Berlin (Foto: dpa)

Club "Soho House" in Berlin

Seit jeher umgibt sie eine Aura des geheimnisvollen, exklusiven und elitären. Und für Außenstehende wächst die Sehnsucht, dazuzugehören, je höher die Hürden der Aufnahme sind. Exklusive Clubs und Zirkel haben auch nach Jahrzehnten ihres Bestehens nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Blick in den Privatclub 'Soho House' (Foto: dpa)

Exklusives Ambiente: Entspannt unterhalten und netzwerken

Auch wenn Kritiker ihnen gerne Nachwuchssorgen oder einen Verlust der Exklusivität bescheinigen, erfreuen sich sogenannte Service Clubs wie der Rotary Club oder der Lions Club steigender Beliebtheit.

Vor kurzem eröffnete in Stuttgart der 1000. deutsche Rotary Club. In diesen Clubs sind derzeit 51.148 Mitglieder organisiert, und die Zahlen steigen seit Jahren. Der jetzt neu eröffnete Club in Stuttgart ist einer von bislang erst vier Rotary International Clubs, die es überhaupt in der Bundesrepublik gibt. In den Clubs mit dem Zusatz International muss im Unterschied zu den anderen Rotary Clubs Englisch und Deutsch gesprochen werden, da viele der Mitglieder aus dem Ausland stammen.

Ausgewogenheit bei den Mitgliedern

Weltweit sind über 1,2 Millionen Mitglieder in mehr als 33.000 Clubs bei den Rotariern organisiert. Die Mitglieder der Rotary Clubs sollen vor allem Führungskräfte sein, man ist aber generell für alle Berufsbranchen offen.

Logo des Rotary Clubs: Ein Zahnrad

Rotary Clubs gibt es seit 1905. Die ersten Treffen fanden bei den Mitgliedern rundum wechselnd statt, daher der Name Rotary.

Man richte sich auch nicht ausschließlich an Akademiker, betont Susanne Büttner, Pressesprecherin von Rotary Deutschland. Jedoch solle aus jeder Berufsgruppe nur ein Mitglied pro Club aufgenommen werden, damit eine "gewisse Ausgewogenheit" gewährleistet sei, erklärt Büttner.

Niemand kann den Rotariern eigenständig beitreten. Nur etablierte Mitglieder können Kandidaten zur Aufnahme vorschlagen. Danach folgt ein Aufnahmeverfahren, das von einem Aufnahmeausschuss geleitet wird. Nach einem positiven Votum des Ausschusses und des Vorstandes kann ein Kandidat in den Club aufgenommen werden. Ein Aufnahmebeitrag ist nicht nötig, allerdings eine jährliche Jahresgebühr, deren Höhe die jeweiligen Clubs selbst festlegen.

Auch Frauen sind in den Rotary Clubs seit 1989 willkommen. Zwar bedurfte es dazu erst eines Gerichtsurteils in den USA, aber mittlerweile ist etwa jeder sechste Rotarier weiblich.

Selbstloses Dienen

Unter dem Motto "Service Above Self" (Selbstloses Dienen) engagieren sich die Rotarier ehrenamtlich, um Schwächere beispielsweise durch Projekte zu unterstützen. Das Hauptprojekt der Organisation ist der Kampf gegen die Kinderlähmung. Auch für humanitäre Hilfe, den Frieden, Völkerverständigung, Jugendförderung und die internationale Verständigung setzt man sich ein. Außerdem ermöglicht man jedes Jahr rund 800 Studenten ein Gastsemester im Ausland.

Das wohltätige Engagement des Serviceclubs wird jedoch überschattet von dem Eindruck einer Klüngelgesellschaft, deren Mitglieder primär ihre eigenen Interessen verfolgen. Derartige Vorwürfe weist Rotary-Sprecherin Susanne Büttner zurück: "Darum geht es überhaupt nicht".

Eine Hand hält eine Sammelbüchse des Rotary-Clubs vor dem Brandenburger Tor in Berlin in die Höhe (Foto: dpa)

Der Rotary-Club hat sich den Kampf gegen die Kinderlähmung auf die Fahnen geschrieben

In der Regel trifft sich ein Rotary Club einmal wöchentlich in seinem Clublokal, das meist in Hotels oder Gaststätten angesiedelt ist. Ein eigenes Clubhaus gibt es nicht. In den wöchentlichen Treffen können die Mitglieder Vorträge zu aktuellen Themen oder aus dem speziellen Berufsfeld eines Mitglieds hören. Die Mitglieder sollen nach Möglichkeit an mindestens der Hälfte aller Treffen teilnehmen. Es besteht daher eine Präsenzpflicht.

Lions kämpfen gegen die Blindheit

Auch der Lions Club ist ein karitativer Serviceclub, der sich unter dem Motto "We serve" (Wir dienen) den gesellschaftlichen Problemen stellt. Zu den größten Projekten gehört die Bekämpfung der Blindheit. Weltweit sind fast 1,4 Millionen Menschen in Lions Clubs vertreten. Der erste Lions Club in Deutschland wurde 1951 in Düsseldorf gegründet. Aktuell sind in Deutschland 49.892 Mitglieder in 1484 Clubs vertreten.

Schild eines Lions Club International (Foto: dpa)

Der erste Lions Club in Deutschland wurde 1951 gegründet

Auch hier erfolgt die Neuaufnahme von Mitgliedern über das "Empfehlungs-Prinzip". Aber man könne als Interessent auch einfach beim nächstgelegenen Lions Club anrufen, erklärt Ulrich Stoltenberg, Pressesprecher des Lions Club International Deutschland. Danach gebe es für beide Seiten eine Art "Kennenlernphase", in deren Anschluss die Mitglieder über eine Aufnahme des Interessenten entscheiden. Diese Entscheidung muss einstimmig ausfallen.

Man wolle die Clubs aber bewusst "klein halten", damit man den Blick auf den Einzelnen nicht verliert, sagt Stoltenberg. Wachse die Mitgliederzahl in einem der Clubs zu schnell an, werde geraten, aus einem Club zwei zu machen.

Die Mitglieder zahlen pro Jahr einen festen Sockelbetrag und dazu noch einen Zusatzbetrag, je nach eigenem Ermessen, denn man wolle ja soziale Projekte fördern, sagt Stoltenberg. In der Regel treffe man sich einmal im Monat zum Clubabend, "damit ist es auch für diejenigen zu schaffen, die beruflich eingespannt sind", berichtet Stoltenberg. Wie bei den Rotariern finden die Treffen der Lions in einem Lokal oder Hotel statt. Auf dem Programm stehen dann Vorträge von externen Rednern oder Exkursionen.

Gegenseitige Gefälligkeiten für den eigenen, beruflichen Nutzen der Lions-Mitglieder weist Stoltenberg von sich. "Lions-Mitglieder sind beruflich schon meist sehr erfolgreich und auf sowas nicht angewiesen. Viel eher steht die Freundschaft zwischen den Mitgliedern im Vordergrund und die Wohltätigkeit."

Berliner "Soho House" für Kreative

Blick auf die Dachterrasse mit dem Pool des 'Soho House' (Foto: dpa)

Auf der Dachterrasse des "Soho House" in Berlin können die Mitglieder schwimmen

Eine neue Erscheinung ist das "Soho House" in Berlin. Nach dem Vorbild der englischen Privatclubs treffen sich hier nicht konservative alte Herren, sondern Kreative, Künstler oder Musiker in entspannter Atmosphäre. Der Club residiert in Berlin-Mitte in der ehemaligen SED-Zentrale.

Dort können die Mitglieder auf acht Etagen essen, schwimmen, Sport treiben, Filme schauen - und eben "netzwerken". Getränke beim Barkeeper gibt es jedoch nur auf Englisch. Andere Ableger des "Soho House" sind in London, New York und Hollywood ansässig.

Das Aufnahmeprozedere ähnelt dem anderer feiner Clubs: Wer aufgenommen werden will, muss sich bewerben, am besten mit den Empfehlungen zweier Mitglieder. Ein 40-köpfiges Komitee entscheidet dann alle drei Monate darüber, wem Einlass gewährt wird.

Bei der Eröffnung kam noch Kritik und Skepsis von allen Seiten. "So etwas funktioniert in Berlin nicht", so der Tenor. Doch nach einem guten Jahr des Bestehens wurden mittlerweile mehr als 2000 Mitglieder aufgenommen. Und jedem einzelnen von ihnen ist der Zugang zu den exklusiven Räumlichkeiten immerhin mindestens 900 Euro im Jahr wert.

Autor: Arne Lichtenberg
Redaktion: Hartmut Lüning

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