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Fokus Osteuropa

Hoffnung auf Einheit der Orthodoxen Kirche in der Ukraine

Erstmals seit 350 Jahren besucht ein Patriarch von Konstantinopel die Ukraine, wo die Einheit der gespaltenen orthodoxen Kirche angestrebt wird. Der Staat bietet der Kirche nun eine Partnerschaft an.

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Goldene Kuppeln der Uspenkyj-Kathedrale im Kiewer Höhlenkloster

An diesem Wochenende (25.-27. Juli) erwartet Kiew hohen Besuch: Zur 1020-Jahrfeier der Taufe der Kiewer Rus werden zum ersten Mal seit 350 Jahren der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I, sowie weitere hochrangige Gäste anderer Kirchen die Ukraine besuchen.

Im Vorfeld der Feierlichkeiten hat sich der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko mit den Mitgliedern des Ukrainischen Rates der Kirchen und Religionsgemeinschaften getroffen. Während des Treffens äußerte Juschtschenko die Hoffnung, dass die staatlichen Feierlichkeiten die Vereinigungsprozesse innerhalb der ukrainischen Orthodoxie fördern werden.

"Einheit als verlässliches Fundament"

In seiner Rede am 23. Juli bezeichnete Juschtschenko die Einheit der Orthodoxie als "verlässliches Fundament für die Einheit des ukrainischen Volkes" und forderte die Geistlichen auf, sich für Verständigung zwischen den Kirchen einzusetzen. Derzeit gibt es in der Ukraine die Ukrainische Orthodoxe Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats und eine Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche, über deren Vereinigung seit Jahren heftig gestritten wird.

Der Präsident sagte, Staat und Kirche seien getrennt, aber der Staat sei zu einer engen Zusammenarbeit mit der Kirche bereit. "In einem demokratischen Staat wird sich die Staatsmacht niemals in Kirchenangelegenheiten einmischen. Aufgabe des Staates ist, Bedingungen zu schaffen, dass sich Religionen und Konfessionen frei entwickeln können. Gleichzeitig ist der Staat bereit, ein verlässlicher Partner in den Bereichen zu sein, wo sich die Interessen des Staates und der Kirche decken", unterstrich Juschtschenko.

Warnung vor politischen Zielen

Der Präsident lud alle Mitglieder des Ukrainischen Rates der Kirchen und Religionsgemeinschaften ein, sich den Feierlichkeiten anlässlich der 1020-Jahrfeier der Taufe der Kiewer Rus anzuschließen. Zustimmung äußerten das Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats, Filaret, sowie das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, Kardinal Ljubomyr Husar.

Allerdings erklärte der Sekretär der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, Bischof Oleksandr, dass seine Kirche auf dem Standpunkt stehe, "Vertreter der unkanonischen schismatischen Gruppierungen" sollten sich an den Feierlichkeiten nicht beteiligen. Vertreter der orthodoxen Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, haben wiederholt die Staatsmacht davor gewarnt, die Feierlichkeiten für politische Ziele auszunutzen.

"Gegensätze zwischen Kirchen übertrieben"

Der Redakteur der orthodoxen Zeitung "Nascha Wira" und Präsident des ukrainischen Pen-Clubs, der bekannte Schriftsteller und einstige sowjetische Dissident Jewhen Swerstjuk ist überzeugt, dass die Gegensätze zwischen den Gläubigen und Priestern der verschiedenen orthodoxen Kirchen in der Ukraine stark übertrieben sind. "Es herrscht die noch weitverbreitet verdeckte Meinung unter vielen Priestern: man muss schnellstens mit all dem Schluss machen, wir brauchen eine vereinigte Kirche", sagte Swerstjuk.

Statistiken zufolge verfügt die Ukrainische Orthodoxe Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, in der Ukraine über die meisten Kirchen und Eparchien, während die Kirche des Kiewer Patriarchats deutlich mehr Anhänger hat. Nach Angaben des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie ist die Mehrheit der Ukrainer der Ansicht, dass die Ukraine Rechtsnachfolgerin der Kiewer Rus ist. Jeder dritte Ukrainer sieht das Kiewer Patriarchat als Nachfolger der vor mehr als 1000 Jahren gegründeten Kirche an. Weniger als 16 Prozent der Befragten sind Anhänger des Moskauer Patriarchats.

Oleksandr Sawyzkyj

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