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Kultur

HipHop und Breakdance sind ihre Sprache

Sie sind drei sehr sympathische junge Menschen, und sie kämpfen um ihre Zukunft. Sie sagen, das hier ist mein Land, aber dieses Deutschland will sie nicht wirklich haben.

Copyright: INDIfilm

Maradona hatte an jenem Tag Geburtstag. Es war der neunte. Seitdem mag er seinen Geburtstag nicht mehr. Denn damals, vor gut fünf Jahren, haben sie die ganze Familie abgeholt. Und dann rein ins Flugzeug und ab in den Libanon. Heute denkt Maradona bei dem Wort "Abschiebung" sofort an ein Land, das er nicht kennt, und an Angst. Heute lebt er wieder hier, in Berlin-Neukölln. Denn irgendwie sind sie zurückgekommen, ein paar Wochen nach der Abschiebung, und haben versucht, da anzuknüpfen, wo sie so abrupt aufhören mussten.

Copyright: INDIfilm

Hassan, Lial und Maradona

Familie Akkouch stammt aus dem Libanon. Die drohende Abschiebung ist seit 16 Jahren Teil ihres Lebens. Genauso wie der Kampf um das Bleiberecht. Wie der Kampf um eine gesicherte Existenz in Deutschland. Und wie der Kampf um Geborgenheit.

Talente nutzen

Eine befristete Aufenthaltsgenehmigung haben nur Hassan, heute 18 Jahre alt, und seine jetzt 19-jährige Schwester Lial. Nach der Trennung der Eltern beschlossen die beiden deshalb, den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Mit dem, was sie am besten können: Tanzen! Längst nämlich haben sich die Geschwister in der Streetdance- und HipHop-Szene über die Grenzen Berlins einen Namen gemacht. Hassan tourt in verschiedenen Ensembles durch Europa und tritt mit seiner Streetdance Crew 'Fanatix' auch bei großen Events auf; Lial singt selbstbewusst in der Pop-Band 'NO IBN' ("keine Söhne") und tanzt in Constanza Marcras Ensemble 'Dorky Park'. Und Maradona, der hat in den letzten Jahren hart trainiert; tanzend bändigt er seine innere Unruhe und ist längst ähnlich gut wie Hassan.

Das Leben als Film

Die Regisseure Agostino Imondi und Dietmar Ratsch haben die Akkouch-Kinder vor ein paar Jahren zufällig kennen gelernt. Bei der Recherche zu einem Film über Jugendkriminalität. Und je mehr sie über die Familie erfahren haben, sagt Imondi heute, umso stärker wurde der Wunsch, einen Film über sie zu machen.

Copyright: INDIfilm

Maradonas Auftritt

Das Ergebnis liegt nun vor, "Neukölln Unlimited", eine kraftvolle, musikgetränkte Dokumentation über drei junge Menschen, deren Heimat Neukölln ist, die gut deutsch sprechen, nicht kriminell sind und die Deutschland keineswegs hassen, obwohl sie dazu durchaus Grund hätten. Ganz normale Geschwister sind sie, die sich gelegentlich zanken und streiten, und gleichzeitig sind sie sehr ungewöhnliche Jugendliche. Denn Hassan, Lial und Maradona lassen sich nicht einschüchtern und arbeiten hart für eine Perspektive, die 'Deutschland' heißt. Sie leben zwischen den Kulturen und mitten im Neuköllner Alltag, kämpfen mit Behörden, haben Freunde, streiten mit Politikern, gehen zur Schule, sind gestresst, resigniert, gut drauf und trainieren, trainieren, trainieren. Musik und Tanz sind der Rhythmus ihres Lebens und nun auch der Rhythmus von 'Neukölln Unlimited'.

Gemeinsam stark sein

Der Film ist, sagen seine beiden Regisseure, ein Appell an Jugendliche in einer ähnlichen Situation, nicht aufzugeben und weiter zu kämpfen. Und Menschen, die keine Migranten sind, bietet er eine mitreißende Möglichkeit, sich hinter deren Haustür und in ihrem Alltag umzusehen. Und vielleicht, sagt Hassan, gucken die künftig ja genauer hin. Familie Akkouch hat den Kampf gegen die Abschiebung bis heute nicht gewonnen. Während der Berlinale aber wurde sie gefeiert. "Neukölln Unlimited" lief mit großem Zuspruch in der Sektion "Generation 14 plus" und wurde am Freitag Abend (19.02) schließlich mit einem Gläsernen Bären ausgezeichnet. Am 8. April startet der Film dann in den deutschen Kinos.

Autor: Silke Bartlick
Redaktion: Marcus Bösch