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Aktuell Amerika

Hungerstreik in Guantanamo weitet sich aus

Ungeachtet wiederholter Versprechen hat Präsident Obama das US-Gefangenenlager Guantanamo noch nicht aufgelöst. Dort schließen sich jetzt noch mehr Häftlinge dem Hungerstreik an. Droht eine Eskalation wie im April?

Seit Wochen verweigern Häftlinge in dem Gefangenenlager auf Kuba die Nahrungsaufnahme. Die Zahl der Hungerstreikenden habe auf 102 zugenommen, berichtet die Zeitung "Miami Herald" in ihrer jüngsten Ausgabe unter Berufung auf medizinisches Personal des US-Militärs. Dies sei der erste Anstieg seit drei Wochen. In dem weltweit kritisierte Lager sind über 160 mutmaßliche Terroristen inhaftiert.

30 der Hungerstreikenden in Guantanamo würden zwangsernährt, schreibt die in Florida erscheinende Tageszeitung. Drei seien im Krankenhaus, ihr Zustand sei aber nicht bedrohlich, hätten Offiziere versichert.

Bereits im April hatte sich die Lage zugespitzt: Gefangene waren mit Besenstielen auf Wächter losgegangen, die mit Gummigeschossen antworteten. Auslöser der Proteste sollen Koran-Durchsuchungen in den Zellen gewesen sein. Doch Anwälte der Häftlinge meinten, die Verzweiflung der Häftlinge werde immer größer - nach zehn Jahren hinter Gittern und ohne Prozess machten sich Hoffnungslosigkeit und Wut breit.

Demonstration vor dem Weißen Haus für die Schließung von Guantanamo (foto: REUTERS)

Demonstration vor dem Weißen Haus für die Schließung von Guantanamo

"USA auch ohne Guantanamo sicher"

Präsident Barack Obama von der Demokratischen Partei gerät wegen seiner Bürgerrechtspolitik immer stärker in Bedrängnis. Erst jüngst hatte er noch einmal bekräftigt, das Camp solle geschlossen werden. "Guantanamo ist nicht notwendig, damit Amerika sicher bleibt. Es ist teuer. Es ist ineffizient". Zudem schade es dem Ansehen der USA in der Welt, so Obama.

Das Lager hatte der republikanische Präsident George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 errichten lassen. Im In- und Ausland höchst umstritten sind vor allem die Militärtribunale auf der Insel. Kritiker halten den USA vor, Aussagen zu verwenden, die Häftlinge unter Folter gemacht haben. Die Schließung von Guantanamo und ein Ende der sicherheitspolitischen Exzesse im Kampf gegen den Terror waren zentrale Versprechen Obamas in seinem Wahlkampf 2009.

SC/sti (dpa, rtr, MH)