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Fokus Osteuropa

Bewegung im Kirchenstreit in der Ukraine

In der Ukraine gibt es drei orthodoxe Kirchen. Bemühungen, diese in eine Ortskirche zu vereinigen, schlugen bisher fehl. Brachte der Besuch einer Delegation des Patriarchats Konstantinopel in Kiew nun die Wende?

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Das Kiewer Höhlenkloster

Seit der staatlichen Unabhängigkeit haben sich in der Ukraine drei orthodoxe Kirchen gebildet - die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats, die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche. Die Frage der Gründung einer einzigen orthodoxen Ortskirche in der Ukraine hat zu Spannungen zwischen dem Patriarchat Konstantinopel und dem Moskauer Patriarchat geführt.

Grund dafür ist eine Erklärung, die während eines Treffens einer offiziellen Delegation des Patriarchats Konstantinopel mit dem ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko am Donnerstag (24.3.) abgegeben wurde. Die ukrainische Presse zitiert den Leiter der Delegation des Patriarchats Konstantinopel, Erzbischof Wsewolod (Majdanskyj). Er sagte, die Mutterkirche - das Patriarchat Konstantinopel - vertrete die Position, dass ihre Tochterkirche - das Moskauer Patriarchat - über das kanonische Territorium verfüge, das sie vor dem Jahr 1686 besessen habe. Die Kiewer Metropolie sei damals der Moskauer Kirche ohne Zustimmung des Heiligen Synods der großen Kirche Christi unterstellt worden.

Moskauer Patriarchat spricht von Diskreditierung

Die sensationelle Meldung, dass die Kiewer Metropolie vor 320 Jahren der Moskauer Kirche nicht legitim unterstellt wurde, ist nach Ansicht von Erzbischof Mytrofan von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats eine Kampagne, mit der die Kirche diskreditiert werden soll. Der Erzbischof sagte der Deutschen Welle, es stelle sich die Frage, warum eine solch wichtige Entscheidung ohne Einbeziehung der betroffenen Seite auf inoffiziellem Weg verbreitet werde. Er betonte, die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats habe davon aus den Medien erfahren - und das, obwohl sich der Kiewer Metropolit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, Wolodymyr, vergangene Woche mit dem Erzbischof des Patriarchats Konstantinopel, Wsewolod, persönlich getroffen habe.

Erzbischof Mytrofan erklärte, während des Treffens mit Metropolit Wolodymyr sei deutlich gemacht worden, das Patriarchat Konstantinopel vertrete die Position, dass eine Vereinigung der orthodoxen Kirchen in der Ukraine nur auf der Basis der Kirche erreicht werden könne, die derzeit legitim sei. Und das sei die Kirche, der Metropolit Wolodymyr vorstehe, unterstrich Erzbischof Mytrofan. Er sagte ferner: "Das Patriarchat Konstantinopel darf solch einseitige Erklärungen nicht abgeben. Sie können zu Missverständnissen zwischen dem Patriarchat Konstantinopel und der Russischen Orthodoxen Kirche führen." Erzbischof Mytrofan unterstrich, die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats bezweifelt die Echtheit der verbreiteten Erklärung.

Konstantinopel kann wichtige Rolle spielen

Der stellvertretende Rektor der Ukrainischen Katholischen Universität, Myroslaw Marynowytsch, sagte der Deutschen Welle, ihn habe die Erklärung von Erzbischof Wsewolod nicht erstaunt. Der Religionswissenschaftler machte auf Folgendes aufmerksam: "Konstantinopel betrachtet das Moskauer Patriarchat nur in dessen Grenzen von 1686 als legitim. Das habe ich noch 1997 beim Weltkirchenrat aus dem Munde des Vertreters des Patriarchats Konstantinopel gehört. Mit diesen Worten wird nur auf das kanonische Recht hingewiesen, dass es keinen Beschluss eines Synods gab, mit dem die Kiewer Metropolie dem Moskauer Patriarchat legitim unterstellt wurde."

Marynowytsch sieht einen Zusammenhang zwischen den Kirchenangelegenheiten und dem März-Besuch von Staatssekretär Oleksandr Sintschenko beim Patriarchen von Konstantinopel: "Diese beiden Besuche sollen daran erinnern, dass die Rolle des Patriarchats Konstantinopel bei der Lösung des ukrainischen Kirchenproblems nicht erschöpft ist und dass Konstantinopel eine wichtige Rolle spielen kann, gerade jetzt, wo in der Ukraine eine neue Staatsmacht herrscht. Das könnte dazu führen, dass Konstantinopel gemäß seinem alten Prinzip wie folgt vorgehen wird: Wenn ein unabhängiger Staat besteht, der von Konstantinopel als orthodoxer Staat betrachtet wird, dann muss dieser Staat auch seine eigene legitime Ortskirche haben."

Olena Hmyrjanska, Kiew
DW-RADIO/Ukrainisch, 28.3.2005, Fokus Ost-Südost