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Musik

Hat Led Zeppelin bei der Band Spirit geklaut?

"Stairway To Heaven" ist einer der berühmtesten Songs der Rockgeschichte, und wurde 1970 von Jimmy Page und Robert Plant geschrieben. Ob das wirklich stimmt, darum wird jetzt vor Gericht gestritten.

Led Zeppelin Bandmitglieder Jimmy Page (links) und Robert Plant (rechts) (Foto: dpa)

Led Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page (links) und Sänger Robert Plant (rechts)

Der berühmte Gitarrenlauf, der das acht Minuten lange Stück einleitet, sei keine originäre Idee der beiden Songschreiber von Led Zeppelin gewesen. Sondern von Randy Wolfe alias Randy California, dem Sänger und Gitarristen der Band Spirit. Der habe das Stück "Taurus" bereits im Jahr 1967 komponiert. So sehen das seine Erben und reichten über einen Treuhänder Klage wegen angeblichem Plagiats ein.

Haben Led Zeppelin-Sänger Robert Plant und Leadgitarrist Jimmy Page tatsächlich geklaut? Das muss jetzt ein Bundesgericht in Los Angeles klären. Page und Plant erschienen am Dienstag (14.06.2016) persönlich vor Gericht.

Die beiden bestreiten vehement einen Diebstahl. Jimmy Page bezeichnete die Vorwürfe als "lächerlich". Man habe den Song gar nicht gekannt, hieß es bereits im Vorfeld des Prozesses. Allerdings haben Led Zeppelin und Spirit Ende der 60er öfters auf den gleichen Festivals gespielt. Led Zeppelin sollen 1968 sogar in Denver als Vorgruppe von Spirit aufgetreten sein. So kann sich auch der Vorsitzende Richter R. Gary Klausner kaum vorstellen, dass Plant und Page diesen Song nie gehört hätten. Nun ist juristisch zu klären, ob es dreister Songdiebstahl ist, Inspiration - oder ob den beiden einfach zufällig das Gleiche eingefallen ist.

Späte Gerechtigkeit oder Geldmacherei?

Wolfe selbst, der 1997 bei einem Badeunfall gestorben ist, hat schon zu Lebzeiten Ähnlichkeiten erkannt, allerdings nie eine Klage angestrengt. In einem Interview kurz vor seinem Tod sagte er noch: "Wenn man beide Songs hört, kann jeder sein eigenes Urteil fällen. Sie sind gleich." Nun sind seine Erben auf den Plan getreten. Vor zwei Jahren reichten sie die Klage ein, die im Erfolgsfall einen millionenschweren Geldsegen verspricht. Rund 500 Millionen Dollar soll "Stairway To Heaven" bisher eingebracht haben. Da lohnt es sich sehr, auch im Nachhinein an den Tantiemen beteiligt zu werden. Ein Schelm, wer da Böses denkt: Ihnen ginge es um die Anerkennung Wolfes als Autor eines der berühmtesten Rocksongs der Welt, erklären die Erben.

Wie ähnlich sind die beiden Stücke wirklich?

Beide Versionen der umstrittenen Sequenz wurden am ersten Prozesstag den Geschworenen vorgespielt. Beim Instrumentalsong "Taurus" von Spirit hört man sechs Takte lang das Gitarrenriff, um das es geht. Nur die Töne oben fehlen - Led Zeppelin spielt parallel zum absteigenden Basslauf eine aufsteigende Melodie.

Nun ist es in der Popgeschichte, selbst in der Klassik keine Seltenheit, dass ein Moll-Akkord in dieser Weise zerlegt wird. Ist also der Gebrauch eines zigfach in Kompositionen eingesetzten Standardmusters schon Diebstahl oder kann man auf auf so ein Stilmittel einfach kein Monopol haben? Wenn es so wäre, müsste jedes gespielte Bluesschema auf Urheberrechtsverletzungen überprüft werden. Dass das kompletter Unsinn ist, liegt auf der Hand.

Zudem sind in der Popmusik bestimmte Harmoniefolgen einfach an der Tagesordnung. Wie ähnlich sich viele Songs sind, zeigen in regelmäßigen Abständen gerne die sogenannten Mash-ups: Zwei, drei oder gleich mehrere Songs werden zusammengemixt, weil ihre Grundakkorde identisch sind: Etwa Oasis' "Wonderwall" und Green Days "Boulevard Of Broken Dreams". Noch deutlicher macht es die australische Comedy-Band "The Axis Of Awesome". Die haben sich mal kurz die Akkordfolge D-Dur – A-Dur – H-Moll – G-Dur vorgenommen und Erstaunliches hervorgebracht.

Nach "Blurred Lines" ist alles möglich

Dieser Plagiatsprozess ist nur einer in einer langen Reihe von ähnlichen Fällen. Die Erben verblichener Popstars sehen ein großes finanzielles Potenzial in Melodien ihrer Väter und Großväter, die Ähnlichkeiten mit aktuellen Popsongs haben. Erst letztes Jahr gab es Wirbel um den Song "Blurred Lines" von Robin Thicke und Pharrell Williams. Ein Geschworenengericht sah es als erwiesen an, dass Thicke und Williams bei Soullegende Marvin Gaye geklaut haben. Für ihren Megahit hätten sie beim Gaye-Song "Got To Give It Up" abgekupfert. Die Erben konnten sich nach dem Urteil über rund sieben Millionen Euro Entschädigungszahlung freuen. Und diese beiden Songs haben weitaus weniger Ähnlichkeit miteinander als "Stairway To Heaven" und "Taurus". Es ist also durchaus möglich, dass das Gericht den Erben des Spirit-Gitarristen Recht gibt.

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