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Kultur

Hacken gegen rechts?

Rechtsextreme Parteien feiern Wahlerfolge. Deutschland gibt sich geschockt - obwohl die Ergebnisse nicht überraschend kamen. Auch in Klein-Bloggersdorf, dem deutschen Teil der Welt der Weblogs, gehen die Wogen hoch.

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Auch Journalisten haben - neben ihrer beruflichen - eine persönliche Meinung und bringen sie zum Ausdruck. In seinem Weblog "Megawatt" schreibt der ZEIT-Redakteur Gero von Randow: "Was ist nur mit den deutschen Hackern los? Man kann die Website der NPD und ähnlichen Schmutz ungehindert ansurfen." Und der freie Journalisten Manfred Heinze antwortet in seinem Weblog "Industrial Technology and Witchcraft": "Ich habe gestern abend genau dasselbe gedacht: hilflose, entsetzte Wut - da werden alle möglichen Sites geklatscht, warum nicht endlich die?"

Was der geschätzte Herr von Randow und die Industriellen Hexenmeister damit provozierend sagen wollen: Eigentlich sind jetzt Hacker in der Pflicht, der FDGO (Freiheitlich-demokratischen Grundordnung) zur Seite zu springen und doch bitte schön undemokratische, mißliebige, fremdenfeindliche, rassistische, im Ausland einen schlechten Eindruck machende Webseiten... tja, was? Aus dem Netz prügeln? Im Sinne der FDGO umschreiben? Mit bunten Blümchen versehen?

Damit wir uns richtig verstehen: Auch Endunterzeichnetem wurde übel, als er in den Hochrechnungen des Fernsehens die Prozentzahlen für DVU und NPD zum ersten Mal sah. Und das Lachen über den ebenso unbeholfenen wie gespenstischen Auftritt des NPD-Spitzenkandidaten blieb Endunterzeichneten quer im Halse stecken. Aber Hack-Angriffe gegen Neonazis?

Mal abgesehen davon, dass "Hacker" einer der am meisten missverstandenen und am falschesten verwendeten Begriffe in der öffentlichen Diskussion sind (Tim Pritlove in seinem Weblog "Künstlerisch-wissenschaftliche Konfusion": "Es ist NICHT eine Eigenart des Hackers per se Webseiten zu defacen (sprich: die Inhalte ändern und/oder die Server lahmzulegen), sondern sich kreativ mit Technik auseinanderzusetzen und eben NICHT in anderer Leute Daten rumzumüllen."

Hack-Angriffe sind - anders als die genannten rechtsextremen Parteien - schon heute illegal. Und Hacker, gerade solche von der bösen Sorte, lassen sich ungern ihre Ziele vorschreiben lassen.

Die Zahl der potentiellen Rechtswähler in Sachsen und Brandenburg, die arbeitslos, unzufrieden mit der Politik der etablierten Parteien oder tatsächlich rechtsextrem denken sind UND gleichzeitig das Internet nutzen, um sich ihre politische Meinung zu bilden, dürfte doch eher klein sein. Und auch ohne ihre Webseiten, so unerfreulich das ist, dürften die Rechtsextremen ihre Wahlergebnisse erreicht haben.

Der Rundblick in Klein-Bloggersdorf (so heißt die deutsche Weblog-Landschaft in der deutschen Weblog-Landschaft) zeigt jedoch vor allem eins: Auch komplizierte Themen lassen sich in allen möglichen Formen, Ausdrucksweisen und - politischen - Farben diskutieren, ohne dass die Sache an sich vor die Hunde geht.

Da wird das Grundgesetz zitiert (Artikel 5 zur Meinungsfreiheit) und mit der amerikanischen Verfassung (First Amendment, ebenfalls zur Meinungsfreiheit) verglichen. Da wird bei aller Emotionalität auf Sachlichkeit in der Auseinandersetzung gedrungen, da wird TV- und anderen Journalisten empfohlen, sich inhaltlich auf Interviews vorzubereiten (immer eine gute Idee!), bevor sie in den Sand gesetzt werden. Die Interviews, nicht die Journalisten.

Und der Besucher von Klein-Bloggersdorf freut sich, dass im Netz neben vielem Müll auch anrührende, mitreißende und engagierte Diskussionen zu finden sind.

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  • Datum 25.09.2004
  • Autorin/Autor Konstantin Klein
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5bSv
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  • Autorin/Autor Konstantin Klein
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