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Ostmitteleuropa

Immer mehr polnische Firmen investieren in Russland und anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion

Warschau, 19.5.2003, RZECZPOSPOLITA, poln.

Immer mehr polnische Firmen entscheiden sich dafür, in Russland und auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetrepubliken zu investieren. "Der Markt hat einen unbegrenzten Bedarf und die Kosten sind viel niedriger als in Polen". Solche Argumente überzeugen die Unternehmer.

Unter den polnischen Geschäftsleuten hört man immer seltener, dass die Geschäfte im Osten riskant seien. "Solche Meinungen werden nur von denjenigen geäußert, die keinen Erfolg auf dem hiesigen Markt hatten", betonen polnische Diplomaten. (...)

Aus russischen Statistiken geht hervor, dass Ende Oktober 2000 polnische Firmen etwa 80,1 Milliarden US-Dollar in Russland investiert haben. Im Vergleich zu 1999 hat sich das Investitionsvolumen verdreifacht. Neuste Angaben sind zwar noch nicht zugänglich, aber polnische Diplomaten betonen, dass immer mehr polnische Firmen daran interessiert sind, auf dem Markt im Osten zu investieren.

Zu den größten Vorteilen dieser Märkte gehört der enorme Bedarf an Dienstleistungen und Lieferungen. Außerdem betreiben viele ehemalige Sowjetrepubliken untereinander einen zollfreien Handelsaustausch. Die Ukraine unterschrieb z. B. solch einen Vertrag mit anderen Republiken und nur einige Produkte werden davon ausgeschlossen.

Zu den Investitionen im Osten verlockt auch das dortige Steuersystem. In Russland gibt es eine pauschale Firmensteuer, die 24 Prozent beträgt. Die Unternehmer weisen außerdem darauf hin, dass die Arbeitskosten im Vergleich zu Polen viel niedriger sind.

Ein Manko in den polnisch-russischen Beziehungen bildet das Abkommen über die gegenseitige Unterstützung und den Schutz von Investitionen. Es wurde zwar schon 1992 abgeschlossen, aber niemals in die Praxis umgesetzt. Die letzte Regierung entschied, dass neue Bedingungen ausgehandelt werden sollten. Bisher ist es jedoch nicht gelungen, eine Verständigung zu erzielen. Ab dem 1. Mai 2004 werden wir uns also auf das Abkommen zwischen der EU und Russland stützen müssen.

Im Osten sind bereits polnische Banken präsent. Die Kredit-Bank hat ihre Niederlassungen in Litauen und eine Vertretung in Kaliningrad. Sie ist außerdem der Mehrheitsinhaber an der Bank in der Ukraine. Die Bank Pekao SA besitzt 35 Prozent der Anteile an der Bank WZA Bank Pekao Ukraina Ltd. (..)

Vor der Krise in Russland im August 1998 haben die polnischen pharmazeutischen Firmen viele Medikamente in den Osten exportiert. Dann veränderte sich die Lage und der Export brach zusammen. (...)

Die polnischen Arzneimittelhersteller denken jedoch über eine Rückkehr auf die Märkte im Osten nach. Es gibt dafür zwei Gründe: das Potenzial der ehemaligen Sowjetrepubliken sowie die Möglichkeit, Waren innerhalb der ehemaligen UdSSR weiter zu exportieren. "Wir sind an der Akquisition pharmazeutischer Firmen in Russland und der Ukraine interessiert", kündigte Jerzy Starak an, der Chef der Firma Polpharma (...)

Auch das Unternehmen Atlas, das u. a. Kleber und andere chemische Sunstanzen für den Bau produziert, entschied sich, in Russland zu investieren. Für fast vier Millionen US-Dollar wird in der Nähe von Moskau die erste Fabrik dieser Firma im Ausland gebaut. (...)

Ebenso gern wie die polnischen Unternehmer entscheiden sich aber auch westliche Firmen zu Investitionen in Russland. Bis Mitte letzten Jahres haben dort ausländische Firmen etwa 38,1 Milliarden US-Dollar investiert. (...)

Kommentar von Danuta Walewska:

Polnische Firmen finden sich langsam auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR wieder. Es ist jedoch eine ganz andere Präsenz als früher. Sie sind nicht nur normale Verkäufer, sondern immer öfter Investoren und Produzenten. Dies bedeutet, dass sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Polen und Russland wirklich normalisieren.

Über viele Jahre hinweg mussten polnische Firmen auf dem Ostmarkt agieren, weil dies durch den Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) beschlossen wurde. Nach der Wende, als sich die Chance auf Exportsteigerung eröffnete, nahmen dies auch viele polnische Firmen wahr. (...) Diese gute Zeit wurde jedoch durch die Krise in Russland 1998 unterbrochen. Es hat sich gezeigt, dass Handschlaggeschäfte mit niemandem mehr gemacht werden können, auch nicht mit langjährigern Partnern. Russland und auch andere Länder wollten außerdem ihren Markt in der Zeit der Krise vor Importen abschirmen und zwar auch dann, wenn dieser Import schon eine lange Tradition hatte. Aus diesem Grunde musste man sich einer neuen Herausforderung stellen und in Russland und den anderen Staaten investieren. (...)

Bisher sind die investieren Beträge zwar nicht besonders imposant, aber wir wollen hoffen, dass es erst der Anfang ist - nicht nur in Bezug auf Kapitalanlagen, sondern auch in Bezug auf die gesamten Wirtschaftsbeziehungen. (Sta)

  • Datum 22.05.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3fpF
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