1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Welt

Hinrichtungen nach IS-Mord an jordanischer Geisel

Jordanien hatte es angekündigt: Nach der Ermordung des jordanischen Piloten durch IS-Terroristen wurden zwei inhaftierte Islamisten hingerichtet. Zuvor war König Abdullah II. von US-Präsident Obama empfangen worden.

Jordanier halten Fotos des ermordeten Piloten hoch (Foto: dpa)

Jordanische Studenten mit dem Foto des ermordeten Kampfpiloten

Die in Jordanien inhaftierte irakische Dschihadistin Sajida al-Rischawi ist am frühen Mittwochmorgen in Amman hingerichtet worden. Die 44-Jährige Irakerin war für den IS eine wichtige Symbolfigur. Die jordanische Regierung hatte ihre Freilassung im Austausch für den Piloten angeboten, der von IS-Terroristen bestialisch ermordet worden war. Al-Rischawi war nach einer Anschlagserie auf drei Hotels in der jordanischen Hauptstadt Amman Ende 2005, bei der 60 Menschen getötet wurden, festgenommen und im April 2006 zum Tode verurteilt worden.

Al-Kaida-Mitglied Sajida al-Rischawi 2006 in jordanischer Haft (Foto: Reuters)

Al-Kaida-Mitglied Sajida al-Rischawi 2006 in jordanischer Haft

Zusammen mit ihr wurde das Al-Kaida-Mitglied Siad Karbuli exekutiert. Der Mann war wegen Anschlagsplanungen gegen das pro-westliche Königreich zum Tode verurteilt worden.

Besonders grausamer Mord

Der IS hatte zuvor den gefangenen genommen Kampfpiloten Muath al-Kassaesbeh offenbar bei lebendigem Leib verbrannt. Die Islamisten veröffentlichten am Dienstag ein Video von der Tat, das weltweit Entsetzen auslöste: Offenbar in Benzin getränkt steht der jordanische Gefangene in einem Eisenkäfig. Ein maskierter Dschihadist legt mit einer Fackel Feuer. Eine Flammenspur rast auf den Käfig zu, das Opfer verbrennt bei lebendigem Leib.

Das auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen Site hält das Video für authentisch. Bei dem Mann handele es sich um den 26-jährigen Leutnant der jordanischen Luftwaffe.

Austauschverhandlungen waren eine Finte

Al-Kasasba war im Dezember nach dem Absturz seines Kampfflugzeugs über Syrien von den Dschihadisten als Geisel genommen worden. Nach Informationen des jordanischen Staatsfernsehens wurde al-Kasasba bereits am 3. Januar getötet. Erst danach bot der IS an, den Piloten gegen al-Rischawi auszutauschen.

Jordanien gehört zu der internationalen Koalition, die unter US-Führung Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien und im Irak fliegt. US-Präsident Barack Obama verurteilte die grausame Hinrichtung al-Kasasbas als "weiteres Anzeichen für die Bösartigkeit und Barbarei" der IS-Miliz. Die Tat werde das internationale Bündnis dazu bringen, seine "Wachsamkeit und Entschlossenheit zu verdoppeln", um die Dschihadistengruppe endgültig zu besiegen.

Militärhilfe für Jordanien wird verdoppelt

König Abdullah II. hielt sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Videos in der US-Hauptstadt auf. "Mit Wut und Trauer haben wir die Nachricht vernommen, dass der Pilot und Held Muas al-Kasasba von der Terrororganisation IS getötet wurde - von der feigen, fehlgeleiteten Verbrecherbande, die nichts mit unserer Religion zu tun hat", sagte Abdullah von Washington aus im Fernsehen. In solch schwierigen Zeiten sei es die Pflicht der Söhne und Töchter der Nation, zusammenzuhalten. Dies werde letztlich zu größerer Stärke führen.

Präsident Obama empfängt den jordanischen König Abdullah II. im Weißen Haus (Foto: rtr)

Präsident Obama empfängt den jordanischen König Abdullah II. im Weißen Haus

Eine Begegnung des jordanischen Monarchen mit Obama im Weißen Haus war ursprünglich nicht vorgesehen. Bei dem Treffen bekräftigten beide, dass die internationale Gemeinschaft nicht ruhen werde, bis der IS zerschlagen sei. Obamas Regierung will ihre Wirtschafts- und Militärhilfen für Jordanien zwischen 2015 und 2017 auf insgesamt drei Milliarden Dollar (2,59 Milliarden Euro) erhöhen. Sollte der Kongress in Washington der Summe zustimmen, würden die Zuwendungen an Amman damit fast verdoppelt. Das Königreich sei ein standfester und stabiler Verbündeter in "einer der Weltgegenden mit den meisten Herausforderungen", sagte US-Außenminister John Kerry, der ebenfalls mit Abdullah zusammenkam.

UN-Sicherheitsrat prangert Barbarei der IS-Terroristen an

Ebenso wie Obama kondolierte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Monarchen. In einem Telegramm an Abdullah schrieb sie, es sei unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig seien. Ähnlich äußerte sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der UN-Sicherheitsrat prangerte in einer Erklärung die "anhaltenden Akte der Barbarei" der Dschihadisten an. Jordanien gehört dem Gremium als nicht-ständiges Mitglied an. Japans Regierungschef Shinzo Abe sprach von einer unverzeihlichen und schockierenden Tat. Das Schicksal von Muas al-Kasasba war eng mit dem zweier japanischer IS-Geiseln verknüpft, die ebenfalls vor Kurzem von den Dschihadisten ermordet worden waren.

se/rb (afp, ape, rtr, dpa)