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Aktuell Nahost

Hungersnot im belagerten syrischen Madaja

In der seit mehr als 170 Tagen belagerten syrischen Stadt soll die humanitäre Lage dramatisch sein. Menschen verhungern, essen Gras und Blätter und schlachten Hunde, um ihren Hunger notdürftig zu stillen.

Proteste in der Provinz Idlib für das Ende der Blockade von Madaja (Foto: dpa/picture alliance)

Proteste in der Provinz Idlib für das Ende der Blockade von Madaja (Archivbild vom Dienstag)

Die Stadt Madaja, nahe der Grenze zum Libanon und nur rund 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Damaskus, wird seit Monaten von Regierungstruppen und der Hisbollah-Miliz belagert. Die Menschen in der Stadt sind die Leidtragenden. Unabhängige und überprüfbare Informationen aus der Stadt sind schwer zu bekommen, aber das, was an Einzelinformationen nach außen dringt, lässt eine humanitäre Tragödie von großem Ausmaß befürchten.

Ein Arzt aus Madaja berichtete der Deutschen Presse-Agentur, die Menschen dort würden Gras essen. Zudem hätten die Bewohner vor einigen Tagen begonnen, Katzen und Hunde zu schlachten. Milch für Babys fehle, berichtete der Arzt weiter. "Heute starb ein zehn Jahre altes Kind wegen Unterernährung." Auch lokale Medien berichten von schrecklichen Zuständen.

Die Webseite des arabischen TV-Kanals Al-Dschasira berichtete, alleine im Dezember seien in der Stadt 31 Menschen verhungert. "Die Menschen sterben in Zeitlupe", sagte ein Sozialarbeiter aus Madaja dem britischen "Guardian".

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wird Madaja seit mehr als 170 Tagen von den Truppen von Präsident Baschar al-Assad und der mit dem Diktator verbündeten libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah belagert. Kontrolliert wird die Kleinstadt von Aufständischen der Freien Syrischen Armee (FSA). 40.000 Menschen - davon rund die Hälfte Zivilisten - seien in dem Ort faktisch gefangen, der wegen der sich dort aufhaltenden Rebellen heftig bombardiert werde.

Schwarzmarktpreise unbezahlbar

Das in Istanbul ansässige Oppositionsbündnis Nationale Syrische Koalition warnte vor einer humanitären Katastrophe. Es müsse sofort gehandelt werden, um die Leben von Zivilisten zu retten. In den sozialen Netzwerken kursieren zunächst nicht zu verifizierende Fotos von toten und ausgemergelten Menschen.

Die Oppositions-Nachrichtenseite "Smart News" berichtete, seit Beginn der Belagerung hätten keine Hilfslieferungen mehr die Stadt erreicht. Demnach war es dem Internationalen Roten Kreuz und seiner Partnerorganisation, dem Roten Halbmond, zuletzt im Oktober gelungen, Nahrungsmittel und Medikamente nach Madaja zu bringen. Nach Angaben eines Sprechers des Roten Kreuzes in Damaskus ist es in der Stadt zudem sehr kalt. Es gebe weder Strom noch Treibstoff. Um sich zu wärmen, würden Bewohner Zimmertüren und sogar Plastik verbrennen. Nach Angaben von Augenzeugen kostet auf dem Schwarzmarkt ein Kilogramm Milchpulver für Babys inzwischen rund 300 Dollar. Die Preise für ein Kilo Weizenmehl oder Reis sollen bei weit über 100 Dollar liegen.

Zivilisten als Faustfand auf beiden Seiten

Madaja ist nicht die einzige Stadt in Syrien, deren Bewohner abgeschottet und ausgehungert werden. Sowohl das Regime als auch seine Gegner setzen den Hunger als Waffe ein. Im Nordwesten Syriens, in der Provinz Idlib, belagern Assad-Gegner Fua und Kefraja, zwei Ortschaften, die überwiegend von Regimeanhängern bewohnt werden. Auch hier sind Tausende Zivilisten eingeschlossen.

qu/gri (dpa, APE)