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Wirtschaft

Haftcreme und Seniorenhandy

Jung, sportlich, dynamisch: Mit diesen Idealen wird gerne Werbung gemacht. Aber nicht mehr lange. Industrie und Handel müssen sich auf die größte Konsumentengruppe von morgen einstellen - die Rentner.

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Senioren: die größte Konsumentengruppe der Zukunft

Deutschland im Jahr 2050: Stille auf den Straßen, alte Menschen trotten gebeugt an Häuserwänden entlang, überschwengliche Freude beim Anblick eines Kindes. Dieses Szenario ist gar nicht so unwahrscheinlich. Unser Land befindet sich in einem dramatischen demographischen Wandel. Der Anteil der älteren Bevölkerung steigt stetig an. Schon im Jahr 1999 wurde ein Scheitelpunkt überschritten: seither gibt es erstmals in Deutschland mehr Menschen über sechzig Jahre als solche, die jünger als zwanzig sind.

Für Firmen bedeutet das Umwerben älterer Menschen noch einen sensiblen Balanceakt. Denn die meisten Hersteller setzen auf ein modernes und junges Image. Sie fürchten den Verlust ihrer jugendlichen Käufer, wenn sie mit speziellen Produkten für ältere Menschen werben.

Keine Extras für Senioren

"Das wird von den Kunden nicht erwünscht", erläutert Friedbert Holz, Pressesprecher von BMW im Gespräch mit DW-WORLD. Zwar können die Autos mit bestimmten Features wie akustischer Abstandshilfe, speziellen Komfortsitzen oder besonders hellen Scheinwerfern ausgestattet werden. Aber die Händler sind dazu angehalten, die ältere Kundschaft nicht direkt auf die Sonderausstattungen anzusprechen.

Der Konzern fürchtet, mit seniorengerechten Extras potenzielle Käufer vor den Kopf zu stoßen. "Die klassischen Wohlstandsträume ändern sich nicht", sagt Holz. Und das Traumauto sei eben ein Sportwagen, nicht der komfortable Mini-Van.

Sensible Konsumenten

Gundolf Meyer-Hentschel, Geschäftsführer einer Saarbrücker Unternehmensberatung, bestätigt diesen Trend. Vor mehr als 15 Jahren hat er sich auf Seniorenmarketing spezialisiert. Er kennt die Schwierigkeiten der Firmen: "Sie wollen ältere Menschen als Zielgruppe erschließen. Aber genau das dürfen sie nicht sagen". Denn kein älterer Mensch gibt Geld für ein Produkt aus, das ihm die Botschaft übermittelt, er sei gebrechlich oder gar am Ende seines Lebens angelangt.

"Aber das wird sich ändern", prognostiziert der Werbefachmann. In einigen Jahren würden die Älteren viel stärker die öffentliche Meinung dominieren als heute. Dann müssten Firmen mit ihren Produkten nicht länger Imageverluste befürchten, wenn sie Senioren gezielt ansprechen. Die Computerfirma Lintec kann davon ein Lied singen. Vor rund zwei Jahren brachte das Unternehmen einen Computer auf den Markt, der älteren Menschen den Einstieg mit dem PC erleichtern sollte. Nach mehr als einem Jahr benannten sie das Modell um: "Lintec Senior" heißt jetzt "Lintec easy".

Gehhilfe und Gummiwärmflasche

Zu verdenken ist es Rentnern nicht, wenn sie zu den typischen Produkten für ihre Altersgruppe Distanz halten. Zu häufig konzentrieren sich die Hersteller einzig auf die Hilfsbedürftigkeit und Gebrechlichkeit der alten Menschen.

Auch das, glaubt Meyer-Hentschel, wird sich ändern. Denn die junge Generation von heute führt ein abwechslungsreiches und aktives Leben. Das wird sich auch im Alter nicht ändern. Und auf eines wird die Wirtschaft sich einstellen müssen: Die Rentner von morgen werden sie ihr kritisches Konsumbewusstsein beibehalten.

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