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Fokus Osteuropa

Deutsches Kulturerbe in Tadschikistan

Einst lebten in Tadschikistan 20 000 Deutsche. Ihre Hinterlassenschaft will nun die tadschikische Stiftung „Sawob“ erhalten. Dazu braucht sie die finanzielle Unterstützung der deutschen Bundesregierung.

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Andenken an die Deutschen sollen bewahrt und gepflegt werden

In Tadschikistan will man deutsche Kirchen und Kulturdenkmäler wiederherrichten. Dieses Ziel hat sich die in Tadschikistan bestehende internationale Wohltätigkeitsstiftung „Sawob“ gestellt, die ein Projekt zum Erhalt des deutschen Kulturerbes in diesem Land in Angriff genommen hat.

Mitarbeiter der Stiftung haben bereits damit begonnen, eine Datenbank über die Deutschen und deren Nachfahren zu erstellen, die während des Zweiten Weltkriegs nach Tadschikistan zwangsumgesiedelt wurden. Der Generaldirektor der Stiftung „Sawob“, Alim Burchanow, sagte, der Aufbau der Industrie in Tadschikistan sei in vieler Hinsicht den Deutschen zu verdanken, die Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ins Land gekommen seien. Ihre Namen dürften nicht in Vergessenheit geraten, so Burchanow.

Kulturzentrum und Museum geplant

Mitarbeiter der Stiftung wollen auch die deutsche Kirche in Duschanbe restaurieren und neben ihr ein Kulturzentrum für die deutsche Minderheit in Tadschikistan einrichten, aber auch ein Museum aufbauen, in dem Exponate aus dem Leben der Deutschen auf tadschikischen Boden aufbewahrt werden sollen.

In der Sowjetzeit lebten in Tadschikistan mehr als 20 000 Deutsche. Heute, nachdem die meisten Deutschen ausgewandet sind, leben dort nur noch höchstens 1500. Kompakte Siedlungen von Deutschen - kleine Einsprengsel europäischer Architektur – gab es rund um Duschanbe, aber auch im Norden und Süden des Landes. Heute leben in den einstigen deutschen Dörfern vor allem Tadschiken und die Kirchen und Gebetshäuser befinden sich in einem beklagenswerten Zustand.

Vernachlässigte Friedhöfe

Burchanow sagte, Ziel des Projekts sei auch, die Menschen vor Ort dazu zu bewegen, die Hinterlassenschaft der Deutschen zu achten und zu bewahren. Nachforschungen der Stiftung „Sawob“ ergaben, dass die deutschen Friedhöfe vernachlässigt und geplündert sind. „Die Friedhöfe verfallen und niemand kümmert sich um sie. Vandalen haben alle Zäune um die Gräber geplündert. Die Grabsteine werden mitgenommen und manche sind schon auf Märkten verkauft worden. Das können wir nicht hinnehmen“, unterstrich Burchanow.

Eine Frage des Geldes

Die deutsche Botschaft in Tadschikistan griff die Idee der Stiftung „Sawob“ begeistert auf, aber bislang unterstützt sie die Stiftung nur moralisch. Die Umsetzung des Projekts finanziert die Stiftung bislang aus eigenen Mitteln, sie erwartet aber eine finanzielle Beteiligung seitens der deutschen Bundesregierung, deutscher Organisationen und deutscher Geschäftskreise.

Deutsche Minderheit begrüßt das Projekt

Vertreter der deutschen Minderheit in Tadschikistan halten das von Burchanow begonnene Projekt für notwendig und wichtig. Die Minderheit ist nicht der Lage, aus eigener Kraft die Interessen ihrer Landsleute zu verteidigen, denn die in Tadschikistan zurückgebliebenen Deutschen sind meist arm. Die Vorsitzende der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“, Oksana Bulach, sagte aber, die Gemeinschaft sei bestrebt, deutsche Kulturtraditionen zu bewahren. Gemeinsam würden die Deutschen religiöse Feste begehen, sich gegenseitig unterstützen und vor allem alten Menschen helfen.

Sarina Kosybajewa, Nigora Buchari-sade,
DW-RADIO/Russisch, 16.1.2005