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Politik

Hier brennt es: Konflikte in Afrika

Konflikte in Afrika sind ab Mittwoch das große Thema beim G8-Gipfel. Allein 40 wurden 2004 gezählt, 13 gelten als hochgewaltsam. Wer streitet wo und warum? Wie entwickelt sich die Lage? Fünf erschreckende Beispiele.

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Traurige Folge vieler Konflikte: Die Menschen müssen in Camps fliehen

Von den 13 hochgewaltsamen Konflikten in Afrika ordnet das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) zwei als Krieg ein, die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) hingegen fünf. Der Übergang zwischen ernster Krise und Krieg ist fließend. Meist kriselt es innerhalb eines Staates: Verschiedene Gruppen streiten um die Macht im Land, um die Absonderung vom Staat oder auch um Ressourcen.

Sudan: Nach Nord-Süd-Konflikt Krise im Westen

Seit mehr als 20 Jahren fordern die Rebellen der Sudan People's Liberation Army (SPLA) die Loslösung des Südsudan. Aus zwei Gründen: Erstens will die christlich-animistische Minderheit im Süden nicht die islamische Rechtsprechung aus dem Norden annehmen. Zweitens wollte die Regierung die Öl-Vorkommen auf Kosten der Südsudaner ausbeuten. Das brachte das Fass zum Überlaufen und schließlich den Krieg.

Eröffnung einer Ölquelle im Sudan

Eröffnung einer Öl-Quelle im Sudan. Der Streit um Öl verschärfte den Nord-Süd-Konflikt

Mittlerweile gilt das islamische Recht nur im Norden, während im Süden die SPLA herrscht. Doch trotz mehrerer Einigungen und Abkommen sowie zuletzt einem Friedensvertrag im Januar 2005 ist im Sudan noch kein Frieden in Sicht, denn die Region Darfur im Westen des Landes kommt nicht zur Ruhe. Seit März 2003 kämpft dort die Befreiungsbewegung Darfur (DLF) für mehr Aufmerksamkeit von der Regierung.

Ein Grund dafür kann nach dem Friedensgutachten 2005 von fünf deutschen Friedensforschungsinstituten darin liegen, dass das Friedensabkommen mit dem Südsudan für das ganze Land gilt, aber nur zwischen der Regierung und der führenden Rebellengruppe ausgehandelt wurde. Der Ausschluss anderer Oppositionsgruppen habe 2003 zur Rebellion in Darfur beigetragen, heißt es in dem Gutachten.

Burundi: ethnischer Konflikt zwischen Hutu und Tutsi

In Burundi sorgt der Gegensatz zwischen den Volksgruppen Hutu und Tutsi für Auseinandersetzungen: Die Hutu sind mit 85 Prozent die Mehrheit, doch die Tutsi wurden früher von der Kolonialmacht Belgien bevorzugt, indem sie bessere Bildung bekamen und in Armee und Verwaltung eingesetzt wurden. Nach der Unabhängigkeit 1962 blieb das so.

Putsch, Militärdiktaturen und verschiedene Hutu-Aufstände waren die Folge. Auf internationalen Druck ist das politische System Anfang der 1990er Jahre liberalisiert worden, doch der erste demokratisch gewählte Präsident, ein Hutu, wurde kurz nach Amtseintritt von Tutsi-Militärs ermordet.

Nach dem Friedensvertrag von Arusha gibt es seit 2001 eine Übergangsregierung; eine neue Verfassung ist im Februar in einer Volksabstimmung angenommen worden. Laut dieser gehen nun 60 Prozent der Parlamentssitze an die Hutus und 40 Prozent an die Tutsis. Senat und Armee bestehen zu gleichen Teilen aus beiden Volksgruppen.

A Burundian votes in Bujumbura

Ein Burundier bei der Kommunalwahl im Juni

Dennoch kein Ende der Auseinandersetzungen: Bei den ersten Kommunalwahlen seit 1993 am 3. Juni 2005 gab es Angriffe auf Wähler und Blauhelmsoldaten. Über 200 der rund 6000 Wahllokale mussten vorzeitig geschlossen werden. Im Juli und August sollen Parlaments- und Präsidentenwahlen stattfinden.

Côte d'Ivoire

Die Elfenbeinküste galt lange Zeit als wirtschaftlich und politisch stabil. Die Gesellschaft spaltete sich jedoch, als bei den Präsidentschaftswahlen 2001 der aus dem Norden stammende Kandidat Alassane Ouattar ausgeschlossen wurde, weil er angeblich nicht "rein" ivorisch war (was nicht stimmte). Der Oppositionsführer Laurent Gbagbo aus dem christlich geprägten Süden wurde Präsident. Fortan lieferten sich die Anhänger von Ouattar und Gbagbo heftige Straßenkämpfe, ein Putschversuch scheiterte.

Kämpfe an der Elfenbeinküste

Kämpfe an der Elfenbeinküste

Seit 2002 ist der Staat geteilt: Den Norden beherrschen Rebellengruppen, der Süden ist regierungstreu. Beide Parteien kämpfen um die politische und wirtschaftliche Macht im Land. Zunächst versuchte sich die ehemalige Kolonialmacht Frankreich als Vermittler, Anfang 2004 schaltete sich die UNO ein und trennte Norden und Süden durch eine Pufferzone. Da Frankreich als Kolonialmacht und nicht als Friedensstifter wahrgenommen wurde, setzte die Afrikanische Union den südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki als Vermittler ein.

Rebellen und Regierung haben sich im April auf ein Friedensabkommen und im Mai auf die Bildung einer neuen Armee und die Entwaffnung der Rebellen bis zum 10. August 2005 geeinigt. Im Oktober soll wieder ein Präsident gewählt werden; die UNO will die Vorbereitung der Wahl überwachen und für einen freien und fairen Ablauf sorgen. Derweil geht die Gewalt weiter: Bei einem vermutlich ethnisch motivierten Überfall auf einen Vorort der Stadt Duékoué sind Anfang Juni mehr als 40 Menschen getötet worden.

Lesen Sie weiter: Anarchie im Sudan und menschenverachtende Verbrechen in Uganda.

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