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Christentum

Im Geiste Luthers zum Papst

Zu Beginn des Reformationsjahres reist die Spitze der deutschen Protestanten in den Vatikan. Unter Papst Franziskus sind mit einem solchem Treffen höhere Erwartungen verbunden als früher. Oft ist von "Hoffnung" die Rede.

Sie kommen in Gruppenstärke: Am Montag ist eine hochrangige evangelische Delegation aus Deutschland, dem Land der Reformation, zu Gast im Vatikan. Das ist spektakulär - angesichts mancher ökumenischen Ernüchterung während der vergangenen 20 Jahre. Und durch den Zeitpunkt zu Beginn des "Reformationsjahres" 2017 kommt dem Treffen der Protestanten mit dem Papst noch einmal mehr Bedeutung zu.

Heinrich Bedford-Strohm (Foto: Dpa)

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm: "Gegenseitige Wertschätzung"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, äußerte im Vorfeld die Hoffnung, "dass wir den Geist gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Wertschätzung zwischen den Konfessionen vertiefen und auch auf der weltkirchlichen Ebene einbringen können". Zudem hoffe er, "dass wir gemeinsam nachdenken können, welche konkreten Schritte zur sichtbaren Einheit wir tun können". Eine Zuversicht, die unter Papst Franziskus gewiss mehr Bedeutung hat als unter dessen Vorgängern.

"Begegnen wie Brüder"

Bedford-Strohm kennt Franziskus und dessen offene Art der Begegnung. Im April 2016 war der evangelische Landesbischof von Bayern zu Besuch im päpstlichen Gästehaus Santa Marta, sprach über eine Stunde mit Franziskus. "Wir sind uns begegnet wie Brüder. Das macht mir Hoffnung", schwärmte er im Anschluss. Und als Franziskus im Dezember 80 Jahre alt wurde, sprach Bedford-Strohm in seinem Glückwunschschreiben von "großem Respekt und tiefer Dankbarkeit" für die Art und Weise, wie der Papst seinen Dienst ausübe.

Nicht zum ersten Mal reisen deutsche Protestanten in den Vatikan. Doch auch 506 Jahre nach der Reise eines jungen deutschen Mönches namens Martin Luther in den Kirchenstaat, dem einige Jahre später seine Auflehnung gegen das katholische System von Glaubenslehre und Ablasspraxis folgten, ist ein solcher Besuch immer noch etwas besonderes.

Der Papst aus der Ferne

Papst Franziskus (Foto: AFP)

Papst Franziskus: Betonung des Gemeinsamen

Vielleicht brauchte es einen Papst aus einem nicht-europäischen Umfeld, um aus dem amtlichen Gegeneinander von Katholiken und Protestanten ein respektvolleres Miteinander von christlichen Gläubigen zu machen. Ohne die offizielle katholische Lehrmeinung auszublenden, betont Franziskus bei all seinen Kontakten stets das Gemeinsame vor dem Trennenden.

Das kommt einer schwierigen ökumenischen Gemengelage entgegen. An der Basis ohnehin weit verbreitet gab es bis Ende der 1990er-Jahre auch auf fachtheologischer Ebene ein Aufeinanderzugehen in Sachen Ökumene. Dann kamen von Rom Aussagen zur Bedeutung von Kirche, die Protestanten als Affront empfanden. Und die EKD konterte unter Bischof Wolfgang Huber mit ihrer "Ökumene der Profile". Papst Benedikt, der Deutsche auf dem Stuhl Petri, kam 2011 nach Erfurt, an eine der Luther-Stätten. Aber seine damalige Botschaft war eher Diagnose denn Aufbruch.

Ein Kelch und die Luther-Bibel

Nun Franziskus. Er traf bei mehreren Reisen evangelische Geistliche, mal Baptisten, mal Lutheraner. Er besuchte, wie seine Vorgänger, die evangelisch-lutherische Kirche in Rom - und überreichte (als erster Papst) als Gastgeschenk einen Kelch für die Abendmahlfeier. Er reiste am Reformationstag 2016 auf Einladung des Lutherischen Weltbundes nach Lund in Schweden und feierte dort einen Gottesdienst zum Auftakt des Reformationsjubiläums mit. Und diesem Papst der Unkonventionalität ist zuzutrauen, dass er auf der einen Seite mit den ultrakonservativen Piusbrüdern die Annäherung sucht und doch auf der anderen Seite die evangelischen Christen neu wertschätzt. Für ihn hat das gemeinsame Band aller Christen in der Taufe eine ganz eigene Bedeutung.

Nun das Gastgeschenk im Gegenzug: Die evangelische Delegation aus Deutschland wird Franziskus eine Ausgabe der neuen Luther-Bibel überreichen. Das ist in diesem Fall gewiss kein Affront, sondern eine Gabe von Herzen, aus dem Kern evangelischer Existenz. Die deutschen Protestanten setzten demonstrativ zum Reformationsjubiläum mehrere Zeichen.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Kardinal Reinhard Marx Deutsche Bischöfe in Bethlehem (Foto: dpa)

Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm in Bethlehem: Gemeinsam fromm und herzlich

Im Oktober pilgerten Vertreter der EKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam fromm und herzlich an die für sie heiligen Stätten in Israel und Palästina. Am 11. März steht in Hildesheim ein zentraler "ökumenischer Buß- und Versöhnungsgottesdienst" an, dem vergleichbare Feiern in den Regionen folgen sollen. An solchen Aktionen äußern akademische Repräsentanten gelegentlich durchaus Kritik. Da kommen auch Vorbehalte gegen gemeinsame Feiern mit Katholiken am Reformationstag 2017, dem 31. Oktober.

Und eine Reise?

Wer weiß, vielleicht kommt es ja in diesem Jahr doch noch zu einer größeren ökumenischen Geste. In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" äußerten prominente Christen ihre Meinung zur EKD-Reise nach Rom. Am konkretesten wird dort Monika Grütters. Sie ist Katholikin und als Kulturstaatsministerin der Bundesregierung unterstützt sie mit vielen Millionen die evangelischen Feiern in diesem Jahr. "Es wäre eine große Freude und ein großes Zeichen, wenn Papst Franziskus sich gerade jetzt zu einem Deutschlandbesuch entschließen könnte", meint sie. Über Jahre wurde über einen solche Reise spekuliert. Des Öfteren gab es Dementis, denen bald neue Andeutungen auch von Personen folgten, die den Papst des Öfteren sehen. Vielleicht wird man am Montag nach dem Besuch der evangelischen Delegation neue Überlegungen hören.