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Wirtschaft

Weltbank warnt, IWF versucht zu beruhigen

IWF und Weltbank drängen die Euro-Zone und die USA zu schnellem und koordiniertem Handeln im Kampf gegen ihre Finanzkrisen. Krisenmanagement steht im Mittelpunkt der Herbsttagung beider Organisationen in Washington.

Polizistin vor dem Logo des Herbsttreffens von IWF und Weltbank (Foto: DW)

Die US-Notenbank muss eingestehen, dass die wirtschaftliche Abschwächung der USA noch einige Zeit anhalten wird. An den internationalen Börsen fallen die Kurse, der Deutsche Aktienindex DAX verliert mehr als fünf Prozent, der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit acht Monaten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht neue Gefahren für die Weltwirtschaft, die Weltbank fürchtet ein Übergreifen der massiven Finanzprobleme in Europa und den USA auf die Schwellen- und Entwicklungsländer. Es sind turbulente und schwierige Zeiten für die Finanzminister und Notenbankgouverneure aus 187 Staaten, die in Washington zur Herbsttagung von IWF und Weltbank zusammengekommen sind, um Krisenmanagement zu betreiben - Krisenmanagement, das nötiger zu sein scheint denn je.

Christine Lagarde (Foto: dapd)

"It can happen again" - Christine Lagarde hofft

Um nicht noch mehr Öl in das Feuer der nervösen Märkte zu gießen, versuchte IWF-Chefin Christine Lagarde, auf die Bremse zu treten und etwas Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten. Sie erinnerte an das Krisenjahr 2008, als die internationale Staatengemeinschaft entschlossen und koordiniert handelte. Dieses "kollektive Momentum" wünscht sich die IWF-Chefin wieder, und sie ist überzeugt: "It can happen again" - es kann wieder passieren.

"Wir brauchen Zeit"

Auch zur Schuldenkrise in der Eurozone fand die geschäftsführende IWF-Direktorin beruhigende Worte: Es seien alle Mittel zur Lösung der Krise beschlossen und vorhanden, die europäischen Staats- und Regierungschefs hätten am 21. Juli ein klares Bekenntnis zum Euro und zur Rettung bedrohter Euro-Mitgliedsstaaten gegeben - es brauche nur Zeit, diese Maßnahmen von den Parlamenten ratifizieren zu lassen und umzusetzen. Schließlich sei man "nicht mehr in den Zeiten Napoleons, in denen ein Herrscher mit den Fingern schnippen kann, und es passiert etwas. Wir leben in demokratischen Staaten - und die brauchen Zeit."

Robert Zoellick (Foto: dapd)

Robert Zoellick bangt um die Entwicklungsländer

Weltbankpräsident Robert Zoellick warnte indessen vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf die Entwicklungsländer. "Die Welt ist einer Gefahrenzone. Im Jahr 2008 sagten viele Menschen, man habe die Krise nicht voraussehen können. Diese Ausrede haben die Politiker diesmal nicht." Die meisten Entwicklungsländer hätten die Krise des Jahres 2008 recht gut überstanden, sagte Zoellick weiter, aber heute sei ihre Widerstandskraft geringer. "Die Krise in den Industrieländern kann zu einer Krise in den Entwicklungsländern führen. Europa, Japan und die Vereinigten Staaten müssen ihre massiven wirtschaftlichen Probleme entschlossen angehen, bevor diese Probleme noch größer werden für den Rest der Welt. Das zu unterlassen wäre unverantwortlich."

Warnung vor Protektionismus

Bis vor kurzem seinen die Entwicklungsländer ein Lichtblick in der Weltwirtschaft gewesen, so Zoellick weiter. Sie steuerten die Hälfte des globalen Wachstums bei, während Europa, Japan und die USA mit hohen Schulden und hoher Arbeitslosigkeit kämpften. Doch das Stocken der Industrienationen könnte die Situation der Entwicklungsländer verschlechtern. "Fallende Exporte sind bereits ein Grund zur Sorge", sagte Zoellick. Seit August stiegen die Risikoaufschläge für Anleihen aus Schwellenländern, die Kapitalzuflüsse seien stark eingebrochen. Als Gefahr nannte Zoellick, dass Schwellen- und Entwicklungsländer in solchen Zeiten zum Mittel des Protektionismus greifen könnten. Angesichts der hohen Lebensmittelpreise dürften die Länder keine Lebensmittel horten oder ihre Exporte einschränken.

Autor: Rolf Wenkel, z.Zt. Washington
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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