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Reise

Neu entdeckt: Kolumbien ohne Krieg

3,5 Millionen Touristen 2016 - seitdem Kolumbien auf dem Weg zum Frieden ist, wird das Heimatland des berühmtesten lateinamerikanischen Dichters Gabriel García Márquez als Reiseziel attraktiver.

Das waren noch andere Zeiten, als plötzlich dieser schwer bewaffnete Paramilitär da stand und pro Person zehn US-Dollar abkassierte. "Wir passen auf, dass Euch die Guerilla keinen Ärger macht", so lautete die Begründung. Auf den vier Tagen Wanderung durch den Dschungel, im Bergregenwald der Sierra Nevada de Santa Marta, über Hängebrücken und an klapprigen Seilen über Flüsse schwebend, kam man auch an Dutzenden Kokainküchen vorbei. Kolumbien vor zehn Jahren.

Kolumbien Ruinenstadt Ciudad Perdida (picture-alliance/dpa/G. Ismar)

Ruinenstadt Ciudad Perdida in der kolumbianischen Sierra Nevada

Die Route zur Ciudad Perdida, der "verlorenen Stadt" ist auch ohne Paramilitärs und Farc- oder ELN-Guerilla ein Abenteuer, aber heute ein weit risikoärmeres. Die Ciudad Perdida gilt nach der Inka-Stadt Machu Picchu in Peru als größte bekannte vorkoloniale Kultstätte in ganz Südamerika.

Die Wanderung mit Übernachtung in Hängematten ist ein Naturerlebnis, der Weg das Ziel. Aber jahrelang wurden reihenweise Rucksacktouristen entführt, 2003 zum Beispiel acht Urlauber aus Europa und Israel. 2000 Soldaten und Polizisten suchten sie, einige waren über Monate in der Gewalt der ELN-Guerilla, die sich über Lösegeld finanzierte. 

Kolumbien | Farc-Rebellen wollen mit Übergabe von Waffen beginnen (Getty Images/AFP/L. Acosta)

Rebellengebiet San Jose de Oriente

Nach dem Friedensvertrag mit der Farc-Guerilla, knapp 70.00 Guerilleros in 26 Zonen, sollen bis Ende Mai die Waffen abgegeben und der Übergang in ein normales Leben organisiert werden. Mit der marxistischen ELN-Guerilla laufen Friedensverhandlungen. Der Konflikt hat das niedrigste Gewaltniveau seit dem Beginn vor 52 Jahren erreicht. 

Kolumbien San Andres Y Providencia (picture-alliance/AFP/E. Abramovich)

Am Strand der Insel San Andres

Orte zwischen Traum und Wirklichkeit

Nach einer Wanderung zur Ciudad Perdida lockt die Karibikküste, der Parque Tairona mit Hütten direkt am schneeweißen Strand. Sehenswert sind die Trauminsel San Andrés sowie Cartagena, die prachtvolle Kolonialstadt. Oder es lockt einer der Orte, wo Wirklichkeit und Träume wie im Kunststil "realismo mágico" verschmelzen, wie Aracataca, das nicht weit entfernt liegt.

Autor Gabriel Garcia Marquez (AP)

Der Meister des "realismo mágico"

Hier wurde Gabriel García Márquez geboren, hier liegt sein Ort Macondo, Schauplatz von Aufstieg und Fall der Familie Buendía im Roman "Hundert Jahre Einsamkeit". Überall im Ort finden sich an Wänden auch die Schmetterlinge, die in dem Buch ein immer wiederkehrendes Motiv sind.

Die Welt-Tourismusorganisation (UNWTO) sieht Kolumbien angesichts der weltweiten Krisen und Gewalt als "eine der guten Nachrichten" in diesem Jahr. Generalsekretär Taleb Rifai sagt: "Kolumbien wird enorm von den Friedensabkommen profitieren." 2016 stieg die Zahl internationaler Touristen von drei auf rund 3,5 Millionen. Und die sonst oft geringe Hotelauslastung erreichte mit 56,2 Prozent im ganzen Land den höchsten Wert überhaupt.

Kolumbien Obstverkäuferin in Cartagena (picture-alliance/robertharding/A. Treadway)

Frisches Obst am Straßenrand

Naturerlebnis und Nachhaltigkeit

Nachhaltig soll der Tourismus dadurch sein, dass er gerade den vielen ländlichen Regionen zugute kommen soll, die unter dem Konflikt gelitten haben. Und durch diese Einnahmen soll der Nährboden für illegale Aktivitäten wie Drogenhandel entzogen werden. Der Aufschwung wird schon mit dem in Kuba in Sachen Tourismus verglichen - hier kamen zuletzt vier Million Touristen im Jahr.

Attraktiv sind auch die Regenwaldgebiete und Kaffeeanbauzonen sowie aufstrebende Städte wie Medellín, die eine quicklebendige Musik- und Kulturszene haben. Und sehr gutes Essen, die Drogenkartell-Zeiten versucht man vergessen zu machen. Natürlich ist es bei vielem noch ein weiter Weg, auch zu mehr Sicherheit. Aber der Tourismus ist einer der Wachstumsmotoren.

Friedensnobelpreis 2016 an Juan Manuel Santos, Präsident Kolumbien - Preisverleihung in Oslo (Reuters/NTB Scanpix)

Friedensnobelpreis 2016 für Präsident Juan Manuel Santos

"Die Umwelt war ein Opfer des Konflikts. Wir werden sie nun besser schützen mit Ökotourismus und dem Bekämpfen von illegalen Pflanzungen (Koka) und dem illegalen Bergbau", betont Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos. Denn dies waren bisher die Haupteinnahmequellen in Guerillagebieten - nun soll stattdessen Tourismus hier helfen, den Frieden zu festigen.

Georg Ismar (dpa)

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