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Deutschland

Hoffen auf den Freiwilligendienst

Durch die Aussetzung der Wehrpflicht wird auch der Zivildienst hinfällig. Viele Träger stehen vor enormen Problemen. Abhilfe soll der Bundesfreiwilligendienst schaffen - und erstmals Frauen und Senioren anlocken.

Ein Zivildienstleistender schiebt einen älteren Herren im Rollstuhl. (Foto: DW)

90.000 junge Männer leisten aktuell ihren Zivildienst

Nach der geplanten Aussetzung der Wehrpflicht will die Bundesregierung als Kompensation jährlich 35.000 Menschen für einen neuen Bundesfreiwilligendienst gewinnen. Durch den Wegfall der Wehrpflicht besteht für junge Männer keine Pflicht mehr Militär- oder Zivildienst zuleisten. Dadurch befürchteten Kommunen, Altersheime und andere soziale Einrichtungen einen dramatischen personellen Engpass. Diese Lücke soll der Bundes-freiwilligendienst nun zumindest teilweise schließen.

Aktuell leisten rund 90.000 junge Männer Zivildienst, die Mehrheit von ihnen nur noch sechs Monate. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sagte, auch wenn 35.000 Freiwillige sich jeweils ein Jahr lang verpflichteten, bliebe eine Lücke. Doch wenn der Zivildienst ersatzlos wegfiele, "wäre das eine Katastrophe für unser Land".

Zivildienst ablösen, FSJ und FÖJ ergänzen

Der neue Bundesfreiwilligendienst soll zum 1. Juli 2011 eingeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt soll auch die Wehrpflicht ausgesetzt werden. Der neue Dienst soll dann den Zivildienst ablösen und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ergänzen.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) (Foto: dapd)

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hob den Bundesfreiwilligendienst aus der Taufe

"Der neue Freiwilligendienst ist eine Einladung an Menschen jeden Alters, sich für die Allgemeinheit zu engagieren," sagte Schröder. Der Bundesfreiwilligendienst soll Männern und Frauen jeden Alters nach Ende der Schulpflicht offen stehen. Er soll in der Regel zwölf, mindestens sechs und höchstens 24 Monate dauern und wie eine Vollzeitbeschäftigung ausgeübt werden. Ein Teilzeitmodell von mindestens 20 Wochenstunden ist möglich, wenn die Freiwilligen älter als 27 Jahre sind.

Dienst für ein Taschengeld

Ein Zivildienstleistender mit Senioren. (Foto: DW)

Zivildienstleistende leisten eine unverzichtbare Arbeit für die Gemeinschaft

Die Freiwilligen sollen in sozialen Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, der Kommunen und anderer Träger eingesetzt werden. Neben Krankenhäusern oder Behindertenheimen, wo bisher viele Zivildienstleistende arbeiten, wird der Bundesfreiwilligendienst künftig auf Sport, Kultur, Bildung und Integration ausgedehnt. Für ihr Engagement sollen die Freiwilligen ein monatliches Taschengeld von maximal 324 Euro im Westdeutschland und 273 Euro im Osten Deutschlands erhalten. Dazu kommen noch Erstattungen für Aufwendungen bei Unterkunft, Verpflegung und die Sozialversicherung. Mit allen Ansprüchen stünden einem Freiwilligen im Schnitt etwa 550 Euro monatlich zur Verfügung. Insgesamt will der Bund die Freiwilligendienste künftig mit 350 Millionen Euro fördern. Ob die Freiwilligenzeit für das Studium, die Rente oder als Praktikum anerkannt werden kann, ist weiter offen.

Angst vor Konkurrenz

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) warnte unterdessen, der Bundesfreiwilligendienst dürfe nicht das etablierte Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) verdrängen, sondern solle es ergänzen. Für den neuen Freiwilligendienst müssten die gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen gelten wie für das FSJ.

Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) nannte das Konzept eine "vertane Chance". "Es ist mutlos, dass Familienministerin Schröder nicht die Kraft gefunden hat für einen einheitlichen Dienst", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Es entstehe jetzt eine Konkurrenzsituation zwischen den verschiedenen Diensten.

Auslaufmodell Wehrpflicht

Wehrpflichtige liegen mit Gewehren auf dem Bauch in Deckung. (Foto: dpa)

Die Wehrpflicht wird zum 1. Juli 2011 ausgesetzt

Deutschland stand mit seinem bisherigen Festhalten an der eigenen Wehrpflicht in Europa ziemlich alleine da. In 23 von 28 NATO-Staaten und 21 von 27 EU-Staaten ist die Wehrpflicht faktisch abgeschafft.

Autor: Arne Lichtenberg (afp, dpa und epd)
Redaktion: Dеnnis Stutе

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