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Konjunktur

Ifo-Index: Wirtschaft unter Volldampf

Die deutschen Chefs geben sich euphorisch, Ökonomen warnen jedoch. Die jüngsten Ermittlungen gegen die Autobranche oder auch der Brexit - Gründe für Einbrüche gibt es einige.

"Die Stimmung in den deutschen Chefetagen ist euphorisch", sagte der Präsident des Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo, Clemens Fuest, am Dienstag in München. "Die Unternehmen waren seit der Wiedervereinigung noch nie zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Auch der Ausblick auf die kommenden Monate verbesserte sich." Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli auf den dritten Rekordwert in Folge, wie das ifo-Institut am Montag mitteilte. Der Index erhöhte sich auf 116 Punkte, im Juni lag er saisonbereinigt bei 115,2 Punkten.

Die Unternehmen waren außerdem noch zufriedener mit ihrer aktuellen Lage. Der entsprechende Index stieg von 124,2 Punkten im Vormonat auf 125,4 im Juli. Auch die Erwartungen an das Geschäft der kommenden Monate verbesserte sich von 106,8 auf 107,3 Punkte, wie das Ifo-Institut mitteilte.

Die Kapazitätsauslastung sei deutlich gestiegen, und der Optimismus für das kommende halbe Jahr habe nochmals zugenommen, hieß es. Auch im Großhandel verbesserte sich das Geschäftsklima erneut, weil die Geschäftserwartungen deutlich anzogen. Die Einzelhändler dagegen waren weniger zufrieden mit ihren laufenden Geschäften und auch nicht mehr ganz so optimistisch. "Beide Komponenten liegen jedoch weiterhin auf einem sehr hohen Niveau", erklärten die Konjunkturforscher. Auf dem Bau stiegen die Indizes auf nie erreichte Höhen. Die Baufirmen beurteilten ihre aktuelle Lage als sehr gut und erwarteten eine weitere Verbesserung in den kommenden Monaten.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als das wichtigste Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft. Das Institut befragt dafür jeden Monat rund 7000 Unternehmen.

Die Bundesregierung sagt der Wirtschaft für 2017 ein Wachstum von 1,5 Prozent voraus, das sich im nächsten Jahr auf 1,6 Prozent beschleunigen dürfte. Viele Forschungsinstitute sind hier allerdings noch einen Tick optimistischer.

Meinung von Ökonomen

"Die Rekordjagd bei der Stimmung geht weiter. Das allein ist schon erfreulich", sagt Jörg Zeuner Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW. "Noch wichtiger ist, dass sich die von den Unternehmen wahrgenommene Beschleunigung des Aufschwungs nun in harten Daten wie der Industrieproduktion widerzuspiegeln beginnt." Deutschland profitiere dabei nicht zuletzt von der wirtschaftlichen Aufhellung bei unseren europäischen Partnern. Wenn die positiven Signale aus der europäischen Politik in greifbare Ergebnisse münden, sind die Aussichten gut, dass die stärkere Dynamik keine Eintagsfliege bleibt."

Parkplatz Bremerhaven Autoterminal (picture-alliance/dpa)

Aus der Autobranche droht Ungemach.

"Die Stimmung in der deutschen Industrie scheint keine Grenzen zu kennen", urteilt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Selbst die Aufwertung des Euro könne die Stimmung nicht dämpfen. "Soviel zum Stand heute, doch die Nachrichtenlage hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verändert", mahnt Gitzel. Er vermutet, es könne im kommenden Monat zu einem stärkeren Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex kommen. "Die Kartellermittlungen gegen die deutsche Autoindustrie haben durchaus das Potenzial, zu einem breiten Stimmungsdämpfer zu werden." Komme es zu konkreten Beweisen und damit zu Sammelklagen der Autokäufer, könne innerhalb der Automobilindustrie der Rotstift angesetzt werden. Davon wäre dann auch die Zuliefererindustrie und in weiterer Folge der kleinere Mittelstand betroffen, glaubt Gitzel.

Kritisch ist auch Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW. Er fragt sich, ob der Ifo-Index die tatsächliche Konjunkturlage noch so exakt widerspiegele wie in der Vergangenheit, da andere Frühindikatoren bereits angefangen hätten zu wackeln. Die negativen Berichte aus dem Automobilsektor wären nach dem Befragungszeitraum für den Ifo-Index hochkocht. Und der Höhenflug des Euro zum US-Dollar habe wohl auch noch keine Auswirkungen gehabt, "aber es zeichnet sich beispielsweise schon ab, dass Großbritannien unter dem Brexit leiden wird. Und die Insel ist einer der wichtigsten deutschen Exportmärkte", so Burkert. "Es könnte also sein, dass auch dieser Rausch irgendwann mit einem Kater endet."

iw/hb (dpa, rtr, afp)