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Nahost

Hunderte Tote bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen

Bei den schwersten israelischen Luftangriffen seit Jahrzehnten sind im Gazastreifen 270 Menschen ums Leben gekommen. Das erklärte Ziel der Offensive, die Raketenangriffe auf Israel zu stoppen, wurde nicht erreicht.

Rauch über Zielen im Gazastreifen (ap)

Rauch steigt auf über getroffenen Zielen im Norden des Gazastreifens

Mehr als 600 Menschen wurden nach palästinensischen Angaben verletzt. Die israelische Luftwaffe flog nach Angaben eines Sprechers seit Samstagmittag (27.12.2008) etwa 250 Angriffe auf Einrichtungen der Sicherheitskräfte unter dem Kommando der Hamas. 

Männer tragen einen Verwundeten in Gazastadt (ap)

In Gaza-Stadt werden Tote und Verletzte geborgen

Dies sei die höchste Opferzahl an einem Tag seit dem Sechstagekrieg von 1967, hieß es. Allein 40 Menschen sollen beim Beschuss eines Polizeihauptquartiers getötet worden sein, wo gerade Rekruten vereidigt wurden. Laut Augenzeugen befinden sich unter den Opfern auch der Polizeichef Gazas, Taufik Dschabber, und andere hohe Funktionäre.  

Die Hamas sprach vom "offenen Krieg" gegen die Palästinenser. Die Islamisten schworen Rache. Auch nach den Bombardements schossen militante Palästinenser am Sonntag Dutzende von weiteren Raketen und Mörsergranaten auf Israel ab. Eine Rakete schlug in der Nähe von Aschdod ein, der größten Stadt im Süden Israels, die 38 Kilometer vom Gazastreifen entfernt ist. Dies ist die bislang größte Reichweite palästinensischer Raketen. In Nevitot wurde dabei eine Israelin getötet.

Israel: Infrastruktur der herrschenden Hamas zerschlagen

Männer tragen zwei verletzte Kinder (ap)

Auch wieder palästinensische Kinder unter den Opfern

Israel soll mindestens 30 verschiedene Ziele ins Visier genommen haben. Aus dem Verteidigungsministerium verlautete, dies sei "nur der Anfang" des Einsatzes gegen die "terroristische Infrastruktur". Er sei gegen Kommandozentralen der islamistischen Hamas, Regierungsbüros, Ausbildungslager sowie Waffenarsenale

gerichtet. Man sei darauf eingestellt, die Militärschläge in den palästinensisch kontrollierten Gebieten noch auszuweiten, so Minister Ehud Barak. Eine Wiederaufnahme der gezielten Tötung von Hamas-Spitzenfunktionären wurde nicht ausgeschlossen. Eine Bodenoffensive sei "eine Option", hieß es in Jerusalem. Präsident Schimon Peres hatte sich zuvor gegen einen Einmarsch der Armee ausgesprochen.  

Steinmeier: Neue Spirale der Gewalt  

Im Westjordanland und in mehreren arabischen Staaten kam es zu Protestkundgebungen gegen die "israelische Aggression". Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, der Nahe Osten drohe "in einer Spirale der Gewalt zu versinken". Der SPD-Politiker betonte das "legitime Recht Israels, sich selbst zu verteidigen", kritisierte aber auch - wie seine EU-Kollegen - die "Unverhältnismäßigkeit" der israelischen Militäraktionen. Die USA und Großbritannien riefen Israel auf, zivile Opfer möglichst zu vermeiden.    

Letzte Frist Israels verstrichen 

Zwei Raketen am Himmel über Gaza-Streifen (dpa)

Anlass israelischer Gegenangriffe: Beschuss durch Palästinenser mit Kassam-Raketen

Der Angriff kam für die Bewohner überraschend, weil nach israelischen Medienberichten das Sicherheitskabinett erst am Sonntag über das Vorgehen entscheiden wollte. Israel hatte den militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen ultimativ mit einem Militärschlag gedroht, falls sie den Raketenbeschuss von israelischen Grenzgemeinden nicht einstellen sollten. Seit Auslaufen der Waffenruhe am 19. Dezember haben militante Palästinenser nach Armeeangaben mehr als 180 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Grenzgemeinden abgefeuert. Dort leben 125.000 Israelis mit der ständigen Gefahr, bei einem Angriff getötet zu werden. Die Vorwarnzeit liegt in einigen Städten und Kibbuzim bei lediglich 15 Sekunden.

Parallel zum Ultimatum hatte Israel als Reaktion auf internationalen Druck und als Geste der Versöhnung die Grenze zum Gazastreifen kurzfristig für humanitäre Hilfsgüter geöffnet. Es waren die ersten Hilfslieferungen für Gaza seit zehn Tagen gewesen. (sc)

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