1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Handel mit Abgasen

In der Europäischen Union werden Unternehmen von 2005 an mit Verschmutzungsrechten handeln können. Wie funktioniert das genau?

default

Bezahlen für's Verpesten

"Dreck zu Geld machen" - von 2005 an wird dieser fast alchemistische Traum wenigstens für Unternehmer in der Europäischen Union wahr. "Der Emissionshandel in der EU ist vom Kyoto-Protokoll motiviert, aber rechtlich nicht davon abhängig", sagt Gorden Spangardt vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen. Das Kyoto-Protokoll ist noch immer nicht in Kraft, aber bereits Anfang Juli 2003 hat das Europäische Parlament in Straßburg eine Richtlinie zum Emissionshandel mit Treibhausgasen verabschiedet.

Bis zu 5000 Unternehmen können teilnehmen

In Deutschland sind etwa 3000 bis 5000 Unternehmen aus den Bereichen Energieversorgung, Metall und Baustoffe, Glas, Keramik und Papier betroffen, deren Feuerungsanlagen mehr als 20 Megawatt Leistung erbringen. Vergleicht man diese Leistung mit einem Motorrad mit 27 PS und 20 Kilowatt, dann kann man sich die Dimensionen in etwa vorstellen, meint Jürgen Maaß, Pressesprecher des Bundes-Umweltministeriums (BMU): Eine solche Feuerungsanlage erbringt die Leistung von 20.000 Motorrädern. "Das ist nicht wenig, aber auch keine sehr hohe Grenze", ergänzt Spangardt von UMSICHT.

Berechnung des Kohlendioxid-Ausstoßes

Bis zum 31. März kommenden Jahres muss das Umweltministerium der EU einen Plan vorgelegt haben, aus dem hervorgeht, wie viel Kohlendioxid welches Unternehmen durchschnittlich im Jahr ausstößt. Dafür wird festgestellt, wie viel Brennstoff ein Betrieb in den Jahren 2000 bis 2003 verfeuert hat und um welchen Brennstoff es sich dabei handelte.

"Jeder Brennstoff setzt unterschiedlich viel Kohlendioxid frei", sagt Spangardt. Anhand dieser Daten müssen die Unternehmen berechnen, wie groß ihr Kohlendioxid-Ausstoß ist. Daraufhin wird den Betrieben jährlich ab 2005 eine bestimmte Menge an Zertifikaten zugeteilt, die zum Ausstoß von Kohlendioxid berechtigen. "Natürlich nicht vollständig für den gesamten Kohlendioxid-Ausstoß, sonst würde man keinen Umweltnutzen herbeiführen", sagt Spangardt.

Danach müssen die Unternehmen jeweils jährlich ihre Emissionen für das abgelaufene Jahr neu berechnen und den Zertifikaten jede Tonne emittiertes Kohlendioxid bezahlen. "Das muss man sich so ähnlich wie die Steuererklärung vorstellen", sagt Spangardt.

Strafe bei Zahlungsunfähigkeit

Sollte ein Betrieb nicht in der Lage sein, die freigesetzte Menge an Kohlendioxid zu bezahlen, "so sieht die Richtlinie die Verhängung einer Sanktion in Höhe von 40 Euro pro Tonne nicht durch Berechtigungen abgedeckter Emissionen in der ersten Zuteilungsperiode [2005 bis 2007] bzw. 100 Euro pro Tonne in den folgenden Zuteilungsperioden [ab 2008] vor", heißt es in der Begründung zum Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) des Bundesumweltministeriums. Die fehlenden Zertifikate müssen aber trotz Strafe noch nachgereicht werden.

Handel als Investitionsanreiz

Im Endeffekt sind die Unternehmen also ab 2005 gezwungen, entweder ihren Brennstoffverbrauch zu senken – denn das ist bislang der einzige Weg, die Kohlendioxidemission zu verringern - oder Rechte für den Kohlendioxid-Ausstoß von anderen deutschen oder europäischen Unternehmen zu erwerben. Jürgen Maaß sieht das als Investitionsanreiz für die Betriebe: "Wenn ich mir eine neue Feuerungsanlage anschaffe, spare ich Brennstoff ein und kann außerdem Kohlendioxid-Rechte verkaufen. Dann kaufe ich mir die neue Feuerung vielleicht nicht erst in fünf Jahren, sondern schon jetzt."

Bis zu 30 Euro pro Zertifikat

Wie viel die einzelnen Zertifikate auf dem freien Markt kosten werden, ist noch nicht klar. Zunächst wird der Handel laut Spangardt wahrscheinlich über Broker oder private Agenturen laufen und später an eine Börse gehen. "Ganz vorsichtig geschätzt werden die Zertifikate an der Börse dann etwa fünf bis dreißig Euro pro Tonne Kohlendioxid kosten", sagt Spangardt. Die zugeteilten Zertifikate müsse man sich so vorstellen, wie Geld auf Bankkonten. "Wenn es Papier wäre, würde darauf stehen: 'Dieses Zertifikat berechtigt zur Emission einer Tonne Kohlendioxid in einem bestimmten Zeitraum'."

Workshop für Manager

Damit die betroffenen Unternehmen in gut einem Jahr nicht völlig hilflos in den Emissionshandel einsteigen, bietet UMSICHT gemeinsam mit den nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern ein "jupiter" genanntes Projekt zum Training von Managern an. Spangardt: "Das Projekt besteht aus Schulung und Beratung und einer achtmonatigen Emissionshandel-Simulation, in der 1:1 alle Regelungen der Realität abgebildet werden – bei uns entspricht allerdings jeweils ein Monat einem Jahr des Zeitraums 2005 bis 2012."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links