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Wirtschaft

Ifo-Geschäftsklimaindex weiter gestiegen

Die deutschen Chefs sind guter Dinge: Sie beurteilen die aktuelle Lage nochmal besser - wobei die Wahl in Frankreich noch gar nicht berücksichtigt war. Für das nächste halbe Jahr sind sie skeptischer.

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist so gut wie seit knapp sechs Jahren nicht mehr. Der Geschäftsklimaindex kletterte im April unerwartet kräftig um 0,5 auf 112,9 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. "Die deutsche Wirtschaft wächst kräftig", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten die Geschäftslage besser, während die Aussichten für die kommenden sechs Monate etwas schlechter bewertet wurden.

Das Geschäftsklima hellte sich im Groß- und Einzelhandel sowie in der Baubranche auf. In der Industrie trübte es sich dagegen ein wenig ein, weil die Manager nicht mehr ganz so optimistisch nach vorn blicken. "Die Produktion soll aber weiter steigen", sagte Fuest. "Insbesondere die Unternehmen aus der Elektrotechnik berichten von sehr guten Geschäften."

Frankreichwahl noch nicht berücksichtigt

Der Ausgang der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich sei in der April-Umfrage noch nicht berücksichtigt, erklärte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe.

Frankreich ist Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner nach den USA. Bei der Stichwahl in knapp zwei Wochen sagen Meinungsumfragen einen klaren Sieg von Macron gegen Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National voraus.

Die deutsche Wirtschaft profitiert derzeit von der Belebung der Weltkonjunktur, dem Bauboom und einem robusten Konsum. Die führenden Forschungsinstitute hoben deshalb zuletzt die Wachstumsprognosen für dieses Jahr von 1,4 auf 1,5 Prozent und für 2018 von 1,6 auf 1,8 Prozent an.

Reaktionen der Experten

"Die deutschen Unternehmen legen noch mal einen drauf", findet Andreas Rees von Unicredit. Sie seien auf einem bereits sehr hohen Niveau. "Die aktuellen Geschäfte laufen sehr, sehr gut", so Rees. Dies habe vor allem mit dem anziehenden Welthandel zu tun und dass die Euro-Zone zunehmend Tritt fasse. "Politische Risiken spielen eine geringe Rolle. Nach der Frankreich-Wahl könnten auch einige der noch vorsichtigen Unternehmen ihre Bremsen lockern", glaubt Rees.

"Es ist doch erstaunlich, wie stark sich der Ifo-Geschäftsklimaindex über die vergangenen Quartale hinweg berappelt hat", meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Die Wachstumsperspektiven für das laufende Jahr werden schrittweise besser." Würde man auf die Prognosen für den erwarteten Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes 2017 schauen, herrsche noch allgemeine Demut, so Gitzel. Die müssen aber möglicherweise in den kommenden Monaten aufgegeben werden.

"Zwar haben sich die weiteren Geschäftsaussichten etwas eingetrübt, doch dies könnte tatsächlich an dem zum Zeitpunkt der Umfrage noch unsicheren Wahlausgang in Frankreich gelegen haben. Denn wenn sich Macron auch beim zweiten Urnengang am 7. Mai durchsetzen würde und Reformen umsetzen würde, werde auch die Bundesrepublik davon profitieren. "Damit wiederum könnte sich die ohnehin gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter verbessern", so Gitzel.

Weiterhin klares Wachstumssignal

"Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist prächtig, doch sie ist in erster Linie eine Anerkennung der guten aktuellen Entwicklung", glaubt Andreas Scheuerle von der DekaBank. Bei den Geschäftserwartungen hingegen dümpelt die Zuversicht seit Herbst 2016 ungefähr auf dem gleichen Niveau dahin. Anscheinend hat die politische Unsicherheit den Geschäftserwartungen der Unternehmen Fesseln angelegt. Mit dem sich abzeichnenden positiven Wahlausgang in Frankreich könnten sich diese aber vielleicht etwas lockern."

Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba, meint, man solle den leichten Rückgang der Geschäftserwartungen nicht überinterpretieren. Er hält ein fortgesetztes Wachstum zu Beginn des zweiten Quartals für wahrscheinlich. "Die seit Mitte 2016 gestiegenen politischen Risiken haben sich per saldo nicht nachteilig auf die Perspektiven der deutschen Wirtschaft ausgewirkt."

"Der Höhenflug des Ifo-Geschäftsklimaindex geht weiter", sagte Alexander Krüger, Chefökonom vom Bankhaus Lampe. Auf dem nach wie vor hohen Niveau bestehe damit weiterhin ein klares Wachstumssignal. Allerdings trete einmal mehr zutage, dass das Geschäftsklima mehr von Zufriedenheit der Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage als von Zukunftsoptimismus profitiert. Trotz bestehender Abwärtsrisiken - unter anderem Geopolitik und wirtschaftspolitische Unsicherheit - sei ein ernster Stimmungseinbruch erst einmal nicht zu befürchten.

iw/ul (rtr)