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Aktuell Amerika

Neuer Protest in Guantanamo

Im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba nehmen die Spannungen zu. Nach dem wochenlangen Hungerstreik etlicher Häftlinge setzten Wärter jetzt Gummigeschosse ein, um einen Protest der Inhaftierten niederzuschlagen.

Häftlinge hatten nach US-Angaben Überwachungskameras, Fenster und Glastrennwände in ihrer Gruppenunterkunft verhüllt. Als die Wärter dagegen vorgehen wollten, wurden sie von einigen Gefangenen mit Besenstielen und anderen improvisierten "Waffen" angegriffen, wie der Sprecher der US-Lagerverwaltung, Robert Durand, mitteilte. Daraufhin hätten Wärter mehrere Gummigeschosse abgefeuert. Auf beiden Seiten habe es aber nur leichte Verletzungen gegeben, erklärte er. Anschließend wurden die Häftlinge in Camp 6 auf Einzelzellen verteilt.

In Guantanamo sind seit Februar zahlreiche Gefangene in einem Hungerstreik. Ihre Zahl ist unklar. Während Anwälte angeben, dass sich inzwischen die Mehrheit der 130 Häftlinge von Camp 6 an der Aktion beteiligt, spricht das Pentagon von 43 Hungerstreikenden. Elf von ihnen werden demnach zwangsernährt.

Protest gegen aussichtslose Lage

Die Gefangenen begründen ihre Aktion damit, dass Wärter bei der Durchsuchung ihrer Zellen unangemessen mit Koran-Ausgaben umgegangen seien. Rechtsvertreter, Militärs und Menschenrechts-Organisationen sehen in dem Hungerstreik auch einen Protest der Häftlinge gegen ihre aussichtslose Situation.

Seit 2002 werden auf Guantanamo Terrorverdächtige, denen Verbindungen zu Terror-Gruppen wie Al-Kaida vorgeworfen werden, ohne Gerichtsverfahren interniert. Präsident Barack Obama hatte die Schließung des Lagers vor seiner Wahl 2008 versprochen. Der Kongress in Washington verweigert hierfür jedoch finanzielle Mittel und blockiert eine Verlegung der Gefangenen in die USA. Derzeit sind noch 166 Männer inhaftiert, ursprünglich waren es 779 Gefangene.

Vor zwei Tagen appellierten 25 Menschenrechts-Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch in einem offenen Brief an Obama, in Guantanamo einzugreifen. Die verbliebenen Häftlinge müssten in ihre Heimatländer oder in Drittstaaten gebracht werden, sofern ihnen weiterhin nicht der Prozess gemacht werde.

se/det (rtr, afp, dpa)