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Aktuell Nahost

Hinweise auf Bombe in Russen-Airbus verdichten sich

London und Washington sind sich immer sicherer: In dem in Ägypten abgestürzten russischen Flugzeug war eine Bombe. Moskau und Kairo weisen dies als "Spekulation" zurück. Nun stoppt auch die Lufthansa Flüge zum Sinai.

Absturzstelle des Airbus in der Sinai-Wüste (Foto: dpa)

Absturzstelle des Airbus in der Sinai-Wüste

Der britische Außenminister Philipp Hammond wagte sich in London weit vor: Es sei eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) einen Bombenanschlag auf den Airbus A312 der russischen Fluggesellschaft Metrojet verübt habe, sagte der Chef des Foreign Office. Dieses Urteil stütze sich auf Erkenntnisse der Geheimdienste, so Hammond weiter.

Der Airbus A321 war am Samstag kurz nach dem Start vom ägyptischen Ferienort Scharm el Scheich am Roten Meer in Richtung St. Petersburg über dem Sinai abgestürzt. Alle 224 Menschen an Bord, überwiegend russische Urlauber, waren ums Leben gekommen.

Der Sinai ist seit Monaten Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und islamischen Extremisten. Ein ägyptischer IS-Ableger hatte nach dem Absturz erklärt, man habe einen Anschlag verübt.

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Rückschlag für Ägypten-Tourismus

Auch die US-Regierung geht offenbar von einem Anschlag als Absturzursache aus. "Es gibt ein eindeutiges Gefühl, dass es ein Sprengkörper war, der im Gepäck oder anderswo im Flugzeug versteckt wurde", zitierte der Nachrichtensender CNN einen namentlich nicht genannten Vertreter der Regierung in Washington.

Demnach gehen US-Geheimdienste davon aus, dass höchstwahrscheinlich der IS dahinter steckt. Die US-Regierung vermeide es aber, diese Vermutung öffentlich zu nähren, hieß es bei CNN.

Russland reagiert zurückhaltend

Die russische Regierung hat die Erklärungen aus London und Washington als "Spekulation" zurückgewiesen. Nur eine "Untersuchung" könne die Gründe für den Absturz ans Licht bringen, doch gebe es bislang dazu keine offiziellen "Aussagen" der Ermittler, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. "Jede andere vorgeschlagene Erklärung mutet wie eine unbestätigte Information oder irgendeine Art von Spekulation an."

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Ähnlich äußerte sich der ägyptische Minister für die zivile Luftfahrt, Hossam Kamal. Die Ermittler verfügten "noch nicht über Beweise oder Daten, die die Theorie bestätigen", dass es sich um einen Bombenanschlag handele, erklärte er in Kairo.

Analyse der Flugschreiber

Ägypten begann derweil die Analyse der Flugschreiberdaten des Airbus. Wie das Ministerium für zivile Luftfahrt mitteilte, konnten die Informationen vom Datenrekorder sichergestellt werden. Der Stimmenrekorder, der Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Copilot sowie weitere Geräusche im Cockpit speichert, sei jedoch zum Teil beschädigt, hieß es.

Touristen sitzen fest

Die Fluggesellschaften des Lufthansa -Konzerns fliegen bis auf weiteres die Sinai-Halbinsel nicht mehr an. Aufgrund der aktuellen Situation stellen die Airlines der Lufthansa-Gruppe den Flugbetrieb in die Region ein, wie Europas größte Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Geplant seien zwei wöchentliche Flüge der Gesellschaften Edelweiss und Eurowings nach Scharm el-Scheich gewesen. Die ägyptische Hauptstadt Kairo werde weiterhin angeflogen und sei von diesen Maßnahmen nicht betroffen, betonte die Lufthansa. Bereits seit dem vergangenen Samstag umfliegen die Fluggesellschaften des Konzerns den Sinai.

Die Regierung in London hatte bereits am Mittwoch aus Sicherheitsgründen den Stopp aller Flüge zwischen Großbritannien und Scharm el Scheich angeordnet. Irland und inzwischen auch die Niederlande schlossen sich dieser Entscheidung für ihre Fluggesellschaften an. Hammond kündigte jetzt Evakuierungsflüge für die rund 9000 in dem ägyptischen Badeort festsitzenden britischen Touristen an.

Es würden kurzfristige Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen organisiert, sagte der Außenminister der BBC. Dazu gehöre, dass alles, was in die Maschinen gelange, durchleuchtet werde und die Flugzeuge selbst genau überprüft würden.

Auswärtiges Amt warnt

Die Bundesregierung hat unterdessen eine sogenannte "Teilreisewarnung" ausgesprochen. Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes heißt es, bei Reisen nach Ägypten einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer werde "generell zu Vorsicht geraten". Deutsche Ermittler seien in die Untersuchungen zur Absturzursache des russischen Airbus eingebunden.

wl/mak/kle (dpa, afp, rtr)

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