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Kultur

Do you speak English, Berlin?

Viele Touristen kommen derzeit nach Berlin. Aber wie steht es mit den Englisch-Kenntnissen der Stadt? DW-WORLD Reporterin Sonia Phalnikar im Selbstversuch.

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WM-Stadt Berlin: Englisch-Kenntnisse lassen noch zu wünschen übrig

Der Countdown zur Fußball-WM 2006 hat begonnen und Deutschlands Hauptstadt pulsiert voll neuem Stolz. Sechs Spiele allein sollen im nächsten Sommer in Berlin stattfinden, darunter das Finale. Ein neuer Unternehmungsgeist hat das übliche Gejammer über die Schulden der Stadt - eine erstaunliche Summe von 66 Milliarden Euro - und die peinliche Niederlage bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 ersetzt.

Das Olympiastadium wurde für 250 Millionen Euro erneuert und das gigantische neue Bahnhofsgebäude wird derzeit fertiggestellt. Die Stadt rechnet mit einer Rekordzahl von Touristen im WM-Jahr.

Fußball-WM 2006 Olympiastadion Berlin

Fußball-WM 2006 Olympiastadion Berlin

Berlin ist ohnehin das drittbeliebteste Reiseziel in Europa. Nach London und Paris. Allein im letzten Jahr besuchten 13 Millionen Touristen die Stadt. Aber inmitten des WM-Fiebers und der Marketing-Kampagnen ist nur wenig die Rede davon, ob man den Bedürfnissen der Touristen gerecht wird - vor allem sprachlich.

Englisch? Nein, nein

Ich merkte erst spät, dass der kalte und regnerische Montagmorgen im Februar sich vielleicht nicht besonders gut für mein Forschungsvorhaben eignet. An diesem Morgen will ich die ausschließlich englischsprachige Touristen spielen.

Am zentralen Alexanderplatz warte ich zunächst zehn Minuten lang in der Schlange, um dann mit zwei missmutigen Mitarbeitern der Berliner Verkehrs Betriebe (BVG) zu sprechen. Als ich endlich vor dem Schalter: "Tickets and More" und "City Tour and Welcome Card Available here" stand, wurde mein erster Versuch als Undercover-Reporterin mit den Worten: "Englisch? Nein, nein!" schnell ein Ende gemacht.

Es schien als hätten die beiden BVGler die überschwänglichen Reden der Berliner Politiker, dass der Fremdenverkehr und vor allem die Fußball-WM "ein Adrenalinschub für die Wirtschaft der Stadt" sei, nicht im geringsten gehört zu haben.

Kein deutsch - kein Ticket

In der Schlange steht auch ein 19-jähriger Brasilianer, der aus London über das Wochenende die Stadt besucht. Er muss leider den Schalter ohne Ticket verlassen. "Es ist schon bisschen frustrierend," klagt er. "Ich habe meinen Reiseführer nicht dabei, wo die ganzen Informationen drin stehen. Alles was ich wissen will, ist welches Ticket am besten ist. Und die Automaten in der U-Bahn erklären nicht auf Englisch, wie lange die Tickets gültig sind."

Schossbrücke mit Berliner Dom und dem Palast de Republik in Berlin im Hintergrund der Berliner Fernsehturm

Schossbrücke mit Berliner Dom und dem Palast de Republik in Berlin im Hintergrimd der Berliner Fernsehturm

Vom Alexanderplatz mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof Zoo – ein verkehrsreicher Bahnhof der von vielen Touristen täglich genutzt wird.

Als ich entlang der langen Schlangen an den Informationsschalter schlendere, mache ich eine schmerzliche Erfahrung mit einer Mitarbeiterin der Deutschen Bahn. Sie scheint nicht zu begreifen, dass ich das auf Deutsch geschriebene Schild "Keine Bedienung an diesem Schalter" nicht lesen kann.

Mehr Ansagen auf Englisch, bitte

Diane Rawley und ihr Ehemann Timothy aus England sind gerade dabei das Tourismusbüro ausfindig zu machen, als ich sie anspreche. Es ist nicht im Bahnhofsgebäude. "Berlin ist schön und recht freundlich", schwärmen die beiden. Allerdings würden sie sich gerne die Ansagen auch auf English wünschen. "Wir haben uns größte Mühe gegeben herauszuhören, ob diese lange deutsche Ansage irgend etwas mit unserem Zug zu tun hatte", sagt Timothy Rawley. "Wir waren besorgt, etwas wichtiges zu verpassen, wie zum Beispiel eine Verspätung oder ein Gleiswechsel."

Englischkurs für Mitarbeiter

Hans-Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH, gab in der Vergangenheit schon mal zu, dass er gern allen Mitarbeitern der Stadt im Dienstleistungssektor einen English Crash-Kurs verschreiben würde. "Es gibt ernsthafte Defizite", sagt er. "Es geht jedoch nicht darum, Englisch, Französisch oder Italienisch sprechen zu können, sondern die Einstellung muss sich ändern." Als Beispiel nennt er die Weigerung mancher Geschäfte Kreditkarten als Zahlungsmittel zu akzeptieren. "Schließlich ist es bekannt, dass amerikanische Touristen bevorzugt mit Karte zahlen."

Nerger sagt, dass Maßnahmen wie in Madrid in Deutschland nie funktionieren würden. Dort müssen Taxifahrer für ihre Lizenz auch einen Englischkurs nachweisen.

Geht doch

Es sieht aber nicht überall schlecht aus mit den Sprachkenntnissen. Kaufhäuser wie zum Beispiel das berühmte KaDeWe haben Mitarbeiter, die fünf Sprachen fließend sprechen. Viele Restaurants drucken jetzt auch ihre Speisekarten auf Englisch. Die meisten Besucher verlassen Berlin mit einem positiven Eindruck – das recht gute Preis-Leistungs-Verhältnis, der Kaffee, die Museen, Berlins Partykultur, das gefällt. Und nicht zu vergessen das effiziente Transportsystem. Auch wenn manchmal die Mitarbeiter etwas unfreundlich sind.

Wesentlich besser als früher

"Es besteht generell ein Mangel an Information auf Englisch in Museen und ähnlichen Stätten, aber es ist wesentlich besser als noch vor zwei Jahren," erzählt Francis Hartnett, Besitzer von Insider Tour, ein Unternehmen das Touren auf Englisch anbietet. "Es gibt jetzt auch weniger Beschwerden seitens der Touristen. Viele waren heutzutage auch schon mal in Osteuropa - Berlin ist da im Vergleich nicht so schlecht."

Es mag vielleicht nicht gerade der schmeichelhafteste Vergleich sein, aber man ist sich einig, dass Berlin mehr für sein internationales Image tun muss. "Was wir wirklich versuchen sollten zu tun ist netter, freundlicher und offener zu Touristen zu sein", fasst Petra Reetz, Sprecherin der BVG zusammen.

Das wäre doch schon mal ein Anfang.