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Asien

Hochgekocht - vom Vogelsberg nach Jakarta

Ein Deutscher bekocht in Jakarta die Elite des Landes: Er weiß, welcher Präsident beim Essen auf keinen Fall auf einem Sofa sitzen darf und welche Präsidentengattin es mit der Angst bekommt, wenn ihr Mann Muscheln isst.

Chefkoch Eduard Betz ist verantwortlich für neun Restaurants in einem von Jakartas teuersten Hotels. (Foto: Eduard Betz)

Chefkoch Eduard Betz ist verantwortlich für neun Restaurants

Amuse-gueule - Auf den Geschmack gekommen

Bei allem Fernweh heute - dass er eines Tages in Indonesien Chef de Cuisine eines exklusiven Hotels sein wird, damit rechnet Eduard Betz 1972 noch nicht. Mit 15 Jahren fängt er in Schotten im hessischen Vogelsbergkreis eine Lehre als Koch an, weil er schon jetzt das Kochen liebt, viel mehr aber noch, weil er die ganze Welt sehen will. Und gegessen wird schließlich überall.

Seine Eltern wollen, dass die Kinder etwas Handfestes lernen, Maurer zum Beispiel. Der Sohn beweist ihnen, dass er auch als Koch vorankommen kann. Nach der Lehre fängt er im Berliner Kempinski Hotel Bristol als Jungkoch an. Ab dann klettert er die Stufen der Kochkarriere nach oben und erfüllt sich dabei den Traum von der weiten Welt.

Hors d’oeuvre - Appetit auf Exotisches

Der private Raum für Staatsdiners im Auswärtigen Amt von Jakarta (Foto: Eduard Betz)

Der private Raum für Staatsdiners im Auswärtigen Amt von Jakarta

England, die Schweiz, die Bermudainseln, China, die Arabischen Emirate, Zypern, Australien - nirgends bleibt Betz länger als zwei Jahre. In neun verschiedenen Hotels hat er gekocht, als er Ende der 1980er-Jahre anfängt, sich nun doch nach einer dauerhaften Heimat umzuschauen. Er sucht sie jedoch nicht dort, wo er herkommt, in Süddeutschland. Sondern Betz bleibt im Ausland - inzwischen ist er Sous-Chef im Sheraton Hotel im australischen Brisbane. Es gefällt ihm dort, er kauft ein Haus.

"Ganz am Ende meiner Reise war ich aber doch noch nicht", erzählt Betz. Asien lockt ihn mit seinen scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, weiter aufzusteigen, mehr Verantwortung zu übernehmen. "Dort gibt es auch mehr Spielraum für eigene Ideen, es herrscht mehr Bewegung." Also bricht er seine Zelte wieder ab. Erster Stopp ist Südkorea, wieder nur für ein Jahr. Dann kommt er dort an, wo er wahrscheinlich den Rest seines Lebens verbringen wird: in Indonesien.

Hauptgang - beim Besten angekommen

In der Hauptstadt Jakarta wird Betz zum ersten Mal ein so genannter Executive Chef in einem großen Hotel. Er trifft alle Entscheidungen, vom Rezept bis zur Logistik beim Zutateneinkauf. Wieder beschließt er, sich hier niederzulassen. Dieses Mal bleibt es dabei.

Hummer Thermidor und andere Gourmetgerichte kocht Betz im Hotel Borobudur. (Foto: Eduard Betz)

Hummer Thermidor und andere Gourmetgerichte kocht Betz im Hotel Borobudur.

Das Hotel Borobudur liegt im Zentrum der Zehn-Millionen-Metropole, gleich gegenüber vom Präsidentenpalast. Betz arbeitet hier schon im zehnten Jahr, nirgends ist er so lange geblieben. Alles, was Rang und Namen hat, kommt in dieses Hotel, vom indonesischen Präsidenten bis zum amerikanischen Popstar. Auf besonderen Wunsch von Elton John wurde hier einmal eine ganze Suite hellblau gestrichen, und von US-Sängerin Beyoncé kursierte unter den Angestellten einige Zeit nach ihrem Besuch ein Foto von ihrem BH. Ein Junge in der Wäscherei hatte diese Sensation fotografiert und wollte sie seinen Kollegen nicht vorenthalten.

Betz sammelt solche Anekdoten wie seltene Schmetterlinge. Als Koch sind seine großen Herausforderungen allerdings nicht die skurrilen Sonderwünsche der Stars, sondern die aufwändigen Empfänge der Präsidenten und die Hochzeitsdiners mit mehreren tausend Gästen für ihre Sprösslinge.

Die ehemalige indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri zum Beispiel habe gutes Essen immer zu schätzen gewusst, erzählt Betz mit einem Augenzwinkern. Oft hätten ihre festlichen Empfänge im Hotel Borobudur stattgefunden. "Vor einem solchen Empfang wurde angeordnet, dass alle Sofas aus dem Raum geräumt werden." Frau Megawati hatte es sich schon einmal bei einer solchen Gelegenheit zu bequem gemacht. "Als sie aufstehen wollte, kam sie von dem Sofa nicht mehr hoch, und das Blitzlichtgewitter ging los. Das sollte ihr hier nicht wieder passieren."

Dessert - und gleich zwei davon

Zwischen Brisbane und Jakarta gibt es einen zentralen Unterschied. Er ist der Grund dafür, warum Betz in Australien wieder das Fernweh packte, er in Indonesien aber bleiben will: In Jakarta hat er seine große Liebe gefunden und geheiratet. Seine Frau ist eine erfolgreiche Unternehmerin und betreibt eine Firma für Tiefkühlbackwaren - schon deshalb will er nicht mehr wegziehen. Doch das ist nur eines von zwei Sahnehäubchen, die sein Leben in Jakarta hat. Beruflich kann er sich kaum eine spannendere Aufgabe vorstellen.

Neben seiner Arbeit als Koch ist Betz auch Hobbyfotograf. (Foto: Eduard Betz)

Neben seiner Arbeit als Koch ist Betz auch Hobbyfotograf.

Das Hotel Borobudur befindet sich in Privatbesitz, keine Unternehmensleitlinien schreiben dem Chefkoch vor, wie er seine Arbeit machen soll. "Ich kann hier wirklich kreativ werden", sagt Betz. Und das nicht nur als Koch und Restaurantmanager. Als das Hotel ein neues Restaurant aufbauen wollte, hat Betz die Einrichtung mitgestaltet. Seit der Eröffnung plant er schon wieder das nächste Projekt.

Die elegante Lounge des Hotels will er umbauen: Wo wäre die Bühne besser platziert, wie die Beleuchtung angenehmer gestaltet, und die ganze Atmosphäre ein bisschen modernisiert? All diese Fragen stellt sich der Meisterkoch nun. "Hierarchien funktionieren hier ganz anders als in Deutschland", berichtet Betz. "Wer gute Arbeit leistet, hat oft freie Hand. In einem deutschen Hotel würde wohl kaum der Koch den Innenausbau planen."

Zu alledem muss Betz hin und wieder auch ein Diplomat sein. Die Frau des amtierenden Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono kam einmal, um einen Menüvorschlag von Betz zu verkosten. Das Menü sollte später bei einem Präsidentenempfang serviert werden. Die Vorspeise schmecke sehr gut, sagte die indonesische First Lady. Doch könne man das auch ohne Muscheln zubereiten? "Die bringen nämlich das Blut meines Mannes zu sehr in Wallung", habe sie geflüstert. Auch wenn die Nähe zu den Prominenten für ihn schon Routine ist, die Frau des Präsidenten danach zu fragen, was das genau heißen soll, das hat sich Eduard Betz dann doch nicht getraut.

Autorin: Annika Reinert

Redaktion: Esther Felden