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Sport

Hauptstadt ohne Konzept

Die WM-Städte putzen sich: Die Konzepte für die offiziellen Fifa-Fan-Feste stehen überall - nur Hauptstadt und Tourismusmagnet Berlin blamiert sich. Mal wieder.

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Hier kann man feiern


Berlin, Berlin - Hauptstadt und boomende Touristenmetropole. In einem Jahr wird hier das Endspiel zur Fußballweltmeisterschaft ausgetragen. Karten dafür werden nur wenige bekommen können, doch die Masse der Fans soll ja auch nicht im Olympia-Stadion feiern, sondern auf dem offiziellen Fanfest der internationalen Fußballorganisation FIFA. Wo das sein soll, weiß aber noch niemand.

Fans, Familien, Fernsehen

Main-Arrena

Frankfurt feiert durchaus telegen an der "Main-Area"


Offizielle Fan-Feste wird es erstmals 2006 in allen WM-Städten geben. Dort soll es neben der großen Videoleinwand jeweils einen Festplatz mit Angeboten für Fans, Familien und Jugendliche geben. Dort sollen sich auch die Hauptsponsoren der WM präsentieren können. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass sich bei der WM dort Fernseh-Teams aus aller Welt auf die Füße treten werden, um bunte Bilder einzufangen - ein Fest auch für das Stadtmarketing. Und diese Gelegenheit wollen die Gastgeber nutzen: In allen Städten stehen Konzepte und repräsentative Standorte fest, die Suche nach Geldgebern läuft - überall, außer in Berlin. Die Hauptstadt ist die einzige WM-Stadt, die noch keinen offiziellen Fantreff hat.

Feierfest und weltweit einmalig


Dabei gibt es in Berlin einen Ort für die Veranstaltung, der sich geradezu aufdrängt: Die Straße des 17. Juni - jene feierfeste Achse zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule, die schon bei Massenereignissen wie der Loveparade und kürzlich bei Live 8 ihre Tauglichkeit als Vorzeige-Partymeile bewiesen hat und dazu noch prima Bilder für das Fernsehen hergibt. Nach Angaben von Jürgen Kießling, dem WM-Beauftragten in der Senatssportverwaltung, seien sowohl die Sponsoren als auch die Fifa von dem Areal begeistert. "Wir sind für diesen Standort, weil er weltweit einmalig ist", sagt Hanns Peter Nerger, Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH. Ende 2004 hatte die Berliner Senatskanzlei auch gegenüber der Fifa schriftlich erklärt, dass auf der Straße des 17. Juni diese Partymeile entstehen wird.

Sinneswandel des Senats

Doch dann kam im Mai der Sinneswandel. Das Fan-Fest soll nach Willen des Senats nun doch nicht von Anfang Juni bis Anfang Juli auf der Straße des 17. Juni stattfinden. Der Grund: Vor allem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und andere im Senat haben Angst, dass die mehrwöchige Sperrung der Hauptverkehrsachse zu einem Chaos auf den Straßen führen würde. 40.000 Fahrzeuge, die dort täglich unterwegs sind, müssten mehrere Wochen lang umgeleitet werden. Wowereit, so heißt es, befürchte, dass sich viele Berliner dann ärgern würden und seine Wahlchancen im Herbst 2006 sinken könnten.

Ein neuer Standort für das Fan-Fest ist noch nicht gefunden. Das wird auch schwierig. Denn die Partymeile war das Kernstück des Berliner WM-Konzeptes. Ein alternativer Standort werde gesucht, heißt es aus der Senatsverwaltung. Welcher das sein könnte, ist nicht klar, er solle aber auf jeden Fall nicht am Stadtrand liegen. Er müsse hohe Anforderungen an Lage, Sicherheit und die Verkehr erfüllen.

"Größe des Ereignisses unterschätzt"


Inzwischen wächst die Verärgerung über den Berliner Sinneswandel. "Wir haben noch ein paar Probleme zu lösen, bevor sich Berlin von seiner besten Seite zeigen kann", sagt Fedor Radmann, Berater des Präsidiums des Organisationskomitee (OK). Klaus-Dieter Gröhler, stellvertretender Bürgermeister des Berliner Bezirks von Charlottenburg-Wilmersdorf, kritisiert, dass ein Jahr vor Beginn der WM noch kein Konzept vorliegt. "Langsam muss man mal wissen, wo genau welches Event stattfindet", sagt Gröhler, in dessen Bezirk das Olympiastadion ist. "Ich glaube, in Berlin wird die Größe des Ereignisses unterschätzt."

Feiern können werden die Fußballfans aber auf jeden Fall - in Biergärten, Bars, Kneipen oder auf den nicht-offiziellen WM-Partys: Das ZDF wird im Sony-Center wie schon bei der letzten WM eine Leinwand aufstellen. Und Adidas will die Spiele auf dem Rasen vor dem Reichstag zeigen - in einem kleinen Olympiastadion für 8500 Besucher. (sams)


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