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Fokus Osteuropa

Immer mehr Deutsche wollen Kirgisistan verlassen

Ethnische Deutsche in Kirgisistan sind besorgt über die Lage im Land. In einer Resolution forderte jetzt der Rat der Deutschen Kirgisistans die Bundesregierung in Berlin auf, den Betroffenen politisches Asyl zu gewähren.

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Deutsche in Kirgisistan erhoffen sich Hilfe aus Berlin

Heute leben in Kirgisistan etwa 15 000 Deutsche, sieben Mal weniger als noch vor zehn Jahren. Nach dem Machtwechsel in Kirgisien wollen sie nun so schnell wie möglich das Land verlassen. Innerhalb eines Monats hätten 1500 Personen das Deutsche Haus in Bischkek gebeten, ihnen bei der Beantragung einer Ausreise behilflich zu sein, erklärte der Vorsitzende des Rates der Deutschen in Kirgisistan, Walerij Dil. Er sagte ferner: "Die Ereignisse im Lande haben dazu geführt, dass immer mehr religiöse und nationalistische Parolen laut werden und die Kriminalität zunimmt. Das beeinflusst die Stimmung der Menschen."

Das letzte deutsche Dorf

In Kirgisistan gibt es seit einem Jahr keine kompakten Siedlungen von Deutschen mehr. Im letzten deutschen Dorf, das übrigens offiziell keines mehr ist, sind nur noch 35 Familien übrig geblieben. Sie alle haben die Genehmigung, nach Deutschland überzusiedeln, und sie sind bereit, das Land jederzeit zu verlassen. Abram Falk leitete die Verwaltung des Dorfes "Rote Front", wo viele deutsche Familien lebten. Er sagte, vor fünf Jahren hätten zwei bis drei Familien pro Jahr das Dorf verlassen. Die Menschen hätten keinen besonderen Grund gehabt, Kirgisistan zu verlassen. In dem Dorf seien deutsche Sitten und Gebräuche gepflegt worden und die Deutschen hätten frei ihre eigenen Sprache sprechen können.

"Kleines Deutschland"

Vor etwa zehn Jahren schuf Abram Falk den ersten deutschen Bauernbetrieb. Falk erklärte der Deutschen Welle: "1994 gründeten wir in dem Dorf eine Vereinigung von 217 Bauern mit 650 Hektar Land. Aus dem Nichts begannen wir dort keine Kolchose, sondern einen neuen Landwirtschaftsbetrieb aufzubauen. Zehn Jahre lang wurde er aufgebaut. Heute ist er einer der besten Betriebe. Uns ist es gelungen, ihn gut auszustatten. Manche nennen ihn "kleines Deutschland".

Nach Deutschland oder Russland

Abram Falk selbst wollte lange Zeit lang Kirgisistan nicht verlassen. Aber inzwischen hat sich ihm zufolge die Lage so sehr verändert, dass das Dorf immer mehr verfällt. Die Häuser der ausgewanderten Deutschen übernahmen Kirgisen. Das "kleine Deutschland" funktioniere immer stärker nach kirgisischen Regeln. Abram Falk sagte: "Die Regierung möchte nicht, dass die Deutschen auswandern. Aber diese Situation zwingt die Menschen, die vielleicht nicht auswandern wollten, jetzt auch darüber nachzudenken. Niemand kann sagen, was morgen geschieht, deswegen sollte man nach Deutschland übersiedeln. Wenn aber das wegen der von Deutschland gestellten Anforderungen nicht möglich sein sollte, dann sollte man vielleicht nach Russland übersiedeln.

"Prüfungsverfahren beschleunigen"

Walerij Dil zufolge wollen im Lande nur noch Geschäftsleute bleiben, die ihre Unternehmen nicht zurücklassen oder verkaufen können. Nach den März-Unruhen und den Plünderungen prüfen viele von ihnen immer noch den ihnen zugefügten Schaden. Zwei deutsche Geschäftsmänner haben besonders hohe Verluste zu verbuchen. Walerij Dil sagte in diesem Zusammenhang: "Der Rat der Deutschen Kirgisistans hat auf seiner Sitzung eine Resolution verabschiedet, in der die deutsche Regierung gebeten wird, den Deutschen politisches Asyl zu gewähren, die derzeit aus gewissen Gründen nicht das Recht haben, auszureisen. Wer bereits über einen Aufnahmebescheid verfügt, kann natürlich bereits das Land verlassen. Aber wir haben darum gebeten, die Prüfung von Anträgen zu beschleunigen." Die Resolution wurde vor wenigen Tagen der deutschen Botschaft in Bischkek übergeben.

Daniela Natalie Posdnjakov
DW-RADIO/Russisch, 27.4.2005, Fokus Ost-Südost

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