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Wirtschaft

Herbsttagung endet, Verunsicherung bleibt

Auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank haben die Amerikaner mehr Anstrengungen gegen die Euro-Schuldenkrise gefordert. Die Europäer spielten den Ball zurück und verwiesen auf die US-Schulden.

Das Board of Governors im IWF (Foto: DW)

Das Board of Governors im IWF

Zum Schluss der Herbsttagung von IWF und Weltbank packte US-Finanzminister Timothy Geithner den ganz großen Hammer aus. "Die Gefahr einer Verkettung von Pleiten, eines Ansturms auf Banken und eines katastrophalen Risikoniveaus muss vom Tisch, sonst werden alle anderen Anstrengungen, in Europa und auf der ganzen Welt, zunichtegemacht", sagte er am Samstag (24.09.2011) in Washington, um von den Europäern noch mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Schuldenkrise zu fordern.

Heinrich Haasis, Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (Archivfoto: AP)

Sparkassen-Präsident Haasis: "USA lenken ab!"

Tatsächlich war es den Amerikanern gelungen, die Schuldenkrise in Euroland zum einzigen Thema auf der Herbsttagung zu machen. Sehr zum Ärger vieler europäischer Beobachter. "Ich glaube, dass man in den USA ein Interesse daran hat, von den eigenen Problemen abzulenken und Europa dafür verantwortlich zu machen, wenn die Wirtschaft hier nicht auf diese Konjunkturprogramme anspringen sollte", sagte zum Beispiel der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis.

US-Schulden höher

Sein Argument: Die Amerikaner hätten Staatsschulden von 100 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung, die Europäer dagegen nur 88,6 Prozent. In den kommenden fünf Jahren würden die US-Schulden auf 115 Prozent anwachsen, in Europa dagegen auf 86,6 Prozent sinken, in Deutschland sogar von 82 auf 75 Prozent. Haasis: "Hier sieht man, wo die eigentlichen Probleme liegen. Die Amerikaner gefährden nicht nur den Wohlstand ihres eigenen Landes, sondern sie beeinträchtigen auch die Zukunftsaussichten der Weltwirtschaft."

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer (Archivfoto: Commerzbank)

Commerzbank-Ökonom Krämer: "Ängste gerechtfertigt"

Jörg Krämer dagegen, Chef-Volkswirt der Commerzbank, hält die Ängste der Amerikaner für gerechtfertigt. "Von der Staatsschuldenkrise im Euroraum geht - anders als von den Fiskalproblemen in Amerika - ein großes Potenzial für eine Rezession aus. Und eine solche Rezession wäre nicht mehr begrenzt auf den Euroraum, sondern stellte auch für Amerika ein Problem dar." Das erkläre, warum die Amerikaner so aktiv geworden seien und versucht hätten, die Europäer zum Handeln zu bewegen, so Krämer.


Beruhigungspillen

Die Europäer indes, allen voran IWF-Chefin Christine Lagarde und Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble, verwiesen unermüdlich auf den beschlossenen Euro-Rettungsplan, der konsequent umgesetzt würde. Allerdings deutete Schäuble in Washington auch die Möglichkeit leichter Veränderungen an: So werde die Höhe der umstrittenen Beteiligung der Banken noch einmal überprüft. Zudem hätte er auch nichts dagegen, wenn der geplante ständige Rettungsmechanismus ESM früher als bislang geplant käme.

US-Finanzminister Geithner mit IWF-Chefin Lagarde und Tharman Shanmugaratnam, dem Finanzminister von Singapur, auf der IWF-Tagung (Foto: dapd)

Klartext zum Abschluss: US-Finanzminister Geithner - hier mit IWF-Chefin Lagarde

Solche Versprechen kosten nichts, beruhigen aber die Verhandlungspartner. So konnte Schäuble denn auch ein positives Fazit ziehen: "Wir haben ein erfolgreiches Jahrestreffen auch mit viel Zuversicht abgeschlossen. Wir sind in einer schwierigen Phase, keine Frage. Aber es gibt keinen Anlass zur Panikmache und zu übertriebener Schwarzmalerei. Wenn wir den eingeschlagenen Kurs konsequent gehen, werden wir die Weltwirtschaft schon bald wieder in ein ruhigeres Fahrwasser bringen."

Autor: Rolf Wenkel, z. Zt. Washington
Redaktion: Frank Wörner

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