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Fokus Osteuropa

Immer mehr Russen verlassen Kirgisistan

Nach der März-Revolution 2005 hat die Auswanderung aus Kirgisien zugenommen. Die Menschen verlassen das Land meist wegen Arbeitslosigkeit. Ein weiteres Problem ist jedoch die Umstellung auf die Staatssprache Kirgisisch.

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Auch viele junge Kirgisen sehen für sich keine Zukunft in ihrer Heimat

Den jüngsten Angaben des kirgisischen staatlichen Statistik-Komitees zufolge sind im Jahr 2005 mehr als 25.000 kirgisische Staatsbürger nach Russland übergesiedelt, fast 10.000 mehr als im Jahr 2004. Die Auswanderung war vor allem in den ersten Monaten nach der März-Revolution im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Aber auch derzeit liegen den Einwanderungsbehörden Russlands zahlreiche Anträge vor.

Geringe Renten

Täglich wenden sich etwa 60 bis 70 Personen an die Vertretung des russischen Föderalen Migrationsdienstes in Bischkek. Noch kurz vor Schließung der Vertretung füllen dort Menschen hektisch Anträge aus, um eine Genehmigung zu erhalten, nach Russland übersiedeln zu dürfen. Swetlana Nikolajewa, die aufmerksam ein Antragsmuster studierte, sagte der Deutschen Welle: "Ich möchte keinen Fehler machen." So wie sie möchten Tausende kirgisische Staatsbürger schnellstmöglich eine Einwanderungserlaubnis erhalten. Swetlana Nikolajewa erzählte: "Wir leben hier schon mehr als 50 Jahre. Das Klima gefällt uns, wir haben hier Freunde und Bekannte. Wir haben gemeinsam studiert und gearbeitet. Aber wir werden alt und nachdenklich. Wir müssen eine richtige Entscheidung treffen. Natürlich wünschen wir uns, dass man in Kirgisistan mehr an die Rentner denkt. Die Renten sind hier sehr gering."

Fachkräfte verlassen das Land

Die meisten, die nach Russland übersiedeln wollen, sind aber keine Rentner. In einem Gespräch mit der Deutschen Welle sagte der Leiter der Vertretung des russischen Migrationsdienstes in Bischkek, Jurij Jermolajew, vor allem gut ausgebildete Fachkräfte würden das Land verlassen. Er betonte: "In der Regel handelt es sich um arbeitsfähige Menschen und junge Leute. Etwa sieben bis acht Prozent sind Rentner. Der Rest sind Menschen mit einem Abschluss einer Hoch- oder Mittelschule. Sie sind Fachleute in verschiedenen Bereichen."

Über die Gründe für die Auswanderung sagte Jermolajew: "Natürlich gibt es verschiedene Gründe, aber die Hauptgründe sind die Arbeitslosigkeit, die geringen Löhne und der niedrige Lebensstandard. Deswegen wollen die Menschen auswandern. Hinzu kommt, dass sie um die Zukunft ihrer Kinder fürchten, dass es keine Perspektiven gibt. Das ist auch auf Probleme im Zusammenhang mit dem Gesetz über die Staatssprache zurückzuführen. In Kirgisistan wird heute der Schriftverkehr auf Kirgisisch umgestellt."

Auch Kirgisen wandern aus

Schätzungen zufolge leben derzeit in Kirgisistan noch etwa eine halbe Million Russen. Einst waren es doppelt so viele. Aber nicht nur russischsprachige Menschen wandern nach Russland aus, wobei sie aber die Mehrheit darstellen. Auch Vertreter anderer Volksgruppen verlassen das Land - auch Kirgisen.

Derzeit bereiten sich fast 55.000 Menschen auf ihre Übersiedelung nach Russland vor. Ihre Anträge wurden vom russischen Migrationsdienst bereits geprüft und genehmigt. Aber deutlich mehr Menschen verlassen Kirgisistan, ohne vorher die entsprechenden Papiere erhalten zu haben.

Witalij Katargin, Bischkek
DW-RADIO/Russisch, 30.1.2006, Fokus Ost-Südost

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