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Reise

Hoffnung auf Tourismusboom in Kolumbien

Das Ende der Gewalt in dem lateinamerikanischen Land lässt wieder Zukunftspläne zu. Auch Unternehmer wie Migele Cinque sehen ihre Chancen für gute Geschäfte steigen und investieren in den Tourismus.

Kolumbien archäologischer Park San Agustin (picture-alliance/robertharding/A. Treadway)

UNESCO-Weltkulturerbe Archäologischer Park San-Agustín

Es gehört ein Schuss Verrücktheit dazu, hier ein zehnstöckiges Hotel zu bauen, mit 60 Zimmern. Migele Cinque steht oben im Rohbau, im Hintergrund rauscht das Meer. "Da links ist der Friedhof, das heißt, es kann nicht zugebaut werden, freier Blick." Dann zeigt er nach vorne zur Uferpromenade. "Ich habe gehört, dass da hinten die Marina, der Jachthafen, gebaut werden soll, da habe ich mir das Ufergrundstück gesichert." Der Deutsche mit italienischen Wurzeln - der Vater kommt aus Neapel - setzt auf eine neue Goldgräberstimmung, denn bisher ist Riohacha an der kolumbianischen Karibikküste, nahe der Grenze zu Venezuela, ein verschlafenes Nest. Bauruinen stehen herum, es herrscht hohe Arbeitslosigkeit.

Kolumbiens Tourismusboom Migele Cinque (picture-alliance/dpa/G. Ismar)

Unternehmer Migele Cinque im Rohbau seines Hotels

Mit dem Frieden kommen auch die Touristen 

Bis vor kurzem war in der Region auch die gefürchtete Farc-Guerilla aktiv, was Touristen abschreckte. Kolumbien hat aber seit einigen Jahren mit das stabilste und höchste Wirtschaftswachstum Südamerikas - während Länder wie Brasilien in der Rezession versinken. Das hängt vor allem mit dem schrittweisen Ende des bewaffneten Konflikts zusammen, der seit 1964 mehr als 220.000 Tote forderte.

Kolumbien Tourismusboom Cocora Tal (picture-alliance/robertharding/A. Treadway)

Unterwegs im Cocora-Tal, wo die größten Palmen der Welt wachsen

Bis Ende Mai soll die vereinbarte Waffenabgabe der knapp 7000 Farc-Guerilleros abgeschlossen sein. Für das Aushandeln des Abkommens mit der Farc bekam Präsident Juan Manuel Santos den Friedensnobelpreis. Er sagt, dass 2016 erstmals etwas mehr als 3,5 Millionen Touristen kamen. Und das soll erst der Anfang sein, gerade auch in Riohacha - das bisher anders als die Karibikstädte Cartagena und Santa Marta ein Schattendasein fristet.

Kolumbiens Tourismusboom Strand in Riohacha (picture-alliance/dpa/G. Ismar)

Am Strand von Riohacha

La Guajira - eine Region mit Zukunft

Die Uferpromenade sieht bisher so aus: Ein paar Plastikstühle vor Bretterbuden, die abends gegrillten Fisch anbieten, billige Bars - dahinter aber ein Traumstrand mit magischen Sonnenuntergängen. Migele Cinque, der Auswanderer aus Alemania, landete vor zehn Jahren zufällig in Kolumbien und blieb, auch der Liebe wegen. Als er in Riohacha ankam, gab es praktisch keine Taxis. Cinque baute den ersten Funktaxibetrieb der Stadt (Taxi Tropical) auf - heute hat das Unternehmen mehr als 250 Fahrzeuge. Zudem hat er noch eine Werkstatt ("Auto Alemania"). Er verkaufte einige Anteile der Taxifirma, um Geld für die Expansion im Hotelbereich zu haben. Sein erstes Hotel nannte er nach Papst Johannes Paul II. - Cinque ist gläubiger Katholik. Es hat sieben Zimmer.

Sein neues Hotel mit zehn Stockwerken soll 60 Zimmer haben, Sauna, Pool, Meerblick-Terrasse: 1,5 Millionen Dollar teuer. "Bisher traut sich kein Investor, Geld zu geben." Aber er hofft, es irgendwie hinzubekommen, dass das Hotel Ende des Jahres weitgehend steht. Bis dahin laufe ein Tourismusförderprogramm. "Dann gewährt der Staat 30 Jahre Einkommenssteuerfreiheit." Der 33-Jährige glaubt an Riohacha.

Kolumbiens Tourismusboom Strand in Riohacha (picture-alliance/dpa/G. Ismar)

Verkaufsstand mit frisch gefangenem Karibikfisch

Bisher gibt es nur ein paar Rucksacktouristen. Man kann sich hier auch ein Bild machen von der größten Benzinschmuggel-Ökonomie Südamerikas. Dominiert wird das Gebiet von den Wayuu-Indigenas. Drüben im sozialistischen Venezuela gibt es das billigste Benzin der Welt, über die grüne Grenze werden täglich Hunderttausende Liter gebracht und auf der kolumbianischen Seite direkt an der Straße verkauft, per Trichter wird es eingefüllt, die meisten Tankstellen im nahen Grenzort Maicao sind geschlossen. Die Polizei schaut meist weg.

Kolumbien Tourismusboom Seilbahn La Chiva Voladora (picture-alliance/AP Images/F. Vergara)

"La Chiva Voladora" - Seilbahn in Pitalito im Landesinneren von Kolumbien

Boom nur mit touristischer Infrastruktur

Ortswechsel, die Hauptstadt Bogotá. Auch Thomas Voigt glaubt an den Boom. Er empfängt im Büro der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und Handelskammer, Voigt ist ihr Hauptgeschäftsführer. "Der Tourismus hat den Bergbau als größten Devisenbringer abgelöst", sagt er. Es gäbe aber zwei Herausforderungen: Die Infrastruktur mit genug vernünftigen Hotels und Restaurants - und die Ausbildung des ganzen Personals. "Ein großer Vorteil sind sicher die billigen Flüge, auch in Richtung der Karibikinsel San Andrés." Gerade im Wassertourismus sei noch viel zu tun: "Es gibt schöne Karibikorte, aber bisher kaum Marinas." 

Kolumbien Tourismusboom Karibikküste bei Palomino (picture-alliance/robertharding/A. Treadway)

Strand bei Palomino südlich von Riohacha

Neben Konzernen mit eigenen Niederlassungen wie Bosch und Lufthansa würden deutsche Firmen verstärkt nach Partnern für eine Repräsentanz in Kolumbien suchen. Besonders stark ist DHL vertreten - auch beim Ausbau des Tourismus sind Logistikunternehmen gefragt. Immerhin ist eine Marktlücke schon geschlossen: Es gebe bereits ein Unternehmen, das sich auf den Import von deutschem Bier spezialisiert hat.

Georg Ismar (dpa)

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