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Kultur

Immer noch Karneval am Rhein

Wenn im deutschen Rheinland alles vorbei ist, legen die Schweizer erst richtig los. Die Basler Fasnacht ist in vollem Gange, während die Kölner Katholiken schon fasten müssten.

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Bestens organisierte Pfeifer in Basel

Noch kurieren die Kölner und Mainzer ihren Karnevalskater und planen schon für die Saison 2004, da geht es in der Schweiz erst richtig los. In Basel, dem südlichsten Hauptort des rheinischen Karnevals wird eine Woche nach dem Kölner Rosenmontag gefeiert.

Nach der Einführung der Reformation in Basel reglementierte die Kirche dort nicht mehr Fastenzeit und Karneval, und so konnte der im Mittelalter weit verbreitete, spätere Fastnachts-Termin in der Schweiz erhalten bleiben. Pünktlich um vier Uhr am Montagmorgen (10.03.) hat in Basel der dort Fasnacht genannte Straßenkarneval mit dem sogenannten "Morgenstraich" begonnen. Weit über 100.000 Menschen, unter ihnen viele Touristen, waren trotz der frühen Stunde auf den Beinen, um den Tausenden von Pfeifern und Trommlern zuzujubeln. Am Mittwoch (11.03.) werden über 10.000 Maskierte auf dem sogenannten Cortège pfeifend und trommelnd durch die Basler Innenstadt ziehen.

Hauptsache urig

Basler Fasnacht

Das Besondere in Basel sind neben den gellenden Piccoloflöten die expressionistisch anmutenden oft aus Holz geschnitzten Masken. Hexengesichter wie aus alten Kinderbüchern, Vogelnasen wie auf Zwanzigerjahre Holzschnitten. Bis Donnerstag morgen (13.03.) haben Kneipen und Gaststätten in der Stadt am Rheinknie durchgehend geöffnet. Neben Alkohol konsumiert der Basler Narr jetzt mit Vorliebe Mehlsuppe und Zwiebelkuchen.

Mitmachen ist für jeden Basler Ehrensache. Wenn er es zu etwas in der Gemeinde bringen will, sogar von existenzieller Bedeutung. 480 verschiedene Einheiten sind beim Basler Fasnachts-Comité gemeldet: Sogenannte Cliquen, Stammvereine, Musiken und Tambour-Gruppen. Touristen sind willkommen, doch "bietet Ihnen unsere Fasnacht keine Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung", wie die offizielle Fasnachts-Website gleich klarstellt. Gemeinsam ist den beiden Karnevalshochburgen Köln und Basel der straff organisierte Ernst mit dem der ganze Frohsinn betrieben wird. Nur ist der in der Schweiz sogar bis ins kleinste Detail organisiert und für den Außenstehenden mittlerweile schon verklausuliert.

Eine junge Tradition

Pfeiffergruppe auf der Schweizer Fasnacht

Dabei ist die ganze Tradition gar nicht so alt: Künstler und intellektuelle Bürgerliche formten erst vor etwas mehr als hundert Jahren aus unorganisierten Karnevalsbräuchen eine "urtümliche" Basler Fasnacht. Der Wille zur Urtümlichkeit ging so weit, dass man den auf den Beginn der christlichen Fastenzeit verweisenden Begriff der Fast-Nacht (oder carne vale = Fleisch adé) abänderte. Das für Allemannen einfacher auszusprechende "Fasnacht" soll wortgeschichtlich auf angeblich viel ältere, vorchristliche Bräuche hindeuten. Doch nicht nur mit nachträglich weggelassenen Buchstaben wird heute den Touristen (und besonders gerne sich selbst) viel mystisches eingeredet: Auf den offiziellen Seiten der Basler Fasnachts-Vereine steht immer wieder die bedauernswerte Geschichte vom großen Erdbeben im Jahre 1356, das Stadt und Archiv zerstörte. Nur deshalb könne man nicht belegen, dass alles ja sogar bis zu den alten Römer zurückreiche.....Die Hälfte der Basler Fasnachts-Trommlercliquen wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg gegründet.

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